„Habe Angst, dass er fertig wird“: Besuch im Stein-Wasser-Garten – wie für Konfuzius gemacht

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Eine besondere Perspektive: Blick aus dem Garten von Franz Lechner zum Öxinger Platz. Die meisten neugierigen Passanten kennen diesen Blickwinkel von außen aus der Gegenrichtung. © Sro

Ein Bollwerk gegen den Verkehrslärm hat Franz Lechner aus Tuffstein an einem Bach direkt in der Innenstadt von Grafing geschaffen – und gleichzeitig ein einzigartiges Gartenparadies.

Grafing – Wenn es einen Garten gibt, der dem chinesischen Philosophen Konfuzius wohl gefallen hätte, dann wäre das vermutlich der Garten von Franz Lechner (76) aus Grafing in der Rotter Straße. Von Konfuzius stammt der Satz: „Der Weg ist das Ziel.“ Und der Weg, den Lechner mit seinem Projekt verfolgte, dauerte 30 Jahre lang.

Franz Lechner blickt voller Zufriedenheit auf seinen Garten mitten in Grafing.
Franz Lechner blickt voller Zufriedenheit auf seinen Garten mitten in Grafing. © Sro

„Immer wenn ich ein bisschen Zeit gehabt habe“, habe er an seiner Gartengestaltung gearbeitet. „Jetzt habe ich Angst, dass er fertig wird.“ Vielleicht, so denkt sich der Besucher unwillkürlich, wird er ja nie ganz fertig, weil Lechner immer noch neue Ideen hat. Zum Beispiel soll jetzt ein kleiner Gemüsegarten hinzukommen. Die Energie dafür wird von einer Photovoltaikanlage erzeugt werden. Im Garten sorgt ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem für Wachstum.

Sorge, dass der Garten fertig wird

Aber von Anfang an: Als Lechner das Anwesen vor über drei Jahrzehnten kaufte, war der Garten nicht mehr als ein Kiesplatz, gesäumt von kahlen Betonmauern, in die der Wieshamer Bach gezwängt wurde. Und weil der Verkehrslärm von der Rotter Straße unerträglich war, sollte die Anlegung eines Gartens verbunden werden mit einer natürlichen Schallschutzmaßnahme. „Auf dem Gartentisch haben damals die Weingläser geklingelt“, so laut sei es gewesen, erzählt der 76-Jährige. Nach und nach reifte dann die Idee, einen Wassergarten so mit einem Steingarten zu kombinieren, dass man es im Freien aushalten konnte, ohne leidigen Verkehrslärm.

Kaum zu glauben, dass auch das Grafing ist: Lechners Garten am Wieshamer Bach
Kaum zu glauben, dass auch das Grafing ist: Lechners Garten am Wieshamer Bach © Sro

„In Grafing gibt es genügend Beispiele von Schallschutz, den man gar nicht anschauen kann“, weil er so greislig ist, sagt Lechner. Das Material der Wahl war auch gleich ausgemacht. Verwendet wurden Tuffsteine. „Ich habe sie drei Jahre lang gesammelt.“ Dafür musste ein eigener Lagerplatz geschaffen werden. „Die kann man so zusammensetzen, dass sie ausschauen wie ein einzelner Findling.“ 

Zuerst trat die Bepflanzung etwas in den Hintergrund, räumt Lechner ein. Aber inzwischen hat die Natur den Garten hinter seinem Haus unter seiner erkennbaren Liebe zum Detail wieder erobert. Es wachsen Pflanzen, die steinige Böden lieben, neben Goldfelberich, blauen Flockenblumen, vielen verschiedenen Rosenarten und Farnen. Überall rankt Efeu empor, in der Mitte des Gartens residiert eine Pestwurz mit einem stattlichen Blattdurchmesser von 1,10 Metern.

Es blüht der Lavendel. Der Garten ist eine Mischung aus Blumen und Bäumen. Hier finden unter anderem zwei Eiben, ein Zierapfel und auch ein Lebkuchenbaum Platz. „Der riecht im Herbst nach Gebäck“, berichtet der leidenschaftliche Gärtner und Baumeister.

Bäume, die wie Gebäck duften

Inzwischen haben die geraden Betonufer, in die der Wieshamer Bach gezwungen wurde, Löcher bekommen. In die werden Rosen gepflanzt, die sich für diesen ungewöhnlichen Standort mit einem außergewöhnlichen Höhenwuchs bedanken. Ganz einfach waren die Eingriffe in das Gewässer nicht. Es gab mehrere Ortstermine zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim.

