Mitten im Winter sind die Gasspeicher in Bayern bereits auf einem sehr niedrigen Füllstand angelangt. Was bedeutet das für die kommenden Wochen?
München – Als Sorgenkind taugt Bayern für gewöhnlich nicht. Doch in diesem Winter muss der Freistaat durchaus ein paar bange Blicke über sich ergehen lassen. Anlass sind die Füllstände der Gasspeicher, die zu wünschen übrig lassen. Laut der Initiative Energie Speichern (INES), einem Zusammenschluss von Betreibern deutscher Gas- und Wasserstoffspeicher, beträgt der Füllstand am 6. Februar nur noch 19,9 Prozent.
Das ist nochmal deutlich niedriger als die 29,12 Prozent, die die Bundesnetzagentur für den 4. Februar bundesweit auswies. Schon dies ist ein im Vergleich zu den Vorjahren sehr niedriger Wert, wobei die Behörde feststellte: „Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet. Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung im Augenblick als gering ein.“ Ein sparsamer Umgang werde als sinnvoll erachtet.
Gasspeicher in Bayern: „System am Rande der Belastungsgrenze“
Bayern verfügt über fünf Gasspeicher, die größten in Breitbrunn und Bierwang fassen jeweils mehr als acht Terawattstunden. Hinzu kommen jene in Inzenham-West, Schmidhausen und Wolfersberg, wobei Letzterer mit 4,4 Prozent den mit Abstand geringsten Füllstand aufweist. Auch Schmidhausen ist mit 8,7 Prozent bereits einstellig unterwegs.
„Die niedrigen Füllstände der bayerischen Speicher sind eine besondere Herausforderung für das Gassystem“, sagte INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann dem Wirtschaftsmagazin Capital: „Trotz eines vergleichsweise normalen Winters und ohne infrastrukturelle Ausfälle fährt das System am Rande der Belastungsgrenze. Das ist bedenklich.“ Es zeige sich, dass die Vorsorge vor dem Winter unzureichend war.
Als zentraler Grund für die geringere Befüllung im Vorfeld wird der Umstand erwähnt, dass es sich bei den Gasspeichern in Bayern um Porenspeicher handele. Diese haben zwar ein hohes Fassungsvermögen, jedoch eine geringe Leistung. Geeignet sind sie vor allem als saisonale Reserve. Weniger, um flexibel auf die Lage am Gasmarkt zu reagieren.
Bayern und die Gasversorgung: Wirtschaftsministerium verweist auch auf Speicher in Österreich
Laut der Süddeutschen Zeitung (SZ) haben die Speicheranlagen Breitbrunn, Inzenheim-West und Wolfersberg den laut der Gasspeicherfüllstandsverordnung für den 1. Februar festgelegten Wert von 40 Prozent deutlich verfehlt. Einzig Bierwang sei darüber geblieben. Für alle anderen Anlagen lag das Ziel bei 30 Prozent. Eine Sprecherin der Bundesnetzagentur habe auf Anfrage angegeben, „dass einzelne Speicheranlagen die individuellen Füllstandsvorgaben nicht erreicht haben“.
Das bayerische Wirtschaftsministerium beschwichtigte jedoch dem Artikel zufolge und stellte klar, dass auch für Bayern „aktuell kein Risiko“ bestehe. Zurückzuführen seien die Füllstände auf die Kälte sowie auf Preissprünge. Zudem hieß es demnach, der Füllstand aller für den Freistaat relevanten Speicher „liegt bei 37 Prozent“. Dabei fallen auch zwei Speicher in Österreich ins Gewicht.
Verliert Bayern zwei Gasspeicher? Aiwanger will um Anlagr in Breitbrunn kämpfen
Womöglich werden diese bald noch wichtiger. Denn zwei bayerische Speicher könnten im kommenden Jahr vom Netz gehen, wenn die Betreiber ihren Willen bekommen. So hat die bayernugs GmbH die Stilllegung des Erdgasspeichers Wolfersberg zum 1. April 2027 beantragt, die Uniper Energy Storage GmbH das Ende für den Erdgasspeicher Breitbrunn zum 31. März 2027. Beide Unternehmen verweisen auf den gesetzlich erforderlichen Nachweis, wonach der Schritt keine Auswirkungen auf die Gasversorgung des Landes und der EU haben wird.
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hatte aber bereits verdeutlicht, dass er für den Erhalt der Anlage in Breitbrunn kämpfen will. „Dieser Speicher ist einer der größten Deutschlands und umfasst ein Drittel der des bayerischen Speichervolumens“, betonte der Chef der Freien Wähler im Oktober: „Die internationalen Krisen spitzen sich sogar weiter zu, Deutschland mitten drin. Da müssen wir alles dafür tun, unsere Versorgungssicherheit zu gewährleisten und dürfen unsere Speicherkapazität auf keinen Fall reduzieren.“
Bayern vor Gasmangellage? Experte fordert strategische staatliche Reserve
Noch steht Breitbrunn zur Verfügung. Und Marian Rappl warnt vor Panikmache. „Es gibt keinen Grund für Beunruhigung“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands der bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) laut SZ angesichts der Füllstände. Allerdings sei es an der Politik, eine strategische staatliche Reserve anzulegen.
Ähnlich hatte sich auch Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) geäußert. Allerdings verwies er auch auf die Rolle der Händler und Gasversorger und würde die Verantwortung in freier Hand belassen.
Gegenüber der internationalen Nachrichtenagentur Reuters erklärte der einstige Bundestagsabgeordnete der Grünen zudem, die Rolle der Gasspeicher habe sich infolge der LNG-Infrastruktur für Flüssigerdgas und neuer Gasflüsse gewandelt. Daher gelte: „Niedrige Speicherfüllstände sind kein automatisches Indiz für eine Gasmangellage.“ Eine Feststellung, die wohl nicht nur in Bayern mit Erleichterung aufgenommen wird. (Quellen: INES, Bundesnetzagentur, Capital, SZ, dpa, Reuters) (mg)