Vor rund eineinhalb Jahren wurden die Thermozelte in Wessobrunn aufgebaut, um Flüchtlinge unterzubringen. Nun wurde die provisorische Asylunterkunft abgebaut. In der Gemeinde sollen geschichtsträchtige Gebäude zu Flüchtlingsunterkünften ausgebaut werden.
Wessobrunn – Mitte November 2023 war mit dem Bau der provisorischen Flüchtlingsunterkunft auf dem Parkplatz bei der Mehrzweckhalle in Wessobrunn begonnen worden. Etwa einen Monat später standen die Thermohalle, die rund 50 Asylsuchenden und Flüchtlingen Unterkunft bot, das Küchenzelt mit Aufenthaltsbereich, ein Sanitärcontainer und ein Container für den Sicherheitsdienst. Ende Dezember 2023 gab es angesichts der bevorstehenden Ankunft der ersten Flüchtlinge einen letzten Besichtigungstermin mit den Verantwortlichen.
Provisorium wurde 2023 bezogen
Nun wurde die einstige Zelt- und Containersiedlung abgebaut – zumindest fast. Das Küchenzelt und ein paar Container, in denen unter anderem der Sicherheitsdienst untergebracht war, stehen noch. Das Thermozelt auf dem Parkplatz der Mehrzweckhalle in Wessobrunn dagegen ist verschwunden. Bereits vor dem Ablauf des Mietvertrags für die Fläche Ende Juni hat das Landratsamt die provisorische Unterkunft für Flüchtlinge abbauen lassen.
„So eine Halle zu betreiben, kostet den Steuerzahler eine Stange Geld. Wir haben uns deshalb entschlossen, sie früher abzubauen als geplant“, sagt Bernhard Pössinger von der Kontaktstelle Asyl und Integration am Landratsamt bei einem Ortstermin mit Wessobrunns Bürgermeister Georg Guggemos. Das Zufluchtsgeschehen im Landkreis sei rückläufig, die knapp dreißig Bewohner der Thermohalle hätten anderweitig untergebracht werden können.
Mit dem vorzeitigen Abbau der Thermohalle sei auch einem Wunsch der Gemeinde entsprochen worden, so Pössinger: „Ich möchte mich ausdrücklich beim Gemeinderat, beim Bürgermeister und bei den Wessobrunner Bürgern für die gute Zusammenarbeit bedanken“, erklärte Pössinger. „Wir waren immer bemüht, gemeinsame Lösungen zu finden. Bis auf ein paar Kleinigkeiten ist auch alles reibungslos gelaufen“, urteilte Guggemos. „In Sachen Solidarität ist Wessobrunn eine Vorzeigegemeinde, wobei es im ganzen Landkreis gut funktioniert“, ergänzte Pössinger. Die zehn auf 40 Meter große Thermohalle wird jetzt in Weilheim auf dem ehemaligen Werksgelände der Firma WTW im Trifthof, das der Landkreis gemietet hat, aufgestellt, und zunächst als Lagerhalle dienen.
Wessobrunn sorgt unterdessen dafür, dass Flüchtlinge künftig in festen Unterkünften, wie schon in Haid, untergebracht werden können. Die Alte Kanzlei in Forst wird derzeit saniert und zur Flüchtlingsunterkunft ausgebaut. Dort sollen dann etwa zehn Personen untergebracht werden. Früher diente die Alte Kanzlei mitten in Forst als Verwaltungsaußenstelle der Gemeinde Wessobrunn. Nach der Schließung der Verwaltungsaußenstelle gab es verschiedene Ideen für eine Folgenutzung: Kurz war im Gespräch, dort eine Pflegeeinrichtung zu eröffnen. Auch eine Gaststätte stand dort zur Diskussion. Letztlich wurde die Alte Kanzlei für regelmäßige Seniorentreffen und für die Mittagsbetreuung der Schüler aus der benachbarten Schule genutzt.
Asylbewerber sollen im Klostergut unterkommen
Im Klostergut in Wessobrunn soll ebenfalls Wohnraum für Flüchtlinge geschaffen werden. „Es gibt da Gespräche mit der Maro-Genossenschaft, das schaut sehr gut aus“, berichtet Guggemos, der großen Wert darauf legt, dass die Last der Flüchtlingsunterbringung auf alle Wessobrunner Ortsteile verteilt wird. Das Klostergut wurde von der Gemeinde im Jahr 2018 in Erbpacht vom Kloster St. Ottilien übernommen. Mitte 2022 wollte sie den Komplex allerdings schon wieder loswerden. Ein Nachfolger wurde gesucht und schließlich mit der Maro-Genossenschaft auch gefunden. Diese plante, das Klostergut vor allem für Wohnnutzung herzurichten. Dann durchkreuzte die Pleite der Maro diese Pläne, die dadurch auf Eis gelegt wurden. Nachdem die Insolvenz mittlerweile aber aufgehoben ist, wird sich die Maro nach den neuesten Informationen in den kommenden Jahren intensiver mit dem Klostergut befassen.
„Was die Thermohalle angeht, möchte ich mich bei den Bürgern für ihr Verständnis bedanken und auch bei unserer Verwaltung, die nicht zuletzt aufgrund der Sprachbarriere eine Mehrbelastung hatte“, betont Guggemos.