Reiche Länder bunkern Korallen-Daten – in Indonesien läuft es ganz anders

Korallenriffe weltweit sterben ab – sogar der erste große Klima-Kipppunkt ist überschritten. Doch in Indonesien zeigen sich Zeichen der Erholung

Seit 2011 forscht das „Mars Sustainable Solutions-Team“ des Tiernahrungs- und Lebensmittelunternehmens Mars an Methoden zur Riff-Wiederaufforstung. 

Meeresbiologin Dr. Ines Lange untersuchte die durch Riffsterne restaurierten Riffe. Alissa Rauer ist Communication Manager bei Mars. Im Interview mit FOCUS online Earth erklären sie, dass der Erfolg auch auf der intensiven lokalen Beteiligung und dem guten Kommunikationsaustausch zwischen Wissenschaftlern und Einwohnern beruht – ein Modell, das Hoffnung macht.

Frau Lange, Frau Rauer, was war das Besondere an der Zusammenarbeit mit dem Restaurierungs-Team in Indonesien?

Dr. Ines Lange: Normalerweise reisen wir zu zweit oder zu dritt an einen Standort und nehmen dann so viele Forschungsdaten auf, wie wir  können. In Indonesien hatten wir auf einmal ein Team aus zehn, zwölf Leuten, die mit uns zusammengearbeitet haben. Auf diese Weise haben wir viel mehr geschafft – in kürzerer Zeit. Außerdem war es ganz toll zu sehen, wie wissbegierig alle sind, denn darum ging es uns auch: dass wir unsere Expertise weitergeben, während wir gleichzeitig vom lokalen Team lernen. Wissenschaft sollte eigentlich immer ein Austausch sein, das ist wichtig.

Ist sie das nicht immer?

Lange: Forschung ist leider oft so ein bisschen „von oben herab“. Die gut finanzierten Länder schicken ihre Korallen-Wissenschaftler irgendwohin, die forschen dann und nehmen die Daten mit nach Hause. Die gesammelten Erkenntnisse werden oftmals gar nicht geteilt. Und das ist natürlich tragisch. So sollte es nicht laufen.

Bei unserem Projekt in Indonesien ist es ganz toll gelaufen, weil indonesische und europäische Wissenschaftler wirklich eng zusammengearbeitet haben. Es gab einen strukturierten Informationsaustausch und alle haben bei Datenanalyse und Veröffentlichung angepackt. Zwei indonesische Studenten waren anschließend zusammen mit uns in England für ein paar Monate, um dort ihre Analysen voranzubringen und Konferenzen zu besuchen. Es war einfach toll zu sehen: Es kann funktionieren.

Riffsterne Korallen
Beim Projekt in Indonesien wurden Riffsterne auf dem Meeresgrund befestigt. Dr. Ines Lange, Ocean Culture Life

Wie kann Austausch in der Forschung gelingen?

Dr. Ines Lange: Man braucht ein gutes Netzwerk um Erfolge und neue Methoden zu teilen. Und da kommen wir als Wissenschaftler ins Spiel: Wir müssen sicherstellen, dass alle Forschungsergebnisse veröffentlicht werden und offen darüber gesprochen wird. Das ist wichtig, damit nicht jeder wieder das Rad neu erfindet, sondern die Forschungen aufeinander aufbauen können.

Warum ist es so wichtig, die Gemeinden vor Ort einzubeziehen und wie kann das gelingen?

Dr. Ines Lange: Die Riffe gehören ja nicht den Forschern oder Investoren. Es bringt nichts, irgendwo hinzureisen und ein Riff wiederaufzuforsten, wenn die Anwohner es nicht wollen. Natürlich geht es um Naturschutz, es geht aber auch darum,  den Menschen vor Ort damit zu helfen. Den Anwohnern, die von den natürlichen Ressourcen leben oder von dem verbesserten Küstenschutz profitieren.

Indonesien Menschen im Wasser
Die Zusammenarbeit mit Einheimischen vor Ort war wichtig für das Korallenaufforstungsprojekt. Alissa Rauer, Mars – IndoPacific Films

Haben Sie schon einmal Gegenwehr der Einheimischen erlebt?

Dr. Ines Lange: Ich glaube, es ist manchmal einfach ein bisschen Skepsis, ob das auch wirklich funktionieren kann. Ich kenne das von Fischereiprojekten: Wissenschaftler haben den Einheimischen gesagt: „Versucht doch mal bei euren Fischnetzen die Netzgröße ein bisschen größer zu machen, dann ist nicht so viel Jungfisch darin.“ Ein paar Fischer haben sich darauf eingelassen. Am Ende haben alle Fischer gesehen, dass diese tatsächlich bessere Erträge haben. Und plötzlich machen es alle. Manchmal muss man einfach beweisen, dass Sachen funktionieren. Und dann geht es fast von allein.

Alissa Rauer: Bei der Korallenriffaufforstung ist es im Prinzip genauso, so hat es zumindest unser Mars Sustainable Solutions Teams vor Ort erlebt und berichtet. In der Dokumentation „Reef Builders“ wird das – wie ich finde – sehr deutlich.  Es geht im Grunde darum, die Menschen vor Ort mitzunehmen und deutlich zu machen: „Hey, das ist euer Riff. Wir wollen euch dabei unterstützen, die Funktionen zu erhalten. “ Und dann geht es eben auch darum, das nicht von oben herab zu machen, sondern die Leute vor Ort einzubeziehen. Gegenseitigkeit ist da ganz entscheidend.