Schul-Verwüstung in Oberbayern: Es waren ehemalige Schüler – „Wirklich schlimm“
Die Täter, die zum Jahreswechsel mehrfach in die Dr.-Elisabeth-Bamberger-Schule in Hebertshausen eingebrochen waren und massive Verwüstungen angerichtet hatten, sind gefasst. Es handelt sich um drei ehemalige Schüler der Schule.
Hebertshausen – Vier Mal hatten Einbrecher zwischen Dezember 2023 und Februar 2024 die Dr.-Elisabeth-Bamberger-Schule in Hebertshausen heimgesucht. Bei den ersten beiden Einbrüchen war hauptsächlich gestohlen worden, beim dritten Einbruch war es erstmals zu Zerstörungen gekommen.
Nach dem vierten Einbruch aber, Mitte Februar, bei dem laut Polizei „kein Stein auf dem anderen blieb“ und die Täter alles zerschlagen und zertreten hatten, was ihnen in die Hände gefallen war, herrschte an der Schule nur noch Entsetzen und Hilflosigkeit. „Wer tut uns so etwas an“, fragte Schulleiterin Petra Weindl.
Diese Frage konnte ihr die Polizei nun beantworten: Es waren drei ehemalige Schüler der Bamberger-Schule. Laut Polizei-Sprecher Michael Hermann sind zwei der Täter 17 und einer 16 Jahre alt, alle bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten.
Förderschule in Hebertshausen verwüstet: Täter gefasst
Laut Hermann führte ein Zeugenhinweis auf die Spur des Trios, das in den Landkreisen Rosenheim, Fürstenfeldbruck sowie in München zuhause ist. In der Folge durchsuchten die Ermittler die Zimmer der drei Jugendlichen und fanden dort „umfangreiches Beweismaterial“: Laptops und Tablets, die sie in der Schule gestohlen hatten, sowie Videos. „Sie haben sich gefilmt bei ihren Taten“, berichtet Polizist Hermann. Doch auch passende Fingerabdrücke und DNA-Spuren konnten gesichert werden.
Für Hermann ist damit klar: „Wir als Polizei haben unsere Arbeit getan.“ Nun obliegt es Staatsanwaltschaft München II, Anklage gegen die Jugendlichen zu erheben. Die Straftatbestände, um die es vor Gericht gehen dürfte, sind der mehrfache besonders schwere Fall des Diebstahls, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Den Sachschaden, der durch die Einbrüche und die Zerstörungen entstand, schätzt die Polizei auf gut 100 000 Euro.
Das Motiv muss noch geklärt werden
Das einzige, was nun noch ungeklärt ist, ist das Motiv. Die Frage, warum sie in dieser Weise über ihre alte Schule herfielen, alles kaputtmachten, die Schulfamilie in Angst und Schrecken versetzten, wollte das Trio bei den polizeilichen Vernehmungen nicht beantworten.
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Für Schulleiterin Weindl ist mit der Klärung der Täterfrage aber bereits viel erreicht. Die Pädagogin geht in acht Wochen in Ruhestand, sie sagt daher: „Persönlich ist es eine Erleichterung für mich, dass es abgeschlossen ist.“ Für die Schule, die Lehrerschaft und die Kinder sei der Ermittlungserfolg ebenfalls eine Erlösung: „Jetzt ist die Angst weg, dass es wieder passiert.“
Dennoch mischt sich zur Erleichterung auch ein Gefühl des Unverständnisses, der Ratlosigkeit. „Mit 99 Prozent unserer Schüler gehen wir im Guten auseinander“, sagt Weindl. Das Ziel von ihr und ihren Kollegen sei stets, die Kinder „wohlwollend und positiv ins Leben zu entlassen“. Dass dennoch drei ehemalige Schüler der Einrichtung, die vom Franziskuswerk getragen wird und als staatlich anerkanntes, privates Förderzentrum vor allem Kinder mit emotionalen und sozialen Problemen betreut, sich derart verhalten, ist für Schulleiterin Weindl „wirklich schlimm“.
Nicht nur seelisch haben die Taten Spuren im Kollegium hinterlassen. Auch im Arbeitsalltag macht sich vor allem der letzte der vier Einbrüche bemerkbar. Es fehlen weiterhin Arbeitsmittel, die zwar allesamt nachbestellt, aber noch nicht geliefert wurden. Und auch der Einrichtung, speziell den Türen, sieht man die hektischen Reparaturen an.
Tagelange Aufräumarbeiten nach Einbruch
Zur Erinnerung: Nach dem letzten Einbruch hatte die Schule für die Aufräumarbeiten mehrere Tage geschlossen werden müssen. Die Lehrer und das Franziskuswerk halfen zusammen, es wurde geputzt, es wurden behelfsmäßige neue Türen beschafft und eingehängt – die nun entsprechend quietschen und knarzen – und es wurde gestrichen. „Es ging zackzack“, erinnert sich Weindl, allen voran die Helfer des Franziskuswerks hätten „ganze Arbeit geleistet“!
Dies ist auch das einzig Positive, was Weindl aus der Sache mitnimmt. Dieses Teamwork, das es möglich gemacht hatte, dass die Kinder, als sie wieder zurück durften in die Schule, nicht mit dem ganzen Ausmaß der Verwüstung konfrontiert wurden.
Wenn die Verhandlung gegen ihre drei ehemaligen Schüler beginnt, wird Pädagogin Weindl bereits in Ruhestand sein. Sie möchte sich daher die Zeit nehmen, um zum Gericht zu fahren und den Jugendlichen die eine entscheidende Frage stellen: „Warum habt ihr das getan?“
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