Cannabis ist in Deutschland für Erwachsene legal, doch ist es bedenkenlos? Besonders die Auswirkungen auf Jugendliche stehen bei einem Infoabend im Landratsamt im Fokus.
Bad Tölz – Cannabiskonsum ist seit einigen Monaten in Deutschland für Erwachsene legal. Aber ist Kiffen deshalb bedenkenlos? Erst recht für Jugendliche? Mit diesen Fragen befasste sich ein Informationsabend, den das Landratsamt am Montag für Eltern und Fachkräfte veranstaltete. Unter dem Titel „Cannabiskonsum im Jugendalter – Verharmlosung versus Verteufelung“ referierten die Präventionsexperten Tanja Lange und Johannes Jonic.
Besonderes Risiko bei Haschkeksen – Hanf zählt zu den am häufigsten konsumierten Rauschmitteln
Eingangs zeigten die Referenten auf, dass einer Umfrage zufolge knapp über die Hälfte aller jungen Erwachsenen, damit sind 18- bis 25-Jährige gemeint, einmalig Cannabis konsumiert und nur 8 Prozent regelmäßig zu der Droge greifen. Dennoch zählt Hanf neben Alkohol und Nikotin zu den am häufigsten konsumierten Rauschmitteln weltweit.
Johannes Jonic klärte über die Gattung der Hanfgewächse und den Wirkstoff THC auf. Überdies erläuterte er, dass Marihuana aus getrockneten Blüten und Blättern der weiblichen Pflanze gewonnen wird, während Haschisch das gepresste Harz ist. Er zeigte Möglichkeiten des Konsums, von Joints und Vapes über Bongs bis zu Haschischpfeifen, und merkte an, dass die Aufnahme von Cannabis über die Nahrung, etwa Haschkekse, lang anhaltende Räusche verursache, die man in ihrer Intensität nicht einschätzen könne.
Heißhunger, Entzündung der Bindehaut, Bluthochdruck: Lange Liste an Auswirkungen
Über die Auswirkungen von Cannabiskonsum auf Körper und Psyche klärte Tanja Lange auf. Sie zählte unter anderem auf: Heißhungerattacken, Entzündung der Bindehaut, Muskelentspannung. Bluthochdruck, Tendenz zu leichtsinnigen Entscheidungen, Veränderungen im Gehirn, verlangsamte Reaktionszeit, Lern- und Gedächtnisdefizite, Aufmerksamkeitsstörungen. All das hänge damit zusammen, dass der Informationsfluss im Gehirn bei Konsum ins Ungleichgewicht gerate. „Ob Jugendliche oder Erwachsene konsumieren, ist auch nochmal ein großer Unterschied“, betonte die Bildungs- und Erziehungswissenschaftlerin.
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Vor allem bei jüngeren Konsumenten würden Defizite bei der Lern- und Gedächtnisleistung, Störungen von Aufmerksamkeitsprozessen und Veränderungen in der Hirnregion vermehrt als Folgen auftreten. Auch gebe es soziale Nebenwirkungen wie Schulabbrüche, Unfälle und Probleme mit der Justiz. Eine Warnung sprach sie vor synthetischen Cannabinoiden aus. Denn: „Diese sind künstlich hergestellt, die Inhaltsstoffe variieren oder sind meist unbekannt und damit ist die Wirkung nicht einschätzbar.“
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Auch über die rechtlichen Grundlagen bekamen die Teilnehmer einige Infos, etwa dass der Erwerb, Besitz, Anbau und Konsum erst ab dem 18. Lebensjahr legal ist. Dennoch gibt es keine Strafverfolgung, sollten jüngere mit dem Rauchmittel von der Polizei erwischt werden. „In der Regel werden dann die Eltern informiert“, so Lange. Der Anbau ist für maximal drei Pflanzen genehmigt, für 18- bis 21-Jährige gibt es Einschränkungen beim THC-Gehalt des Hanfs.
„Wichtig, klare Regeln aufzustellen“: Was Eltern beachten sollten
Johannes Jonic ging auf die Aspekte ein, die Eltern beachten sollten. „Es ist wichtig, klare Regeln aufzustellen, zu kommunizieren und Konsequenzen bei Verstoßen zu ziehen.“ Dafür sei es wichtig, sich eine Meinung zu bilden und diese Haltung dann zu vertreten. Eltern sollten auch ihre Sichtweise erklären. „Die eigenen Sorgen müssen verdeutlicht werden.“ Hilfreich könne es sein, sein Kind nach den Motiven zu fragen, sagte Jonic. So könne man den Konsumierenden dabei unterstützen, sein Verhalten zu reflektieren. „Positive Verhaltensänderungen sollten belohnt werden. Bei Bedarf oder Problemen kann man eine Beratungsstelle aufsuchen.“
Nach dem knapp 90-minütigen Vortrag gab es die Möglichkeit – auch anonym per Zettel – Fragen zu stellen. So wollte eine Teilnehmerin mehr über Langzeitfolgen wissen. Lange erklärte, dass diese bei hohem und langem Konsum bei Jugendlichen vor allem im Gehirn mit Blick auf die Gedächtnisleistung sich bemerkbar machen. Eine andere Mutter wollte wissen, ob es ratsam ist, mit seinem Kind gemeinsam zu kiffen. Jonic entgegnete, dass er den Sinn dahinter nicht sehe. Wichtig sei es, dass man als Eltern authentisch sei.
Auch eine Psychiaterin war unter den Zuhörenden. Sie merkte an, dass man den Aspekt nicht kleinreden dürfe, dass es Menschen gibt, die auf Cannabisprodukte sehr empfindlich reagieren und dass sogar durch einmaligen Konsum eine Schizophrenie ausgelöst werden kann. Sie betonte, dass die Schäden teils irreversibel seien. Eine weitere Frage beschäftigte sich damit, ob Cannabis ein Einstieg für härtere Drogen sein könne, was die Referentin Lange verneinte: „Es ist eher eine Runterkommdroge.“ (feb)