Zeitvorsprung kann Leben retten: Kirchseeon bekommt ehrenamtliche Notfall-Bereitschaft

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Bei der Präsentation der „Helfer vor Ort“ in Kirchseeon: Bürgermeister Jan Paeplow, Holger Mauerer (Bereitschaftsleiter Kirchseeon), Bernhard Nowotny (Kreisbereitschaftsleiter), Manfred Barth (Kreisgeschäftsführer), Dennis Schmidt, Viktoria Eringer, Matej Herceg, Isabella Mauerer und Markus Daimer. © Peter Kees

Das BRK initiiert „Helfer vor Ort“ in Kirchseeon. Ehrenamtliche sollen schneller am Einsatzort sein und so Anfahrzeiten überbrücken. Die Gemeinde trägt die Kosten für den Start.

Kirchseeon - Bis der Rettungsdienst – Notfallsanitäter und Notarzt – zu einem Einsatz kommen, können wertvolle Minuten vergehen. Der gesetzliche Anspruch auf einen Rettungswagen in Bayern, geregelt mit der sogenannten „Hilfsfrist“, beträgt zwölf Minuten, gemessen ab dem Zeitpunkt, ab dem das Fahrzeug in Richtung Notfall aufbricht. „Für Betroffene ist schon eine Minute sehr lang“, verdeutlicht Bernhard Nowotny, Kreisbereichsleiter des BRK im Landkreis.

Helfer vor Ort sollen Rettungsstrukturen ergänzen

Ein Aspekt, weshalb die BRK-Bereitschaft in Kirchseeon demnächst das Projekt „Helfer vor Ort (HvO) Kirchseeon“ ins Leben ruft: ehrenamtliche Einsatzkräfte aus der Markgemeinde, die bei einem Notfall von der Leitstelle informiert werden und wegen ihrer räumlichen Nähe schneller am Einsatzort sein können. Anfahrtsvorteil nennt man das. Die Ersthelfer können die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken, Hilfe leisten und Leben retten. „Die Helfer vor Ort ersetzen natürlich keine Strukturen, sondern ergänzen sie“, betont der Kirchseeoner Bereitschaftsleiter, Holger Mauerer.

17 Männer und Frauen haben sich bereits bereit erklärt, diese Aufgabe in Kichseeon zu übernehmen – Mitglieder der BRK-Bereitschaft sowie der Feuerwehr. Alle verfügen über die notwendige Ausbildung, sind Notfallsanitäter. „Wir sind also gut aufgestellt“, so Mauerer. Dennoch seien weitere Kräfte jederzeit willkommen, nicht von ungefähr lautet der Wahlspruch des Projektes: „Werde Lebensretter in unserer Gemeinde – mit einer Spende oder deiner aktiven Mitarbeit!“ Die notwendige Ausbildung übrigens bekommt man beim BRK. 80 Stunden gilt es an Wochenenden zu absolvieren, bei einem der zweimal im Jahr stattfindenden Kurse. 

Helfer vor Ort: Ähnliche Projekte in weiteren Landkreisgemeinden

Das Konzept existiert bereits in anderen Landkreisgemeinden: in Glonn, Hohenlinden und Poing. Die Feuerwehren betreiben unter dem Namen „First Responder“ einen ähnlichen Ansatz in Aßling, Grafing und Markt Schwaben. Bayernweiter, wenn nicht gar deutschlandweiter Pionier der „Helfer vor Ort“ war die Marktgemeinde Glonn. Dort führte man diese Form der Ersthilfe bereits 1988 ein, mit drei Personen, die damals mit ihren Privatfahrzeugen zu Einsatzstellen fuhren. Das funktioniert heute selbstredend anders. Für die örtlichen Helfer in und um Kirchseeon gibt es ein Einsatzfahrzeug, das die jeweils diensthabenden Helfer mit nach Hause bekommen. Im Fall der Fälle können sie so flugs mit Blaulicht zum Einsatzort fahren. Schon allein, dass die Helfer vor Ort über Ortskenntnis verfügen, sei ein Vorteil, denn dann muss der Rettungsdienst nicht erst die Hausnummer suchen.

Start des Projektes in Kichseeon soll im November sein. Bis dahin wird auch das bereits bestellte Einsatzfahrzeug, ein BMW X1, zum Einsatzfahrzeug umgebaut und die notwendige Ausrüstung vorhanden sein.

Als BRK sind wir sehr froh über die gemeindliche Unterstützung.

Unterstützt wird das Vorhaben von der Marktgemeinde. Die hat die Finanzierung des Erstbedarfs, also des Fahrzeugs, der Erstausrüstung, des Funks und der Einsatzkleidung, mit 90 000 Euro übernommen, während die laufenden Kosten – man rechnet jährlich mit 5000 bis 10 000 Euro – der Kreisverband tragen wird. „Als BRK sind wir sehr froh über die gemeindliche Unterstützung“, resümiert BRK-Kreisgeschäftsführer Manfred Barth. Ohnehin sei die Umsetzung sehr zügig gegangen. „Vergangenen Oktober fanden die ersten Gespräche statt, ein Jahr später ist alles realisiert.“

Kirchseeons Bürgermeister Jan Paeplow strahlt ebenso. Froh und dankbar sei er über diese Initiative und berichtet, dass das Thema im Gemeinderat eines der unproblematischsten je war. „Beim Leben retten spielt Geld keine Rolle.“ Einstimmig und ohne Diskussion stimmten damals alle Gemeinderäte zu.

Um doch noch etwas Geld einzuspielen, wird die Gemeinde bis zum 31.Juli ein T-Shirt versteigern, auf dem alle Bands des jüngsten „Rock im Markt“-Festivals unterschrieben haben. Weitere Spendenaktionen sind in Planung.

Was Paeplow auch unterstrich: die Bereitschaft mancher Menschen, ihre Zeit ehrenamtlich für Hilfe in Schichten und an Wochenenden zur Verfügung zu stehen. Das sei nicht selbstverständlich und könne nicht hoch genug bewertet werden.

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