Habeck spielt auf Zeit: Erdgas-Energieprojekt vor Nordsee-Insel steht auf der Kippe

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In der Nordsee vor der Insel Borkum soll Gas gefördert werden. Umweltschützer und Insulaner kritisieren die Pläne. Der Streit landet vor Gericht und Habeck wartet ab.

Borkum – Der Streit um die Erdgasförderung in der Nordsee geht in die nächste Runde. Denn nach eigenen Angaben reicht ein Bündnis von Umweltschutzorganisationen um die Deutsche Umwelthilfe eine Klage vor dem Oberverwaltungsgericht in Niedersachsen ein. Diese soll die erteilte Genehmigung zur Erdgasförderung in der Nordsee vor der Insel Borkum verhindern. Bereits vor einigen Jahren hatte auch Jürgen Trittin gegen die Bohrungen in der Nordsee gewettert.

Energieprojekt in der Nordsee: Klage gegen Erdgasförderung vor der Insel Borkum

„Die Genehmigung des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie ist aus wirtschafts- und klimapolitischer Sicht nicht nachvollziehbar. Deutschland braucht dieses Gas weder für die Versorgungssicherheit noch für stabile Gaspreise“, sagte der Bundesgeschäftsführer der Umwelthilfe, Sascha Müller-Kraenner, in einer Mitteilung über die Klage gegen die genehmigte Erdgasförderung vor der Nordsee-Insel Borkum.

Erdgasförderung vor Borkum
Das niedersächsische Landesamt für Bergbau hatte dem niederländischen Energiekonzern One-Dyas im August für die Förderung auf deutscher Seite eine Genehmigung erteilt. (Archivbild) © Sina Schuldt/dpa

Gleichzeitig berge die Förderung große Risiken für die Umwelt und setze Deutschlands Glaubwürdigkeit beim Klimaschutz aufs Spiel, sagte er weiter über das genehmigte Energieprojekt in der Nordsee.

Erdgasförderung vor der Nordseeinsel Borkum: Niederländisches Energieprojekt am Pranger

Der Konzern One-Dyas will noch in diesem Jahr damit beginnen, vor den Inseln Borkum und Schiermonnikoog Erdgas zu fördern. Eine Förderplattform entsteht auf niederländischem Gebiet rund 20 Kilometer nordwestlich von Borkum. Geplant sind Bohrungen, die in einer Tiefe von 1,5 bis 3,5 Kilometern schräg ins deutsche Gebiet abgelenkt werden.

Das niedersächsische Landesamt hatte dem niedrländischem Energiekonzern im August für die Förderung auf deutscher Seite eine auf 18 Jahre befristete Genehmigung erteilt. Das Bündnis um die Umwelthilfe hatte danach angekündigt, alle rechtlichen Mittel gegen das Projekt auszuschöpfen. Laut Umwelthilfe wurde die Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss am Montag (7. Oktober) eingereicht. Eine Bestätigung über den Eingang gab es vom OVG in Lüneburg zunächst nicht.

Sorge um Wattenmeer: Insel-Bewohner und Umweltschützer lehnen Erdgasförderung vor Nordsee-Insel Borkum strikt ab

Umweltschutzverbände und Insulaner in Deutschland und in den Niederlanden lehnen das Energieprojekt vor der Nordseeinsel Borkum strikt ab. Sie befürchten Umweltschäden für das Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer und die Inseln. Außerdem halten sie die Erdgasförderung für unvereinbar mit den Klimazielen.

Unterstützt wird die Klage vom BUND Niedersachsen und von der Bürgerinitiative Saubere Luft Ostfriesland. „Mit dem Planfeststellungsbeschluss werden die wirtschaftlichen Interessen des Gaskonzerns One-Dyas höher gewichtet als der Schutz des Nationalparks und des Welterbes Wattenmeer“, teilte die BUND-Landesvorsitzende in Niedersachsen, Susanne Gerstner, im Zusammenhang mit dem Energieprojekt vor der Nordseeinsel mit. Damit werde der Schutzstatus des Wattenmeers auf Spiel gesetzt.

Habeck will Gerichtsentscheidungen zum Gasprojekt abwarten

Ob nahe dem niedersächsischen Nationalpark Wattenmeer künftig tatsächlich nach Gas gebohrt wird, hängt auch von einem völkerrechtlichen Abkommen zwischen Deutschland und den Niederlanden ab. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte nach der erteilten Genehmigung aus Niedersachsen gesagt, er wolle mögliche Gerichtsentscheidungen abwarten.

Erst wenn relevante Urteile gefallen seien, werde entschieden, ob das Abkommen unterzeichnet werde, erklärte er Mitte August. (mit Material der dpa)

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