Chris Flatter öffnet ab heute seinen Gruselgarten in Wasentegernbach.
Dorfen – Es blinkt und raucht. Schaurig-schrille Töne durchschneiden die Luft. Überall starren einen Totenköpfe an. Skelette, wohin das Auge blickt, mit Piraten- oder Cowboyhut, in Indianer- oder Totengräberkluft hocken sie auf einer Kanone, um ein Lagerfeuer oder schlängeln sich aus der Gruft. Gruselige Hexen rühren ihren Schmaus im rußigen Kessel. Ja, bald ist wieder Halloween – und Christian Flatter aus Wasentegernbach seit Wochen im Einsatz, um sein Haus, seinen 400 Quadratmeter großen Garten, halt das ganze Anwesen zum schaurigen Spektakel zu machen.
Mit jedem Schuss fällt eine Flasche um
Bereits seit Februar macht sich Flatter Gedanken, wie alles aussehen soll. Aber erst, wenn‘s wärmer wird, wird er richtig aktiv, erzählt der 51-jährige Flughafenmitarbeiter beim Besuch unserer Zeitung. Mittlerweile hat er einen Großteil seines Riesenfundus, der gegenüber in der Halle untergestellt ist, herübergekarrt.
Der Aufbau sei nicht so aufwendig, meint Flatter. Auch wenn sein Garten dann zur Westernstadt umgestaltet wird, wie im Vorjahr. Die großen Deko-Elemente sind schnell positioniert. Aber dazu gibt es noch Animationen. „Etwa einen Cowboy, der hinter einem Fenster hochschleicht und dreimal schießt. Und mit jedem Schuss fällt eine Flasche um“, verrät der Amerikaner.
Im Indianerdorf hat er das Zelt, das mit Totenköpfen übersäte Lagerfeuer und die Sitze bereits aufgebaut. Jetzt fehlt nur noch ein Totem. Überall muss Flatter zudem Spinnweben anbringen. „Ich kann ganz schwer was aus der Hand geben“, gibt er zu.
Die Feinarbeit, die man nicht sieht, ist noch verzwickter, denn er muss alles verkabeln. „Damit bin ich bis zu zwei Wochen lang beschäftigt.“ Und dann muss oft noch etwas repariert werden. So haben seine Hexen aufgehört zu zappeln, weil der Scheibenwischermotor, der sie angetrieben hat, den Geist aufgab. „Den muss ich wieder löten und anschrauben oder mir was anderes einfallen lassen, dass er wieder läuft.“
Kürbisse mit Skalpell geschnitzt
Auch die Gruselgesichter der vielen Kürbisse, die man bei ihm bewundern kann, schnitzt er selbst – „ganz filigran mit dem Skalpell“. An die 40 Stück werden es am Ende sein. Gut, dass er diese von einem Landwirt geschenkt bekommt.
Meine news
Neu ist eine Kutsche, gezogen von kalkweißen Skeletten, die vor seinem Haus steht und für ein Erinnerungsbild gedacht ist. „Die muss noch beleuchtet werden.“ Der Piratenkanonier kann schon per Knopfdruck am Zaun bedient werden. Noch etwas schüchtern probiert es der fünfjährige Nachbarsbub Fynn. In den nächsten Tagen wird er es ganz automatisch machen. Flatter freut sich über Besuch von Kindergruppen. Er erklärt ihnen gerne, wie alles funktioniert und dass nichts echt ist, sollten sie sich fürchten. „Aber den meisten sieht man die schiere Freude an, die den ganzen Aufwand wert ist.“
Als er vor acht Jahren nach Wasentegernbach zog, war Flatter der Neue im Dorf. Mittlerweile hat er das beste Verhältnis zu seinen „total toleranten Nachbarn“. Man hilft sich gegenseitig gerne. Wenn ein Gerät mal den Geist aufgibt, dann heißt‘s: „Da Flatter wird’s schon haben oder er hat eine Idee, an was es liegt.“
Der 51-Jährige freut sich, dass er mittlerweile viele Helfer im Dorf hat, die ihn bei seinem Scary Garden unterstützen. Nicht nur Kürbisse bekommt er geschenkt. Auch einen Schwung Entenflügel mit Federn. Grübelnd hält sie der Amerikaner mit deutscher Mutter in der Hand und überlegt, was er damit machen könnte. Vielleicht ein „Warbonnet“, wie die Engländer die gefiederte Kopfbedeckung der Prärie-Indianer nannten.
Die Wasentegernbacher freuen sich wohl auch über die Popularität, die ihr Ort durch Flatter erhält. Seine Fans kommen aus dem weiten Umkreis, ein paar sogar jedes Jahr aus Bremen. Sie machen bei ihm Zwischenstopp, bevor es zum Skihütten-Urlaub nach Österreich weitergeht.
Flatters Künstlername ist Littlespooky. Er öffnet den Halloween Scary Garden ab heute, Samstag. Jeder Besucher hat bis 1. November täglich von 7.30 bis 22 Uhr in Wasentegernbach 68 freien Zugang.
Plätzchen in Totenkopfform
Auch „Trick or Treat“, also „Süßes und Saures“ wird für 31. Oktober, ab 15 Uhr angekündigt. An Halloween werden Kinder und Hexen, also Nachbarin Steffi mit Freundinnen, in seinem Garten herumlaufen. „Um was es geht, wird noch nicht verraten.“ Nur, dass jedes Kind einen Beutel mit „Littlespooky-Logo“ bedruckt und gefüllt Süßigkeiten erhält. Die hat er selbst genäht, abends vor dem Fernseher.
Um bei der Befüllung möglichst auf Plastik zu verzichten, hat Flatter sogar Baiser-Geister und Butterplätzchen in Mumien-, Totenkopf- und Fledermausform gebacken. Immer häufiger würden die Kinder, bevor sie Süßigkeiten erhalten, ein passendes Sprücherl aufsagen, was ihn besonders freut.
Spenden für bedürftige Rentner
Die Benimmregeln für Besucher finden sich auf einer großen Tafel am Eingang: 1. Habt Spaß, 2. Betreten und schauen auf eigene Gefahr, 3. Wer hier stirbt, wird zur Deko, 4. Schauen bitte nur mit den Augen und 5. Spenden sind gerne gesehen. Denn es geht dem Amerikaner um mehr als nur Gruseln. Er sammelt Spenden für den guten Zweck, wenn sich seine Sponsoren ebenfalls am Donnerstag, 31. Oktober, ab 16 Uhr am Verkostungsstand präsentieren. Der Erlös aus Speisen und Getränken, für die Nachbar Robert Ertl sorgt, geht heuer an den Landshuter Verein „Engel in der Not“, der sich um bedürftige Rentner kümmert.