Ärger über „Ferrari-Wünsche“: Mehrkosten beim Dachgeschossausbau im Landratsamt sorgt für Kritik

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Im Dachgeschoss des Landratsamts entsteht die neue Einsatzzentrale des Katastrophenschutzes. © Veronika Ahn-Tauchnitz

Der Ausbau des Dachgeschosses im Landratsamt kostet rund 20 Prozent mehr als berechnet. Kreisrätin Barbara Schwendner spricht von „Ferrari-Wünschen“.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ordentlich zur Sache ging es in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses. Dabei wurde nicht nur kontrovers über die Einführung des „Flex“-Bedarfverkehrs in Dietramszell und Egling diskutiert (wir berichteten), sondern auch über die Kostensteigerung beim Umbau des Dachgeschosses im Landratsamt.

Mehr Büros notwendig durch wachsende Anzahl an Mitarbeitern

Wie die Mitglieder des Bauausschusses eine Woche zuvor durften sich nun auch die Räte im Kreisausschuss ein Bild von den laufenden Arbeiten im Dachgeschoss machen. Dort sind für die wachsende Anzahl von Mitarbeitern in der Kreisverwaltung Büros, Besprechungs- und Mehrzweckräume entstanden. Zudem wurde das Archiv des Kreisbauamts dorthin ausgelagert. In einem Flügel entsteht außerdem gerade noch die neue Einsatzzentrale des Katastrophenschutzes.

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Arbeiten im Dachgeschoss des Landratsamts: Mehrkosten von rund 900.000 Euro

Im Zuge der Arbeiten, die seit etwa drei Jahren laufen, gab es einiges Unvorhergesehenes. Anderes war aufwendiger als gedacht. Beispielsweise musste der Aufzug mit einer höheren Traglast gebaut werden. Der Eingriff ins Bestandsgebäude war größer. Zudem wurde ein behindertengerechtes WC eingebaut. Aber auch Lüftung und Klimatisierung fielen umfangreicher aus, um einen 24-Stunden-Dauerbetrieb im Katastrophenfall in der Zentrale gewährleisten zu können. Unterm Strich stehen Mehrkosten von rund 860.000 Euro bei 4,6 Millionen Gesamtinvestition.

„Es gab etliche Überraschungen im Zuge des Baus“

„Mehrkosten sind immer unangenehm. Aber es gab etliche Überraschungen im Zuge des Baus“, sagte Landrat Josef Niedermaier (FW). Barbara Schwendner (Grüne) wollte das nicht so einfach hinnehmen. Man rede hier immerhin von einer Kostensteigerung von über 20 Prozent. Zudem seien Dinge umgesetzt worden, die zuvor in keinem Ausschuss diskutiert worden seien. Im Haushalt stehe alles immer Spitz auf Knopf. „Ich kann den Beschluss so nicht mittragen.“ Sie bitte in Zukunft darum, „dass die Planung besser an die Realitäten angepasst und nicht nachträglich mit Ferrari-Wünschen ausgestattet wird“, sagte Schwendner. Natürlich brauche der Katastrophenschutz etwas Vernünftiges, „aber man kann nicht jeden Wunsch erfüllen“. Generell müsste der zuständige Ausschuss darüber befinden, was man brauche und was nicht.

Barrierefreiheit ist kein „Ferrari-Wunsch“

„Das tut schon ein bisserl weh“, antwortete Landrat Josef Niedermaier (FW). Gerade das Hauptamt agiere überaus überlegt. Bei einigen Zusatzausgaben gehe es darum, Barrierefreiheit herzustellen. „Das würde ich nicht als Ferrari-Wunsch bezeichnen.“ Das Gebäude stamme aus den 30er-Jahren und sei nicht eben „gesegnet“, wenn es um Barrierefreiheit geht. Letzteres sei unumstritten, sagte Schwendner. Aber über die Loggia, Gauben oder auch das Archiv hätte man schon diskutieren können. Wenn das Geld knapp sei, „muss man manches eben sein lassen. Es wird aber weiter aus dem Vollen geschöpft. Das haben wir aber nicht mehr“, sagte Schwendner. Alexander Müllejans (Grüne) würde sich wünschen, „dass wir auch in anderen Bereichen mit Kostensteigerungen so kreativ umgehen“.

Holz kritisiert „Ferrari-Wunsch“-Aussage

Thomas Holz (CSU) ärgerte Schwendners Aussage. Im Katastrophenfall würden in der Lagezentrale nicht nur Haupt-, sondern auch viele Ehrenamtliche arbeiten. „Ich bin der Meinung, dass diejenigen, die im Ernstfall der Bevölkerung helfen, die bestmögliche Ausrüstung zur Verfügung gestellt bekommen sollen.“ Das als Ferrari-Wunsch zu sehen, „ist nicht gerechtfertigt.“

Kritik: Kostenmehrung hat sich nicht spontan ergeben

CSU-Fraktionschef Martin Bachhuber war es wichtig, eine Lanze fürs Hauptamt zu brechen. Gerade dort suche man immer wieder unkonventionelle Lösungen. „Natürlich müssen wir jeden Euro umdrehen. Aber in diesem Fall wäre Flickschusterei der falsche Weg.“ Dass das alles sinnvoll sei, bezweifelte Klaus Barthel (SPD) gar nicht. Aber auch ihn störte die späte Information. Die Kostenmehrung habe sich ja nicht plötzlich ergeben. „Jetzt haben wir keine andere Möglichkeit mehr als zuzustimmen.“ Hauptamtsleiter Christoph Bauer nahm die Kritik an. Es sei ihm wichtig, offen und transparent zu informieren. Beim Ausbau des Dachgeschosses „ist aber einfach eines zum anderen gekommen“.

Ausschuss stimmt für Mehrkosten

FW-Fraktionschef Hubert Oberhauser hat „das Vertrauen ins Hauptamt, dass das alles notwendig ist“. Bei so alter Bausubstanz gebe es eben Überraschungen. „Sind wir froh, dass wir so viel Platz haben. Für uns sind die Kostenmehrungen nachvollziehbar.“ Gegen die Stimme von Schwendner, segnete der Ausschuss die Mehrkosten ab.

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