Der Start eines Stadtbus-Modells in Miesbach scheint näher zurücken. Im Finanzausschuss wurden schon Einzelheiten diskutiert.
An einer auf den ersten Blick unerwarteten Haltestelle ist das Projekt für einen Miesbacher Stadtbus aufgetaucht: Als es im Finanzausschuss um die geplanten Zuwendungen der Sozialstiftung ging, brachte Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) das Mobilitätsthema vor. Dieses sorgte für so großes Interesse, dass es im Gremium weniger um die grundsätzliche Bereitschaft einer Anschubfinanzierung durch die Stiftung ging, sondern vielmehr um die mögliche praktische Umsetzung.
Vorbereitungen für den Stadtbus laufen
Dies lag vor allem an der umfangreichen Vorarbeit von Karin Priller aus dem Sozialamt im Rathaus. Sie hatte gleich drei Varianten mitgebracht, wie ein Stadtbus funktionieren könnte. Zunächst aber ging Braunmiller noch kurz auf die Vorgeschichte ein. So beschäftige man sich im Rathaus schon länger mit der Idee. Als es im Juli im Kreistag um das Mobilitätskonzept ging, habe er sich für eine Priorisierung des Stadtbusses starkgemacht, betonte der Rathauschef. Zeitnah werde man sich zu einem Gespräch am Landratsamt treffen, um die weiteren Schritte festzulegen. Zudem habe man ein erstes Konzept bereits an den Freistaat und mögliche weitere Zuschussgeber geschickt.
Vor allem Senioren brauchen besseren ÖPNV
Die Notwendigkeit eines solchen innerstädtischen Nahverkehrs hat Priller in den vergangenen Monaten ermittelt. Vor allem Senioren würden sich nach einer solchen Transportmöglichkeit sehnen. Nicht nur von Parsberg und Wachlehen aus, sondern auch von Schweinthal und der Von-Vollmar-Straße aus sei die Innenstadt für Senioren mangels ÖPNV-Anbindung sonst nur mit dem Taxi zu erreichen. Die Gutscheine für das sogenannte Hoibe-Hoibe-Taxi seien da schnell aufgebraucht. „Und wer sich von Parsberg aus welche kaufen will, zahlt erst mal zwölf Euro für die Fahrt zum Rathaus“, schilderte Priller das Dilemma.
Von den drei von ihr untersuchten Stadtbus-Versionen habe sich ein über die Sozialstiftung mitfinanzierter Fünf- bis Siebensitzer, der von ehrenamtlichen Fahrern gelenkt wird, als am besten herausgestellt. Wie beim Waakirchner Ortsbus, den Priller als Variante zwei vorstellte, sollte der Bus idealerweise im Stundentakt durch Miesbach kreiseln und dabei auch das Krankenhaus Agatharied als möglichen Umsteigeort zum ebenfalls in Arbeit befindlichen Haushamer Angebot anfahren. Anders als in Waakirchen würde Priller in der Kreisstadt aber vorerst nur mit zwei statt mit sechs Tagen pro Woche starten, bis sich ausreichend Fahrer gefunden haben. Eine erste Abfrage bei „Neurentnern“ habe durchaus Interesse ergeben und auch mit der Nachbarschaftshilfe sei man im Gespräch, betonte Priller. Wegen der für Senioren eher umständlichen Buchungsnotwendigkeit hielt sie einen von einem externen Betreiber bedienten Rufbus à la Hoki in Holzkirchen für weniger sinnvoll, fügte Priller hinzu.
Vorbild Hoki? Miesbach setzt wohl eher aufs Ehrenamt
Paul Fertl (SPD) sah hingegen genau diese Flexibilität als Stärke des Hoki. 38 000 Fahrgäste alleine im ersten Halbjahr 2025 würden eine klare Sprache sprechen. „Die Miesbacher sind nicht weniger technikaffin als die Holzkirchner“, sagte Fertl zur Buchung per Anruf oder App. Überhaupt habe die SPD den Hoki und seine Übertragbarkeit auf Miesbach eingehend untersucht und dazu auch einen Antrag für die nächste Stadtratssitzung gestellt. „Er steht bereits auf der Tagesordnung“, versicherte Braunmiller.
Markus Seemüller (FL) plädierte hingegen für ehrenamtliche Fahrer, nach denen die Stadt bereits jetzt suchen sollte. „Der Hoki kostet ein Heidengeld.“ Michael Lechner (FL) war auch ein fester Fahrplan lieber. „Wir brauchen auf jeden Fall ein maßgeschneidertes Modell für Miesbach, denn der Bedarf ist da.“ Zudem sollte man sich eng mit dem Landkreis abstimmen, da der ÖPNV eigentlich nicht Aufgabe der Stadt sei.
Als „Fan“ eines Stadtbusses bezeichnete sich Vize-Bürgermeisterin Astrid Güldner (Grüne). „Das war schon immer ein Herzensprojekt von mir“, outete sie sich und bat Braunmiller und Priller um eine enge Einbindung des Stadtrats, vielleicht sogar in Form eines Arbeitskreises. Alfred Mittermeier (CSU) wollte derweil erstmal den Kreistagsbeschluss zum Mobilitätskonzept und das Gespräch zwischen Stadt und Landratsamt abwarten. „Vielleicht gibt es dann ja auch neue Haltestellen.“
Einigkeit herrschte im Finanzausschuss aber über einen positiven Grundsatzbeschluss für einen Zuschuss aus der Sozialstiftung. Vorzeitige Starthilfe für den Stadtbus, gewissermaßen.