„Sie brüten nicht mehr“

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Im vergangenen Jahr hatten die Fischadler erstmals nach langer Zeit einen Horst gebaut und zwei Junge erfolgreich aufgezogen.
Im vergangenen Jahr hatten die Fischadler erstmals nach langer Zeit einen Horst gebaut und zwei Junge erfolgreich aufgezogen. Daraus wird heuer wohl nichts. © Hanna von Prittwitz

Bei den Naturschützern macht sich große Enttäuschung breit. Nachdem die geschützten Fischadler wie schon im Vorjahr Anstalten gemacht hatten, wieder am Südufer des Ammersees zu brüten, haben sie nun offenbar ihren Horst verlassen. Vermutlich gab es zu viele Störereignisse.

Dießen - Zu viel Unruhe, Flöße mit grölenden Horden, Kite-Surfer: Die an der Alten Ammer bei Dießen brütenden Fischadler haben ihre Brut allem Anschein nach aufgegeben. „Es gab verschiedene, erhebliche Störungen um und leider auch direkt unter dem Fischadler-Horst, unter anderem ein Partyfloß in der Alten Ammer am 11. Mai und Kiter, die zu südlich im Naturschutzgebiet unterwegs waren“, berichtet Jana Jokisch, Gebietsbetreuerin für den Landesbund für Vogelschutz (LBV) am Ammersee, auf Merkur-Nachfrage. Die Fischadler seien zwar noch in der Nähe. „Aber sie brüten nicht mehr“, so Jokisch. „Was genau zu der Brutaufgabe geführt hat, wissen wir letztendlich nicht. Es war eventuell auch die Summe der Störereignisse im April und Mai.“ Wie berichtet, hatten zuvor Jugendliche ein Feuer beim gegenüber des Horstes liegenden Vogelturm verursacht. Unklar sei, wie es nun weitergehe für den Fischadler.

Seit Samstag vor einer Woche liegen fünf Bojen für die Dießener Bucht im Wasser, 14 waren laut Unterer Naturschutzbehörde geplant. „Das freut uns sehr, denn der Schutz der Südbuchten am Ammersee ist ja nicht nur für den Fischadler diese Saison wichtig, sondern für alle Arten für die kommenden Jahre und Jahrzehnte. Damit ist jetzt ein guter und wichtiger, erster Schritt getan“, betont Jokisch.

Darauf, wie und wann die Bojen ausgebracht wurden, habe sie keinen Einfluss nehmen können. „Die Gebietsbetreuung Ammersee hat dieses Projekt mit angeschoben und die Naturschutzbehörden bei der Umsetzung unterstützt. Den Großteil der Arbeit und Organisation hat die Untere Naturschutzbehörde Landsberg in Absprache mit der Höheren Naturschutzbehörde gemacht.“ Von Schuldzuweisungen würde sie absehen, „weil solche Themen wesentlich komplexer sind, als sie wirken“.

„Wir von der Gebietsbetreuung Ammersee im LBV haben viel Zeit und Energie in den Schutz des Fischadler-Paares und seiner Brut gesteckt“, berichtet Jokisch. Darunter fielen Organisation und Aufbau der Nisthilfe, Information der Öffentlichkeit, Bojen, Absprachen und Kontrollen am Vogelturm. „Wir sind natürlich enttäuscht, dass sie diese Saison ihre Brut aufgegeben haben. Es ist frustrierend, immer wieder diese unnötigen Störungen mitzubekommen.“

Die Bojen sollen nun helfen, das Ammersee-Südende besser vor Störungen zu schützen. „Wir werden zusammen mit ehrenamtlichen Helfern viel vor Ort sein und die Bevölkerung sowie Besucher über diesen Naturschatz vor der Haustüre aufklären.“ Dazu bekomme sie Unterstützung von den Naturschutzwächtern, besonders zur Töpfermarkt-Zeit. „Und wir sind im Austausch mit der Schutzgemeinschaft Ammersee.“

Das zuständige Landratsamt in Dießen hat sich am Donnerstag zu den Bojen geäußert: „Vor der Ausbringung der Bojen im See mussten einige notwendige Abläufe besprochen, abgesprochen, organisatorische Schritte durchlaufen werden, weswegen (leider) die tatsächliche Installation der Bojen Zeit beanspruchte“, schrieb Pressesprecher Wolfgang Müller auf eine Anfrage des Starnberger Merkur. Aus Sicht der Behörde jedoch seien drei Ereignisse entscheidend „für die traurige Nachricht über den Brutabbruch“. Dazu gehörten der Schilfbrand vor dem Vogelturm, die starke Störung durch das Partyfloß unter dem Horstbaum in der Alten Ammer sowie am 16. Mai durch Kiter im Naturschutzgebiet direkt daneben. „Die Störungen waren für die brütenden Fischadler zu groß“, so Müller.

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