Angriff auf Putin-Villa? Militär-Experten zerlegen Moskaus Erzählung Detail um Detail

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Die Ukraine dementiert Lawrows Vorwurf eines Drohnenangriffs auf ein Anwesen Putins. Selenskyj wittert darin eine Desinformationskampagne – ebenso Beobachter.

Moskau – Nachdem Russlands Außenminister Sergei Lawrow der Ukraine vorgeworfen hatte, eine Privatresidenz von Kreml-Chef Wladimir Putin in der russischen Region Nowgorod mit zahlreichen Drohnen angegriffen zu haben, wurden bereits aus Kiew und Washington Reaktionen laut.

Der russische Präsident Wladimir Putin (links) hört dem Chef des Generalstabs der russischen Streitkräfte, Waleri Gerassimow.
Der russische Präsident Wladimir Putin (links) hört dem Chef des Generalstabs der russischen Streitkräfte, Waleri Gerassimow. © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool

Von ukrainischer Seite wurden die Vorwürfe eines Angriffs auf Putin strikt dementiert, doch Trump soll sich Angaben von Putin-Berater Jurij Uschakow „schockiert“ von den Vorwürfen gezeigt haben. Unterdessen sind sich nicht wenige Beobachter einig, dass es bei der angeblichen Drohnen-Attacke auf die Putin-Residenz um eine Desinformationskampagne des Kreml handeln dürfte.

ISW sieht keine Anzeichen für einen ukrainischen Drohnenangriff auf Putin-Privatresidenz 

Insgesamt 91 Drohnen soll die Ukraine auf eine Privatresidenz Putins in Waldai im Oblast Nowgorod abgefeuert haben, so zumindest klagte Russlands Außenminister Lawrow es jüngst an. Auch wenn US-Präsident Trump daran zunächst keine Zweifel äußerte, sondern sich besorgt gab, äußern Insider erhebliche Bedenken am Wahrheitsgehalt der Vorwürfe aus Moskau.

Das Institute for the Study of War (ISW) etwa sieht keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass es den vermeintlichen Angriff auf Putins Residenz wirklich gegeben hat. Dafür spreche einerseits, dass der angebliche Angriff zu keinerlei Medienberichten geführt hat, so wie es bei Angriffen der Ukraine für gewöhnlich der Fall ist. Und gerade bei einem Angriff auf Wohneigentum des Kreml-Herrschers sollte davon auszugehen sein, dass ein solches Unterfangen Spuren hinterlässt.

So hat das ISW keine geolokalisierten Aufnahmen von Flugabwehrmaßnahmen, Explosionen, Bränden oder Rauchwolken in der Nähe der angegriffenen Objekte gefunden. Auch gebe es keine Erklärungen lokaler russischer Behörden, die ukrainische Angriffe in der Regel herunterspielen und berichten, es seien Trümmer von abgeschossenen Drohnen heruntergefallen.

Russische Angaben zu vermeintlichem ukrainischen Angriff auf Putin Privathaus in Russland widersprechen sich

Darüber hinaus berichtet das russische Oppositionsmedium Sota, Anwohner in der Ortschaft Waldai hätten keinerlei Anzeichen von Flugabwehrmaßnahmen mitbekommen – angesichts Lawrows Aussagen, Russlands Flugabwehr hätte sämtliche 91 ukrainischen Drohnen ausgeschaltet, scheint das überaus verwunderlich. Demnach hätten die Drohnen im russischen Luftraum eine starke Luftverteidigung überwinden müssen. „Sota kam zu dem Schluss, dass die Ukraine Putins Residenz in Waldai nur durch ein ‚Wunder‘ oder durch vorsätzliche militärische Nachlässigkeit Russlands hätte angreifen können“, heißt es in dem ISW-Bericht.

Doch auch ein anderes Indiz spricht dafür, dass es sich bei den Anschuldigungen eines Drohnenangriffs auf Putins Privathaus in Waldai um Fake-News handeln könnte: Dem Focus zufolge meldete Russlands Militär eingangs nämlich nur insgesamt 18 ukrainische Drohnen für die gesamte Region Nowgorod,. Später war im Verteidigungsministerium von 47 Drohnen die Rede – beide Angaben sind jedoch deutlich entfernt von den angeblichen 91 ukrainischen Drohnen, von denen Lawrow anschließend sprach.

Kiew wittert eine Desinformationsstrategie Russlands – womöglich solle Trump so beeinflusst werden

Ein weiterer Anhaltspunkt dafür, dass es sich bei den Vorwürfen von russischer Seite um eine Desinformationskampagne des Kreml handeln könnte, ist das mutmaßliche Motiv Russlands, das aus der Stellungnahme von ukrainischer Seite hervorgeht. Damit sollten den aktuellen Verhandlungen um ein Kriegsende zum Trotz weitere Angriffe auf die Ukraine – darunter auf Kiew und ukrainische Regierungsgebäude gerechtfertigt werden, sagte Staatschef Selenskyj.

Daneben vermutet der ISW, dass Russland den vermeintlichen Angriff als „Rechtfertigung für seine Ablehnung jeglicher Friedensvorschläge nutzen“ könnte, die aus den jüngsten Gesprächen zwischen den USA, Europa und der Ukraine hervorgegangen waren.

Viele Beobachter sehen zudem ein Manöver, um US-Präsident Donald Trump zu beeinflussen und stärker auf Russlands Seite zu ziehen. Für jene Vermutungen spricht auch der Zeitpunkt, an dem die Anschuldigungen aus Moskau laut wurden: Trump hatte sich noch am Vortag der Anschuldigungen mit Selenskyj getroffen, um über Sicherheitsgarantien und ein Ende des Krieges zu sprechen. Kurz darauf informierte Putin ihn über den angeblichen Angriff auf seine Residenz.

Der Militärexperte Nico Lang nannte die Meldungen über den Angriff auf der Plattform Bluesky „Mist aus der Moskauer Giftküche“, dem man nicht hinterherlaufen dürfe, wenn man einem Frieden näher kommen wolle. (Quellen: ISW, Sota, n-tv, Focus) (fh)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/politik/vermeintlicher-angriff-auf-putin-residenz-beobachter-sehen-indizien-fuer-fake-news-94103380.html