„Freuen uns, dass der Druck endlich nachlässt“: Dennoch kaum Rückgang der Asylzahlen im Kreis Ebersberg

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Flüchtlingsunterkunft: Container am ehemaligen Sparkassengebäude in Ebersberg.(Archivfoto) © Artist S.ROSSMANN

Allgemein „weniger Druck im Kessel“ diagnostiziert Landrat Robert Niedergesäß (CSU), was die bundesweit rückläufigen Einreisezahlen von Asylbewerbern angeht. Dennoch seien die Unterkünfte im Landkreis Ebersberg weiter nahe am Aufnahmelimit – und die Inbetriebnahme der geplanten Einrichtungen in Vaterstetten und Markt Schwaben unverändert auf der Agenda.

Landkreis – Weniger Druck von oben, aber noch keine spürbar sinkenden Asylzahlen: Die seit Anfang 2025 rückläufigen Zahlen von Asylanträgen bundesweit sorgen beim Landratsamt Ebersberg für vorsichtige Erleichterung – von einer Entspannung will Landrat Robert Niedergesäß (CSU) noch nicht sprechen: „Wir freuen uns, dass der Druck im Kessel endlich nachlässt. Dennoch bleibt die Belastung im Landkreis Ebersberg aktuell noch hoch, weil die Unterkünfte zum Teil bis zur Maximalgrenze belegt sind“, antwortet er vergangene Woche auf eine Anfrage der Ebersberger Zeitung.

Asyl im Kreis Ebersberg: Aktuelle Zahlen

Zu dem Zeitpunkt lebten laut Landratsamt 1544 Menschen in staatlichen Unterkünften im Landkreis Ebersberg. Davon 1081 im Bereich Asyl sowie 463 ukrainische Geflüchtete. Fast die Hälfte davon seien sogenannte Fehlbeleger – Menschen, die ein dauerhaftes oder zumindest längeres Aufenthaltsrecht in Deutschland haben, aber auf dem freien Wohnungsmarkt nicht unterkommen. Dies gilt für sämtliche ukrainische Geflüchtete sowie für 283 der 1081 Menschen im Bereich Asyl.

Dem Landrat zufolge sei eine Veränderung bei den Unterbringungszahlen kaum spürbar, weil weiterhin etwa ein Bus pro Monat im Landkreis Ebersberg eintreffe. Dieser sei im Oberbayern-Vergleich immer noch „Quotenuntererfüller“, habe also auf die Einwohnerzahl weniger Geflüchtete aufgenommen, als eigentlich vorgesehen. Deshalb müsse auch noch mit weiteren Zuweisungen gerechnet werden, ergänzt sein Amt. Die Menschen aus einem von der Regierung von Oberbayern vergangene Woche zugewiesenen Bus sei in der Großunterkunft im Ebersberger Sparkassengebäude untergebracht worden. Auf die aktuell dominierenden Herkunftsländer ging das Amt bei seiner Antwort nicht ein.

Es kommen weiter Busse, doch weniger als früher

Erleichtert nimmt der Landrat zur Kenntnis, dass niedrigere Zugangszahlen dazu geführt hätten, dass nicht mehr allen 23 Landkreisen und kreisfreien Städten Oberbayerns zeitgleich im 14-Tage-Rhytmus Geflüchtete zugewiesen würden – sondern nur noch nach Bedarf und Kapazität. Niedergesäß schreibt, er wünsche sich, „dass die Flüchtlingszahlen dauerhaft rückläufig sind und damit alle Akteure endlich eine spürbare und nachhaltige Entlastung erfahren“.

Das gelte nicht nur für die Behörden, betont das Behördenoberhaupt: „Auch sind unsere Bürgerinnen und Bürger nach den vielen Jahren mit vielen Zuweisungen und vielen Menschen, die zu uns gekommen sind, nicht mehr in dieser Form aufnahmefähig und aufnahmebereit, dies gilt es zu respektieren.“ Die weitere Entwicklung hänge hauptsächlich von den Entscheidungen von Berlin ab, so Niedergesäß weiter: „Wir hoffen sehr und sind zuversichtlich, dass die neue Bundesregierung den Ernst der Lage erkannt hat und wirksame Maßnahmen zur Verhinderung der illegalen Migration und zur Wahrung bzw. Wiederherstellung des gesellschaftlichen Friedens umsetzen wird.“

Geplante Unterkünfte sollen öffnen

Geplante Maßnahmen laufen derweil weiter. „Die Unterkunft in Markt Schwaben wird im Juli bezogen“, antwortet der Landrat der Redaktion zum laufenden Umbau des dortigen Atron-Gebäudes, das schon zu Jahresbeginn bezugsfertig sein sollte, was sich aber seit Monaten verzögert. Die beiden geplanten Unterkünfte in Markt Schwaben und Vaterstetten seien „nach aktueller Überzeugung der Regierung von Oberbayern noch bedarfsnotwendig“, um „künftig eine geordnetere, besser strukturierte und fairer verteilte Unterbringung im Landkreis Ebersberg zu gewährleisten“.

Perspektivisch solle die Anzahl der Unterkünfte jedoch reduziert werden, insbesondere teure und unwirtschaftliche Einrichtungen sollen abgebaut werden, das fordere die Bayerische Staatsregierung. Abschließend betont der Landrat, dass er „gegenüber den Schulen und Sportvereinen trotz hohem Druck von oben Wort gehalten“ habe „und seit Beginn der zweiten Flüchtlingswelle im Jahr 2022 auch keine einzige Schulturnhalle als Flüchtlingsunterkunft zweckentfremdet wurde.“

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