Die anfängliche Skepsis wegen einer Verklausungsgefahr bei Hochwasser legte sich und hinter vorgehaltener Hand wurde Lechner schließlich für seine Maßnahmen sogar gelobt, weil er sozusagen nebenbei „Retentionsflächen“ in seinem Garten geschaffen hatte. Am Ufer fühlen sich wasserliebende Pflanzen wohl, man sieht Libellen fliegen.

Auch nicht gewöhnlich: Blick auf die Kirche St. Ägidius  mit Wieshamer Bach.
Auch nicht gewöhnlich: Blick durch den Garten auf die Kirche St. Ägidius mit Wieshamer Bach. © Sro

Schwerstarbeit, Windungen und Ufer-Vielfalt

Manchmal kann Gartengestaltung Schwerstarbeit sein. Und bei dem Garten in der Rotter Straße ist das wörtlich zu nehmen. Am Eingang neben einem Holztor zur Straße sieht man von außen wie auch von innen einen riesigen Olivenbaum. Der stammt aus Italien, war abgestorben, ist mindestens 700 Jahre alt und 6,5 Tonnen schwer und dient jetzt in Lechners Garten als Podest für einen Ruheplatz sozusagen im ersten Stock. Zuerst aber musste der Stamm zu diesem Zweck eigens nach Grafing transportiert werden.

Von der Plattform dort führt noch ein schmaler Weg zu einem etwas höher gelegenen Kräutergarten, der momentan im Werden ist. Überall kann sich der Besucher an schmiedeeisernen Handläufen festhalten. Im Garten gibt es keine gerade Linie, sieht man einmal von einem Wegekreuz ab, das angenehm mathematische Struktur in die Natur bringt. Einen zweiten Beobachtungsposten können die Besucher über einem Brunnentrog am westlichen Gartenrand beziehen, von wo aus man von oben auf die Pflanzenvielfalt am Ufer des Wieshamer Baches sieht.

„Zu 90 Prozent ist er fertig“, sagt Lechner nachdenklich über sein Werk. Er schätzt, dass zum Tag der offenen Gartentüre bei ihm etwa 150 Besucher eintreffen werden. „So viele waren es jedenfalls beim letzten Mal.” Die Gäste werden sicher sehen wollen, was sich inzwischen wieder alles verändert hat.     

Tag der offenen Gartentür

Diese Gärten sind am Sonntag, 29. Juni, von 10 bis 17 Uhr zu besichtigen: Naturgarten mit Bergblick bei Familie Kling, Kronau 22, Emmering. Tierfreundliche Vielfalt plus Stein- und Staudengärten bei Familie Hellriegel, Am Bernesterfeld 3, Glonn. Wasser trifft auf Tuffstein bei Franz Lechner, Rotter Straße 11, Grafing. Naturnahes Insektenparadies bei Familie Wollny, Bucher Straße 15, Kirchseeon. Lebensraum Totholzhaufen mit Teichbiotop und Obstbäumen bei Familie Bocklet, Forstweg 1a, Eglharting. Profi-Kreativgarten von Wolfram Franke auf dem Reitsbergerhof, Baldhamer Straße 99, Vaterstetten. Bayerische Olive, Sandarium und mehr beim Gartenbauverein Vaterstetten, Waldstraße 16, Baldham. Wilder Garten mit Vogel- und Amphibienvielfalt bei Angela Wilhelm, Am Schönblick 2, Grafing. Garten der Harmonie mit Sträuchern, Kräutern, Beeren und Exoten bei Familie Biber, Hupfauer Anger 11a, Hohenlinden. Teich, Tulpen, Bäume und vieles mehr bei Familie Waltl, Altmühlhausen 15, Hohenlinden. Koi-Fische und Staudengarten bei Mike Wierz und Jürgen Wehr, Bahnhofstraße 62a, Aßling. Zier- und Nutzgarten mit Gemüse-Gewächshaus, Teich und Hühnern bei Josef Gaßner jun., Wollwies 1, Aßling. Liebevolle Details um Naturbadeteich, Gemüsegarten und Schildkrötengehege bei Familie Schlüßlhuber, Röhrenbach-Ring 16, Aßling.

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