Die Wunder alter Heilkunst

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Im „Offizin“: Dr. Johannes Eckert (l.) und Jasper Bröker freuen sich, der Alten Apotheke wieder Leben als solche einzuhauchen. © Andrea Jaksch

Der Heilige Berg ist pünktlich zu Beginn der Wallfahrtsaison um eine Besucherattraktion reicher. Ab sofort ist die Alte Apotheke wieder geöffnet – als Museum. „Wissen, Wunder, Wirkung“ heißt die Erlebnisausstellung in der lange Zeit leer stehenden Gebäude. Begleitet wird die Ausstellung mit Audio-Guide und virtueller Reise in die Vergangenheit.

Andechs - Zähne eines Hengstes sollen, unters Kopfkissen gelegt, gegen Schnarchen helfen können. So wie Mönchspfeffer Klosterbrüdern dabei geholfen haben soll, keusch zu bleiben. Heilkunst, Spiritualität und Fortschritt treffen rechtzeitig zu Beginn der Wallfahrtsaison auf dem Heiligen Berg zusammen. Abt Dr. Johannes Eckert hat dort am Freitag die Alte Apotheke zu neuem Leben erweckt. Ab sofort ist in dem alten Barockgebäude eine Erlebnisausstellung zu sehen. „Wissen, Wunder, Wirkung“ heißt sie. Mittels Audio-Guide und computergenerierter Wirklichkeit, gesehen durch eine VR-Brille, geht die Reise zurück ins 18. Jahrhundert zu Mörser und Waage und alter Heilkunst.

Zur virtuellen Reise dürfen die Besucher in einer Art Chorgestühl Platz nehmen und eine VR-Brille aufsetzen, die einen Rundumblick ermöglicht.
Zur virtuellen Reise dürfen die Besucher in einer Art Chorgestühl Platz nehmen und eine VR-Brille aufsetzen, die einen Rundumblick ermöglicht. © Andrea Jaksch

„Heilkunst hat eine große Tradition in Klöstern“, erinnerte Abt Johannes. Andechs mit seiner Wallfahrt ist ein Ort, an dem die Menschen Heilung erbitten. Nur wenige Jahre nach dem 300. Gründungsjubiläum des Klosters im Jahr 1755 wurde 1767 die Alte Apotheke auch deshalb errichtet. Die Mönche schlugen ehrlicherweise damit aber auch zwei Fliegen mit einer Klappe, denn damals wurde der Klosterberg unterkellert, und das Barockgebäude diente dazu, diesen Keller abzudichten.

Bis zur Säkularisation im Jahr 1803 stellten die Mönche auf dem Heiligen Berg aus der „Andechser Apothekenliste“ Arzneien her. Die Liste gehört zu einer Sammelhandschrift, die unter anderem eine Beschreibung von Krankheiten, medizinischer Rezepturen und Sammelanweisungen von Kräutern- und Heilpflanzen enthält.

Fürs Pfarrhaus war es schlecht gelegen. Es es war schwer, die Erlinger hochzulocken.

Mit der Säkularisation wurde die Alte Apotheke zum Pfarrhaus. Abt Johannes hatte als Kaplan selbst noch ein Büro im ersten Stock, dort wo ursprünglich Kräuter gelagert wurden. Das Gebäude steht auf der obersten Plattform auf dem Heiligen Berg, gleich gegenüber vom Haupteingang zur Wallfahrtskirche. „Fürs Pfarrhaus war es schlecht gelegen“, sagt er lachend, denn es sei immer schwer gewesen, die Erlinger „hochzulocken. Es ist vom Dorf ein weiter Weg.“ Das Pfarrhaus gehörte der Pfarrstiftung. Seit 2016 ist es im ehemaligen „Erlinger Hof“, unten im Dorf, untergebracht – ein Tausch vom Kloster als Eigentümer mit der Pfarrstiftung, der bis dahin das historische Gebäude auf dem Heiligen Berg gehörte. Diese Alte Apotheke mit ihren sechs schönen Fresken über die Erschaffung der Welt oder mit dem barmherzigen Samariter stand von da an leer. Abt Johannes: „Seitdem fragen wir uns, wie kann man das Gebäude nutzen, um es in seiner ursprünglichen Intention wieder zum Strahlen zu bringen.“ Das Unternehmen Time-Ride hatte dazu eine Idee.

Seit 2023 bietet Time-Ride in der Klosterbrauerei am Fuße des Heiligen Berges virtuell ergänzte Führungen an, die den laufenden Betrieb nicht stören. Auf diese Weise funktioniert nun auch die Erlebnisausstellung, die am Freitag oben auf dem Berg eröffnet wurde. Die Räume wurden mit nachgebildeten Mobiliar und liebevoll zusammengekauften Inventar eingerichtet, Arbeitsbereiche nachgestellt. Das ursprüngliche Inventar wurde nach der Säkularisation nach München gebracht. „Wir wissen leider nicht, wo es ist“, bedauert Abt Johannes.

Waage, Mörser und jede Menge Kräuter finden sich im nachgestellten Laboratorium.
Waage, Mörser und jede Menge Kräuter finden sich im nachgestellten Laboratorium. © Andrea Jaksch

Nachgestellt sind in der Alten Apotheke nun ein „Offizin“ (Werkstatt), ein Laboratorium und ein Verkaufsraum, in dem Apothekerfläschchen oder Blätterpressen käuflich zu erwerben sind. Wer mehr erfahren möchte, taucht ein in eine Führung durch computergenerierte alte Zeiten, in denen Corona unbekannt, aber Pest und Lepra zum Leben dazu gehörten. Über einen Audio-Guide erwacht zunächst die Stimme des letzten Andechser Apothekers (bis 1803) zum Leben. Pater Heinrich Breitenacher erzählt, wie es früher war, und was für eine Rolle zum Beispiel das Einhorn spielt, das in einem der Originalfresken zu erkennen ist. Nach der Audio-Tour folgt die virtuelle Reise mittels einer VR-Brille, dies geschieht bequem sitzend in einer Art Chorgestühl.

Staunen und lernen, wie eng Spiritualität, Wissenschaft und Heilkunst im Mittelalter miteinander verwoben ist, können Besucher ab sofort dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr. Die Teilnahme an der Führung kostet 13,90 Euro.

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