Jetzt ist es offiziell: Im neuen Gadener Gewerbegebiet siedelt ein Logistikunternehmen an. Bürgermeister Reinhard Huber spricht von einem Projekt „ähnlich wie unser Rewe in Eitting“. Es handle sich um einen „großen Investor“. Da die Verträge allerdings noch nicht unterzeichnet sind, will Huber noch keinen Namen auspacken. Bei einem Pressegespräch diese Woche informierte er außerdem darüber, dass das Nahwärmenetz nun unmittelbar in den Startlöchern steht, und über ein spannendes Biogas-Projekt auf dem Areal von Wurzer Umwelt.
Eitting – Doch zunächst zum Gewerbegebiet: Einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag hat die Gemeinde, wie berichtet, in die Hand genommen, um das Areal zu erwerben, das im Volksmund als „Autohof Gaden“ bekannt ist. Die rund elf Hektar große Fläche ist seit 2006 im Flächennutzungsplan und dort als autobahnbezogene Gewerbefläche gelistet. Sie befindet sich „direkt an der Ausfahrt und ist für Logistikbetriebe ideal“, sagt Huber.
Verschiedene Betriebe haben in der Vergangenheit immer mal wieder Interesse bekundet, doch zustande kam in den knapp zwei Jahrzehnten nichts. Keiner seiner Amtsvorgänger, sagt Huber, habe „das fertiggebracht“. Darum ist er auch persönlich stolz auf das Erreichte.
Der Hintergrund ist klar: Die Gemeinde will nach dem Flächenkauf nun den Geldbeutel klingeln lassen. Einerseits kurzfristig durch die Veräußerung des Areals, andererseits langfristig über Steuereinnahmen. Eine Vorgehensweise, der zahlreiche Kommunen gerade in diesen finanziell schwierigen Zeiten folgen.
Keine Angst vor Verkehrsinfarkt
Dass so mancher Bürger natürlich Bedenken wegen der Verkehrsbelastung hat, ist selbstredend. Huber verspricht allerdings, dass man „möglichst wenig Verkehr in Gaden“ haben werde. Beispielsweise gebe es nur eine Linksabbiegespur in Richtung Autobahn, sodass der Verkehr aus dem Ort gehalten werde.
„Im Oktober gehen wir zum Notar“, sagt Huber mit Blick auf den Zeitplan mit dem noch geheimgehaltenen Investor. Wie berichtet, musste Eitting kräftig in Vorleistung gehen: einen Millionen-Kredit aufnehmen und die Rücklagen angreifen. Jedoch hat die Kommune Ratenzahlung vereinbart. Das Areal befindet sich gegenüber des Automobillogistik-Unternehmens ARS Altmann außerhalb von Gaden.
Nach langer und aufwendiger Vorbereitungszeit steht nun auch das Nahwärmenetz für Teile Eittings in den Startlöchern. „Ab Donnerstag kommender Woche soll das laufen“, kündigt Huber an. Großabnehmer sind Schule, Kindergarten und Turnhalle. Den Heizölbrenner an der Schule habe man am Dienstag dieser Woche außer Betrieb genommen. „Wir sparen im Jahr zwischen 50 000 und 60 000 Liter Heizöl ein“, rechnet der Bürgermeister vor.
Wie mehrfach berichtet, treibt die Landwirtsfamilie von Konrad Kratzer das Projekt voran. Auf dessen Huberhof-Areal spielt etwa eine große Lagerhalle mit Hackgutheizung eine zentrale Rolle, auf dem Dach befindet sich eine Photovoltaik-Anlage. An besagtem Donnerstag nimmt Kratzer seine Anlage in Betrieb. Zum Start sind es um die 20 Anschlussnehmer. Und Huber zufolge gibt es bereits die nächsten Interessenten.
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Aus Bioabfall wird Energie
Interessant ist auch ein Vorhaben von Wurzer Umwelt. Anfang dieser Woche hat die Gemeinde den Bebauungsplan 36 zur Beteiligung der Öffentlichkeit und Behörden ausgelegt, der für eine Teilfläche des Sondergebiets neu gemacht wird. Es geht um vier Hektar im nördlichen Bereich des Wurzer-Areals.
Das Unternehmen plant eine neue Biogasanlage. Alle möglichen Bioabfälle, die angeliefert werden, sollen dort in Energie umgewandelt werden. „Meiner Meinung nach ist das sehr umweltbewusst. Wurzer macht aus Abfall Energie“, sagt Huber. Wenn das Gas gereinigt sei, könne ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Zunächst werde aber nur Gas gemacht und das Stromnetz nicht belastet, meint Huber mit Blick auf aktuelle Probleme für Photovoltaikanlagen-Betreiber, deren Anlagen abgestellt werden, wenn das Netz gerade überlastet ist. Unsere Zeitung hat kürzlich beispielsweise über einen Metzger in Langenbach (Kreis Freising) mit diesem Problem berichtet.
Für den Bebauungsplan wird es laut Huber wohl zwei öffentliche Auslegungsrunden brauchen. Hintergrund für das ganze Prozedere sei auch das Immissionsschutzgesetz.
Mit Galgenhumor meint Huber abschließend schmunzelnd: „Ich hoffe, dass wir mit dem 36er schneller vorankommen als mit dem 35er.“ Bei letzterem Bebauungsplan handelt es sich nämlich um den, der neue Wohnungen und ein zweites Kinderhaus in Eitting enthält. Wegen hochwassertechnischer Sorgen von Hubers Amtsvorgänger Georg Wiester haben hier bekanntlich gerade die Anwälte das Sagen.