An diesem Wochenende gehen im Rottacher Traditionslokal Moschner für immer die Lichter aus. Für viele einheimische Nachtschwärmer ist es das Ende einer Ära. Das Bedauern ist groß.
Rottach-Egern - Es dürfte wohl kaum einen Nachtschwärmer im Tegernseer Tal geben, der das nicht erlebt hat: Man ging durch die wuchtige Holztür und hinein in das Gebäude aus dicken Mauern, wo der Abrieb zigtausender Hände den rauen Putz geglättet hat. Dann entschied man sich: Entweder man bog ab ins urig-rustikale Lokal mit den kleinen, bleiverglasten Fenstern, oder man stieg die Treppe hinauf. Einmal ducken wegen des niedrigen hölzernen Türrahmens und schon war man drin in der Bar. Man stand einfach nur da, mit einem Drink in der Hand, und irgendwann, wenn es voller wurde und der Sound der Musik aus mehreren Jahrzehnten immer lauter, begann man, mit den anderen Gästen Party zu machen.
Ex-Barfrau erinnert sich an Wolfgang Fierek und Sascha Hehn
„So war das schon immer, es hat sich bis heute nichts geändert“, weiß Sylke Leber. Die heute 60-Jährige stand zehn Jahre lang, von 1986 bis 1996, hinter der Bar und hat auch zuletzt ein paarmal reingeschaut. „Die Zeit damals war ganz speziell“, erinnert sich Sylke. „Alle haben ausgelassen gefeiert, und oft war es so voll, dass die Jungs die Mädels auf die Schulter genommen haben, damit sie was bestellen konnten.“ Das Moschner sei damals ein ganz heißer Tipp gewesen. „Das Après-Ski-Feeling von heute hatten wir damals schon im Moschner“, sagt die Tegernseerin, die sich auch an viele Promis erinnert, die damals im Tal ausschwärmten und bisweilen die Boulevard-Presse fütterten. An Wolfgang Fierek erinnert sie sich ebenso wie an Sascha Hehn, „und auch an viele Spieler des FC Bayern“. Das Feeling sei auch deshalb so gut gewesen, weil alle Angestellten gut befreundet gewesen seien, „wir waren einfach ein gutes Team“, sagt Sylke. Froh sei sie damals allerdings gewesen, dass in der Bar um 1 Uhr Schluss war. Zuletzt ging‘s Freitag und Samstag ab 22 Uhr erst los.
Moschner: An diesem Wochenende geht eine Ära zu Ende
Nach diesem Wochenende (29./30. März) ist alles vorbei. Licht aus, Türe zu. Eine Ära geht zu Ende, denn Peter Hubert, der 1997 zunächst die Bar und dann 2001 das ganze Weinhaus übernahm, mit Susanne Eichler als Geschäftsführerin, gibt den Betrieb auf. Er hat sich entschieden, den auslaufenden Pachtvertrag nicht zu verlängern, „schweren Herzens“, wie er betont, und aufgrund einer deutlichen Mieterhöhung, von der der Vermieter nicht habe absehen wollen.
Bräustüberl-Wirt Hubert übernahm seinerzeit das Moschner
„Es ist natürlich schade, dass jetzt eine Ära zuende geht“, sagt auch „Fidi“ Vögele angesichts der 71-jährigen Geschichte des 1954 von Paul Moschner erbauten Hauses. Der heute 78-Jährige war ab den 1970er-Jahren bis zur Übernahme durch Peter Hubert das Gesicht im Moschner. Immer lässig-schick gekleidet und mit charmantem Schwung sorgte er dafür, dass alles rund lief – unten im Lokal und oben an der Bar. „Natürlich ist es schade, aber es geht ja weiter“, ist er überzeugt, „irgendwo in Rottach wird wieder eine Kneipe in einem Keller aufmachen, und dann redet keiner mehr vom Moschner.“ Was die Zukunft des Weinhauses betrifft, so glaubt er, dass es schwierig werden dürfte. „Wir hatten schon früher oft Probleme mit Lautstärke und Trubel“, sagt Vögele. „Das Haus wurde ja für eine Gastronomie erbaut. Da kannst du schwer was umbauen, sondern nur abreißen.“
Wie es mit dem Gebäude weitergeht, steht noch nicht fest
Wie es mit dem Haus tatsächlich weitergeht, weiß Eigentümer Stefan Windschiegl selbst noch nicht. „Ich bin offen für Angebote und blockiere nichts“, sagt der Oberpfälzer, der das Weinhaus vor neun Jahren gekauft hat. Ein reines Wohnhaus neu zu errichten und damit möglichst viel Kapital herauszuschlagen, daraus dürfte nichts werden. „Das Gebäude befindet sich innerhalb eines einfachen Bebauungsplans in einem Mischgebiet“, erklärt die Rottacher Bauamtsleiterin Tanja Butz. Es sei nur eine Nutzung zugelassen mit Gewerbe oder Gastro im Erdgeschoss und Wohnungen lediglich im Obergeschoss. Eine Erweiterung zur Straße hin sei möglich, auch eine Tiefgarage.
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Ab Sonntag (30. März), dem letzten Tag im Lokal, sind die Lichter aus. Der Gmunder Sebastian Radler (29), der zu den regelmäßigen Moschner-Gästen gehört hat, findet die Schließung einfach nur schade. „Damit bricht wieder ein Traditionsladen weg.“ Vor allem für die Jugend findet er es bedauerlich. „Denn wo bitteschön sollen die jetzt noch hingehen?“
gr