Erding: Muss das Messer raus aus der Lederhose?

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Darf es stecken bleiben oder nicht? Ein schärferes Waffengesetz würde aktuell auch Trachtenmesser betreffen. © IMAGO/TimxSchulz

Schärferes Waffengesetz wegen zunehmender Delikte? Das sagen betroffene Trachtenvereine aus dem Landkreis Erding.

Deutschlandweit häufen sich Körperverletzungen durch Messerangriffe. Um dagegen vorzugehen, plant Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) ein schärferes Waffengesetz. Wie unsere Zeitung berichtet hat, wären davon auch Gebirgsschützen und Trachtenvereine betroffen, deshalb üben auch sie Kritik an den in der Politik ebenfalls umstrittenen Plänen Faesers. Unter den Trachtlern im Landkreis ergibt sich jedenfalls ein differenziertes Meinungsbild. Wir haben uns umgehört.

Aktuell ist in der Öffentlichkeit das Mitführen von Messern mit einer Klingenlänge von zwölf Zentimetern erlaubt. Nun könnte die Länge auf sechs Zentimeter reduziert werden, was damit auch so manches Trachtenmesser illegal machen würde.

Der Hirschfänger, eine uralte Tradition

Trachtler widmen sich der Erhaltung von Traditionen und Bräuchen. Deshalb tragen die Mitglieder ihre Tracht zu den verschiedensten Anlässen. Zur traditionellen Kleidung gehört bei den Herren ein Messer, das griffbereit in jeder Lederhose auf der rechten Seite in einer kleinen Tasche verstaut ist. Der sogenannte Hirschfänger hat eine jahrhundertealte Tradition, die auch heute noch gepflegt wird. Er wird von Trachtlern als Werkzeug oder Essbesteck verwendet.

So ist es auch beim Volkstrachtenverein Wartenberg. Die Klinge sei eine „Hand lang“, auf jeden Fall nicht länger als zehn Zentimeter, sagt Vorsitzender Sepp Korber. Er hält die mögliche Gesetzesänderung für „Blödsinn, bei den Trachtlern ist die ganzen Jahre noch nie etwas passiert ist“. Korber hat selbst seit 50 Jahren ein Messer in der Lederhose dabei.

Auf dem Oktoberfest seien Messer schon seit einigen Jahren verboten, um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten. Korber erzählt, dass sein Verein die Messer seit der Regelung dorthin nicht mehr mitnehme. Damals habe er ein Gespräch mit einem Festwirt über das Verbot geführt. Der habe ihm gesagt, dass die Gefahr bei Trachtenmessern nur darin bestehe, dass sie von anderen Besuchern gestohlen und eben eventuell missbraucht werden könnten.

Im Landkreis heuer bislang drei Fälle

Bundesweit steigt die Zahl besorgniserregender Messerdelikte. Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord hat für den Landkreis Erding im Jahr 2023 jedenfalls neun Fälle erfasst, bei denen als Tatwerkzeug ein Messer verwendet worden ist. Aktuell sieht es zumindest hier nach rückläufigen Zahlen aus, drei Delikte sind es heuer bislang gewesen, teilt das Präsidium auf Anfrage mit.

Das Messer ist Bestandteil der Miesbacher Tracht, die die Mitglieder des Heimat- und Trachtenvereins Edelweiß-Stamm Erding tragen. Die Messer sind zum Teil Erbstücke, erzählt Vorsitzender Florian Bergweiler. Bei einer neuen Anschaffung dürfe man mit einem Preis von 200 bis 300 Euro rechnen. Die Hirschfänger hätten unterschiedliche Klingenlängen, meistens seien sie aber fast zwölf Zentimeter lang.

Die Vereinsmitglieder wären durch eine Gesetzesänderung nur teilweise eingeschränkt, findet Bergweiler. Das Messer sei eben nur ein kleiner Teil der gesamten Tracht, der wegfallen würde. Jedoch könnten „bereits kleine Bestandteile die Tradition bröckeln lassen“, sagt Bergweiler. Wenn man einmal beginne, wichtige Elemente zu streichen, sei die Gefahr vorhanden, dass weitere Maßnahmen folgen könnten.

Das Verbot auf der Wiesn sei ein „anderes Thema“, meint Bergweiler. Bei Veranstaltungen mit unzähligen Besuchern, wo viel Alkohol fließe, hält er das Verbot sogar sinnvoll, um Gewaltdelikte einzuschränken. Auf Traditionsveranstaltungen wie Gau- oder Trachtenfesten hingegen sei es wichtig, Bräuche zu wahren und die Tracht vollständig zu tragen. Bergweiler betont zudem, dass man mit dem Gesetz „nicht alle in eine Schublade stecken“ solle und in Bezug auf Trachtler „noch nie etwas passiert“ sei.

Alternativen zur Klinge

Entspannt sieht das Ganze der Vorsitzende der Goldachtaler Eicherloh, Anton Kollmannsberger. Er berichtet, dass in seinem Verein das Trachtenmesser „nicht unbedingt“ zur Tracht gehöre. Das Messer oder seine Abwesenheit werde bei Veranstaltungen, bei denen die Tracht bewertet werde, nicht beurteilt. Dennoch hätten die Lederhosen ein zusätzliches Fach, in dem ein Messer verstaut werden könne, und die meisten Eicherloher Goldachtaler hätten auch eins in der Tasche.

Auch Kollmannsberger hält das Oktoberfest-Verbot für sinnvoll. Doch wenn man generell mal kein herkömmliches Trachtenmesser mehr einstecken dürfte? Kollmannsberger verweist auf Alternativen, die es inzwischen gebe: Gabeln, Löffel oder Flaschenöffner, deren Griff an den der Messer erinnere. Beim Tragen sehe man von außen keinen Unterschied. Kollmannsberger hat selbst ein Messer in der Tracht – Klingenlänge: knapp zwölf Zentimeter. Es sei praktisch, wenn er beispielsweise Brotzeit mache. Doch groß eingeschränkt würde er sich durch das Verbot auch nicht fühlen, sagt er entspannt.

Tanja Maier

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