„Zeit, sich aus dem Stab zu machen“: Ex-Tennis-Profi Andrea Petkovic stellt ihr Buch beim Literaturfestival in Dachau vor

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Mal lustig, mal ernst, aber immer unterhaltsam: Andrea Petkovic bei ihrem Auftritt in Dachau. Die ehemalige Top-Ten-Spielerin stellte dabei ihr Buch „Zeit, sich aus dem Staub zu machen“ vor. © hab

Auf dem Tennisplatz war Andrea Petkovic jahrelang eine der besten ihres Sports. Auf der Bühne des Ludwig-Thoma-Hauses bewies die mittlerweile 37-Jährige, dass sie weit mehr zu bieten hat als eine krachende Vorhand und einen unbändigen Siegeswillen. Im Rahmen des Literaturfestivals „Dachau liest“ präsentierte sie ihr Buch „Zeit, sich aus dem Staub zu machen“.

Dachau – Moderator Günter Keil ahnte es vermutlich, fragte dann aber doch nach: „Wie viele Tennisspieler sind im Raum?“ Gut die Hälfte der rund 180 Anwesenden hob die Hand. Klar, wie oft hat man als Fan der gelben Filzkugel schon die Chance, eine ehemalige Top-Ten-Spielerin aus dem Nähkästchen plaudern zu hören, zu erfahren, was sie über „Roger“ und „Serena“ zu berichten weiß, und zu verstehen, wie sie es geschafft hat, 16 Jahre ihres Lebens diesem gnadenlosen Einzelsport zu opfern. Die heimliche Hoffnung der Hobbyspieler: Vielleicht gibt diese Heldin des Tennis den einen unfehlbaren Tipp, mit dem man es doch noch schafft, vom Mittelmaß in die Elite aufzusteigen?

Andrea Petkovic, nach eigener Auskunft mittlerweile „37 Jahre alt und Rentnerin“, konnte beim Auftakt des Literaturfestivals „Dachau liest“ am Montagabend im Thomahaus diesen frommen Wunsch nicht erfüllen. Was sie aber konnte: ihr gesamtes Publikum – und damit auch die nicht-Tennis spielende Hälfte des Saals – für sich einnehmen und sich als Person zeigen, die weit mehr ist als ein Ex-Tennisprofi.

Rund 180 Besucher kamen am Montag zum Auftakt des diesjährigen „Dachau liest“-Festivals.
Rund 180 Besucher kamen am Montag zum Auftakt des diesjährigen „Dachau liest“-Festivals. © Hab

Andrea Petkovics Buch: Es geht um mehr als Tennis

Klar geht es in Petkovics Buch „Zeit, sich aus dem Staub zu machen“ um Tennis. Aber nicht nur. Es geht ums Frausein in einer von Männern geregelten Sportwelt. Körperliche Schwäche oder schlicht seine Periode zu haben ist darin ein Tabuthema. Lieber, so berichtet Petkovic, spielen Frauen in Wimbledon – wo weiße Kleidung vorgeschrieben ist – mit drei Unterhosen übereinander.

Auch das Älterwerden thematisiert Petkovic in ihrem Buch schlau. Als Tennisprofi gebe es drei Phasen: das junge Nachwuchstalent, die Etablierte und die Veteranin. Petkovic, so berichtete sie am Montag, wurde im Alter von 28 Jahren bei einem Turnier in Washington vom Stadionsprecher als Veteranin vorgestellt. Ihre Gegnerin: „Wieder eine 19-Jährige, die nur darauf wartet, mich zu verdrängen.“

Diese Erkenntnis und die Frage, wie Leben nach dem Profisport funktioniert, wie es sich in einer Welt lebt, in der nicht jeder Mensch durchtrainiert ist und – wie Novak Djokovic etwa – streng auf seine Ernährung achtet, macht einen weiteren großen Teil des Buches aus.

Vom Ende ihrer Profikarriere

Zwölf Kapitel lang beschreibt die Darmstädterin, die mittlerweile die Hälfte des Jahres in den USA lebt, ihr letztes Jahr in dem Sport, den sie nach eigener Aussage heute noch so liebt wie keinen anderen. Von schweren Knieverletzungen geplagt, habe sie eigentlich schon 2020 aufhören wollen. Wegen Corona verschob sie diesen Plan aber auf 2021. Allerdings fanden die Turniere da, pandemiebedingt, ohne Publikum statt. „Und ich wollte schon mit Applaus gehen“, wie sie gesteht.

Also kämpfte Petkovic sich durch bis 2022 – dies sei aber dann wirklich „der letztmögliche Zeitpunkt gewesen für den Rücktritt“. Natürlich, erklärt sie mit Anspielung auf die spanische Tennislegende Nadal, hoffe jeder alternde Tennisspieler noch auf diesen „einen großen Moment“. Doch der komme nicht – „wie man bei Rafa ja auch grade sieht“.

Andrea Petkovic gestand ihren Zuhörern, dass sie trotz der vergleichsweise langen Vorlaufzeit bis zu ihrem allerletzten Aufschlag unter dem Ende ihrer Karriere gelitten habe. „Es war furchtbar. Ist es immer noch.“ Wie so vielen ehemaligen Leistungssportlern fehlt ihr vor allem der Wettkampf, das Adrenalin, dieses „mentale Tauziehen mit der Gegnerin“.

Dennoch entließ sie das Publikum nach ihrer gut 90-minütigen Mischung aus Lesung, Talkshow und Interview mit dem guten Gefühl, dass man sich um sie keine Sorgen zu machen braucht. Sie wird weiter fürs Fernsehen arbeiten, sich hin und wieder einen Kuchen gönnen und vor allem weiter schreiben. Denn natürlich sei die Euphorie nach einem Sieg „durch nichts zu ersetzen. Aber die Euphorie verfliegt nach ein bis zwei Stunden. Mein Buch aber bleibt“.

Ritter Rost kommt!

Am Donnerstag, 10. Oktober, wird das Ludwig-Thoma-Haus zur Ritterburg: Bei dem von der Stadtbücherei organisierten Literaturfestival „Dachau liest“ tritt um 15 Uhr Jörg Hilbert mit einer Lesung aus dem Jubiläumsband zum 30. Geburtstag von Ritter Rost auf – und musiziert auch noch dazu. Der Band „Ritter Rost und die drei Prinzessinnen“, der ganz neu Mitte September im Verlag Ueberreuter erscheint, erzählt von taffen Prinzessinnen und davon, wie schön es ist, anders zu sein. Zu der Lesung ist eine Anmeldung in der Bücherei-Hauptstelle erforderlich – persönlich oder telefonisch unter 0 81 31/75 48 40. Die Veranstaltung ist geeignet für Kinder im Alter ab fünf Jahren in Begleitung einer erwachsenen Person.

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