Der Wartenberger CSU-Ortsverband ist 75 geworden, also genauso alt wie das Grundgesetz und der Deutsche Bundestag. Das Jahr 1949 ist ein historisches, und genau hier sah Ortsorsitzender Markus Straßberger seine Schützlinge bestens eingebunden in die Geschichte, auch wenn er bei der Begrüßung zugab: „Wir haben keine Gründungsurkunde gefunden.“ Wirklich vermisst hat die aber niemand, als der Verband seinen Geburtstag im Gasthaus Reiter gefeiert hat.
Wartenberg – Zuvor hatte Diakon Christian Pastötter eine Andacht gehalten – eine Sache, die für mehrere Redner ihren Worten zufolge wichtig war, wollte man doch an die christlichen Wurzeln einer Partei erinnert wissen, die auch aus dem Eindruck heraus gegründet wurde, den die „gottlose Zeit“ 1933 bis 1945 hinterlassen hatte. „Es ist mir eine riesige Freude, dass ich diesen Ortsverband führen darf“, so Straßberger.
Staatsministerin Ulrike Scharf stellte fest: „In Wartenberg ist immer was los.“ Sie bescheinigte dem Ortsverband „Tatkraft und Gestaltungswillen“, um dann auf die größten Nöte der Gemeinde, nämlich die massiven Kosten für die Kinderbetreuung, einzugehen. „Der Freistaat kann sich dem nicht entziehen. Ich weiß, dass Wartenberg Defizitverträge hat.“ Daraufhin konnte Bürgermeister Christian Pröbst seine Rede gewissermaßen entschärfen, nannte die Gründung des Ortsverbands einen „Meilenstein“ und erinnerte daran, dass Matthias Stuhlberger 36 Jahre lang Bürgermeister gewesen sei. Von den 75 Jahren habe die CSU 46 Jahre lang den Bürgermeister gestellt. „Die kommenden Jahrzehnte werden uns vor Herausforderungen stellen“, orakelte Pröbst.
Er hob hervor, dass eine der wesentlichen Errungenschaften der vergangenen Jahre die Einbindung der Frauen in die Politik gewesen sei, und da gebe es weiter Bedarf. Wie sehr, das machte Markträtin Nina Hieronymus deutlich: „Frauen in der Politik müssen sichtbarer werden“, forderte sie und betonte, die CSU sei mitverantwortlich für eine „stabile Demokratie“ in Deutschland. Das war das Stichwort für Landrat Martin Bayerstorfer, der meinte: „Wir brauchen den mündigen Bürger dafür!“
Hauptredner war CSU-Generalsekretär Martin Huber, der eine flammende, immer wieder von Beifall unterbrochene Wahlkampfrede unter Verzicht auf lokale Themen hielt, sich vor allem auf die Grünen einschoss, aber auch Vorstellungen der Parteien am rechten Rand „geschichtsvergessen und wohlstandsvernichtend“ nannte. Er forderte einen Politikwechsel in Deutschland und nannte die CSU „die letzte verbliebene Volkspartei“, die Orientierung geben müsse.
Verdient gemacht hat sich Thomas Jahns, der eine Festschrift verfasst hat. Straßberger rührte die Werbetrommel dafür und auch dafür, was die Macher einer Ausstellung im Vorraum des Nebenzimmers da geleistet hatten. Peter Bisaha und Bernd Scheumaier sorgten für Musik, der offizielle Teil endete mit einer Brotzeitplatte. Und wie so oft, wenn es hernach etwas zu essen gibt, wirkt das disziplinierend, was die Länge der Redebeiträge angeht.