Seit einem Jahr gibt es in Bayern die Möglichkeit, sich berufsbegleitend in zwölf Monaten fortzubilden. Adrijana Karadzic und Fatma Yesilgöz haben das Angebot wahrgenommen und arbeiten als pädagogische Ergänzungskräfte im Kinderhaus Don Bosco.
Ein leuchtender Sommertag im Kindergarten von Don Bosco in Unterschleißheim. Vergnügte Stimmen klingen durch den Garten. Im Schatten von Bäumen und Sonnensegeln flitzen Kinder mit Dreirädern und Rollern über den Plattenweg. Angeregt und fröhlich ist die Stimmung, ein Mädchen zieht eine Spielkameradin in einer Rikscha. Zwei Buben lehnen sich im Gespräch vertieft aus dem Fenster eines Holzhäuschens. Vom Sandkasten aus haben Adrijana Karadzic und Fatma Yesilgöz den Überblick über die Kinderschar. Sie sind seit einigen Monaten als pädagogische Ergänzungskräfte im Kinderhaus Don Bosco in Unterschleißheim angestellt.
„Die Arbeit mit den Kindern macht mich glücklich“, sagt Adrijana Karadzic (36) strahlend: „Ich habe mich in den Beruf verliebt.“ Sie hat in der Krippe des Caritas-Kinderhauses ihren Traumjob gefunden. In Bosnien hatte sie Soziologie und Philosophie studiert. Zuletzt jobbte sie am Münchner Flughafen, bevor sie selbst Mutter wurde.
Seit einem Jahr gibt es in Bayern die Möglichkeit, sich berufsbegleitend in zwölf Monaten zur pädagogischen Ergänzungskraft fortbilden zu lassen, was dem Beruf der Kinderpflegerin entspricht. In weiteren Modulen kann man sich bis zur Erzieherin qualifizieren. Auch Fatma Yesilgöz wagte den Quereinstieg und ist begeistert: „Ich wollte mich weiterentwickeln“, sagt die 42-Jährige. Ihre Kinder sind jetzt 15 und elf Jahre alt. „Die Ausbildung macht mir sehr viel Freude und ist gut vereinbar mit meiner Familie.“ Sie ist glücklich, dass sie sich auf diesem Weg eine berufliche Zukunft aufbauen kann. Denn in ihren ersten Beruf als zahnmedizinischen Fachangestellte wollte sie nicht zurück.
Mit dem Quereinstieg in den Erzieherberuf reagiert das bayerische Sozialministerium auf den Mangel an Fachpersonal in den Kitas. Das Gesamtkonzept besteht aus drei Blöcken mit insgesamt fünf Modulen. Die Ausbildung bietet den Teilnehmern die Chance, ein entsprechendes Gehalt zu verdienen und sich gleichzeitig während der Arbeitszeit beruflich weiterzuentwickeln.
Die Arbeit mit den Kindern macht mich glücklich. Ich habe mich in den Beruf verliebt.
Neben Sprachkenntnissen auf B2-Niveau und einem Mittelschulabschluss sind 800 Praxisstunden in einer Kita eine weitere Voraussetzung (siehe Kasten). Die beiden Quereinsteigerinnen in Unterschleißheim unterstützten 2023 das Kita-Team fünf Monate als Assistenzkräfte und wurden in dieser Phase von der Stadt bezahlt. Anschließend wurden sie als Ergänzungskraft angestellt: Neben der praktischen Arbeit in Kindergarten oder Krippe belegen die beiden Frauen während ihrer Arbeitszeit bei einem Bildungsträger 200 Unterrichtsstunden, in Präsenz und auch online. „Ich bin begeistert von dem Kurs, auch weil es so praxisnah ist“, sagt Fatma Yesilgöz: „Das Schöne ist, dass wir das, was wir in der Theorie lernen, sofort im Kindergarten anwenden können. Und andersrum für den Unterricht bringen wir viele Beispiele aus der Praxis mit.“
Die Kinder, die gut unter Sonnenhüten geschützt sind, fetzen zwischen Schaukel, Sandkasten und Holzhäuschen hin und her. Die beiden neuen Kolleginnen gehören fest zur Gruppe. „Wir sind froh, dass wir sie haben“, sagt Sabine Potz (65). Sie leitet die Caritas-Kinderhäuser Don Bosco und Hollern-Nord in Unterschleißheim. Auch für sie ist der Kita-Quereinstieg Neuland: „Wir haben da mit den beiden einen Glücksgriff gemacht, so viel Motivation und Engagement wie sie einbringen, davon sind wir hellauf begeistert. Beide werden von Monat zu Monat professioneller.“ Sie würden vom Team immer stärker in die Verantwortung genommen.
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Das Schöne ist, dass wir das, was wir in der Theorie lernen, sofort im Kindergarten anwenden können.
Potz ist dankbar, dass die Stadt Unterschleißheim den neuen Weg der Personal-Akquise finanziell unterstützt. Auch der Caritasverband bietet Lösungen an. Denn für Adrijana Karadzic war die größte Sorge, ob sie die Weiterbildung mit der Kinderbetreuung vereinbaren kann. Ihr 3,5 Jahre alter Sohn hat einen Platz in einem anderen Caritas-Kindergarten bekommen, und sie selbst arbeitet Teilzeit, von 8 bis 15 Uhr. „Ich sehe es als meinen Auftrag an, dass die Mitarbeiterinnen Beruf und Familie vereinbaren können“, sagt Potz. Sie hat den Eindruck, dass der Kita-Quereinstieg etwas für Menschen mit Lebenserfahrung ist, viele Kursteilnehmer seien schon älter: „Sie suchen einen Lebensberuf. Die Leute haben eine Biografie und bringen auch oft wertvollen Input mit für ein multiprofessionelles Team.“
Im März 2025 wird Adrijana Karadzic den Kurs zur Ergänzungskraft beenden, dann will sie im Kinderhaus Don Bosco den Aufstieg zur Fachkraft ansteuern, was dem Erzieherberuf entspricht. Und auch Fatma Yesilgöz hat sich dieses Ziel gesetzt: „Ich mache weiter.“
Freie Plätze – Zuschuss vom Landkreis
Die Caritas hat für ihren Qualifizierungskurs im September noch freie Plätze, Kontakt zu Bildungsreferentin Michaela Anders: michaela.aders@cartiasmuenchen.org. In Modul 3 und 4 können die Teilnehmer zur Ergänzungskraft qualifiziert werden, müssen aber zuvor 800 Stunden Praxiserfahrung vorweisen, also etwa fünf Monate in einer Kita mitarbeiten. „Es melden sich täglich Frauen und Männer, die schon lange den Wunsch haben, in einer Kita zu arbeiten“, sagt Michaela Anders: „Aber weil die finanzielle Lage vieler Kitas sehr angespannt ist, finden sie keine Stellen, um die nötige Praxiserfahrung in etwa zu sammeln.“ Die Stadt Unterschleißheim springt hier für die Träger ein und bezahlt die Assistenzkräfte für 800 Stunden. Der Kreis hat für 2024 für Kita-Quereinsteiger 15 000 Euro zur Einzelfallbezuschussung bereitgestellt. Ab Oktober bezuschusst der Landkreis zudem einen Weiterbildungskurs in Oberhaching für bis zu 18 pädagogischen Ergänzungskräften zu Fachkräften. Voraussetzung ist aber auch hier eine Tätigkeit in einer Kindertageseinrichtung im Landkreis.