Landwirt Hans Schimpf setzt auf neue Erdbeersorten. Früh- und spättragende Pflanzen verlängern die Saison. Ein Bodenpilz stellt ihn vor Probleme.
Angelbrechting - Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel, als sich Hans Schimpf an diesem Sommermorgen mit Tippelschritten den schmalen Strohpfad seines Erdbeerfeldes entlangtastet, darauf bedacht, seine zarten Pflanzerl nicht zu zertreten. Rechts und links neben seinen Knöcheln strecken sich die kleinen Erdbeerbüschel zu Hunderten gen Himmel. Immer wieder bleibt der 58-Jährige zwischen den üppigen Pflanzen stehen, kniet sich ins staubgelbe Stroh und streicht mit der flachen Hand durch das sattgrüne Blättermeer. „Sie sind heuer ein bisserl versteckt“, merkt der Landwirt aus Angelbrechting an. „Aber das macht nichts, man muss nur richtig schauen“, wirft er gleich hinterher und hebt mit seinen Fingern vorsichtig das dichte Blätterdach, unter dem zwei knallrote Früchte hervorblitzen.
Erdbeerbauer werden war sein Kindheitswunsch
Vor über 35 Jahren hat Hans Schimpf hier, auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb nahe Poing, das erste Mal Erdbeeren angepflanzt. „Ich wollte schon als kleiner Bub immer ein Erdbeerfeld haben“, erzählt er lachend von seinem damaligen Entschluss. Mittlerweile hat sich der 58-Jährige mit den süßen Sommerfrüchten ein zusätzliches Standbein aufgebaut. Aus der gesamten Region pilgern die Menschen an warmen Tagen zu seinem Erdbeerfeld, um durch die schmalen Pflanzenreihen zu streifen und die roten Beeren von ihren Stielen zu brocken. „Ich betrachte mich in Sachen Erdbeeren aber nicht als Vollprofi“, gibt sich der Landwirt dennoch bescheiden. Sein Hauptgeschäft bestreite er vor allem mit Ackerbau und einer Beteiligung an der örtlichen Landkreiskompostieranlage. Die Erdbeeren seien da eine fruchtige Abwechslung, in die sich Schimpf auch gerne einmal hineinfuchst. „Mir macht das Spaß und ich kann immer wieder etwas Neues ausprobieren“, sagt er über seine beerige Leidenschaft.
So ist der Landwirt auf einem seiner Felder erst im vergangenen Jahr von gewöhnlichen Grünpflanzen auf schockgefrorene Setzlinge, sogenannte Frigo-Erdbeeren, umgestiegen. „Die sind robuster und da habe ich mehr Auswahl bei den Sorten“, sagt er. Auf seinen knapp drei Erdbeer-Hektar wachsen jetzt sowohl früh- als auch spättragende Pflanzen. „Damit ziehe ich die Saison in die Länge und die Leute haben mehr von den Erdbeeren“, erklärt Schimpf. Auch geschmacklich unterscheiden sich die Beeren-Sorten: Während die Korona-Erdbeeren schon recht früh kräftig und saftig sprießen, punkten die spätsommerlichen, dunkelroten Marika-Beeren mit ihrer intensiven Süße. Eine Sache haben die Sorten aber allesamt gemein: Sie sind auf Direktvermarktung ausgelegt. Heißt: Im Gegensatz zur Supermarktware sind die Früchte vollkommen ausgereift – müssen deshalb aber auch schneller vernascht werden.
Kartoffeln und Erdbeeren: Das hat sich nicht vertragen
Den zahlreichen Besuchern auf dem Schimpfhof scheint das nichts auszumachen. Im Gegenteil: „Es ist ein Erlebnis, sich seine Erdbeeren selbst zu pflücken“, sagt der Angelbrechtinger, dem die Kunden am Vortag regelrecht das Feld überrannt haben. Um seinen Pflanzen nun ein bisserl Zeit zum Nachreifen zu geben, lässt er die Pforte zu seinem Erdbeerreich an diesem Morgen geschlossen. Eine Ausnahme, die dem Verticillium, einem Bodenpilz, geschuldet ist. Der unliebsame Feldmitbewohner hat sich heuer unter Schimpfs Pflanzen ausgebreitet und deren Wachstum geschlaucht. „Ich habe hier vorher Kartoffeln angepflanzt, das vertragen Erdbeeren nicht“, resümiert der Landwirt die Anfälligkeit seiner Beeren selbstkritisch.
Damit die fleißigen Selbstpflücker wieder täglich in den süßen Erdbeergenuss kommen, feilt Schimpf bereits an einer Lösung: Auf seinen jährlich wechselnden Erdbeerfeldern will er künftig keine Kartoffeln mehr setzen. „Man lernt eben nie aus“, sagt der 58-Jährige lachend. „Und bevor ich meine Erdbeerfelder einstampfe, höre ich lieber mit den Kartoffeln auf.“