Eine große Einzelhandels-Kette krempelt ihr Filialnetz um und ergreift verschiedene Maßnahmen – dazu zählen auch diverse Schließungen.
München – Das Unternehmen hinter den bekannten Elektro-Ketten Saturn und MediaMarkt werkelt weiter intensiv am Filialnetz. Der Umbruch trifft Saturn: Manche Standorte werden geschlossen, andere öffnen als MediaMarkt neu. Beides wurde bereits im Januar angekündigt – inzwischen werden immer mehr Tatsachen geschaffen.
Wichtig für den Hintergrund: Der chinesische Onlinehändler JD.com hatte sich im Dezember eine deutliche Mehrheit an der Ceconomy AG gesichert, der Muttergesellschaft der Elektrohändler MediaMarkt und Saturn. Endgültig ist die Übernahme allerdings noch nicht. Zwar hatte das Bundeskartellamt im September bereits grünes Licht gegeben, da JD.com bislang „nur in sehr geringem Umfang in Deutschland aktiv“ sei. Allerdings stehen noch Genehmigungen des Bundeswirtschaftsministeriums sowie weiterer EU-Staaten aus. Zudem prüft die EU-Kommission, ob der Wettbewerb in Europa beeinträchtigt werden könnte. JD.com rechnet damit, dass die Übernahme in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen sein wird.
Großer Umbruch bei MediaMarktSaturn: Mindestens fünf Schließungen 2026
Doch der Umbruch im Unternehmen ist im vollen Gange und betrifft insbesondere die Saturn-Läden. Weitere Standorte sollen schließen und in MediaMarkt-Filialen umgewandelt werden. Das bestätigte eine Sprecherin des Mutterkonzerns Ceconomy der Deutschen Presse-Agentur auf Nachfrage bereits im Januar. Dennoch möchte man an beiden Marken festhalten. Die Zahl der Saturn-Märkte ist zuletzt deutlich gesunken. Vor einigen Jahren gab es in Deutschland noch etwa 150 Geschäfte, aktuell sind nur noch rund 50 geöffnet. Die Anzahl der MediaMarkt-Filialen wuchs durch die Umfirmierungen auf mehr als 350.
Vor Ort ist schon in vielerlei Hinsicht Vollzug zu beobachten – sei es durch Schließungen oder aber durch Umfirmierungen von Saturn in MediaMarkt. So meldete sich das Team des Saturn-Marktes im Einkaufszentrum Anger 1 in Erfurt (Thüringen) jetzt via Instagram in einem Video zu Wort: „Wir haben euch was Trauriges mitzuteilen: Der Saturn in Erfurt im Anger 1 schließt. Und zwar für immer“, spricht eine Mitarbeiterin in die Kamera. „Nach 26 Jahren ist es nun vorbei“, ergänzt ein Kollege. Die Trauerstimmung schwenkt im Video um in gute Laune – der Standort eröffne am 19. Februar als MediaMarkt neu und startet diverse Aktionen.
Von positiver Stimmung kann woanders nicht die Rede sein. Wie das Fachmagazin Telecom Handel auf seiner Webseite zusammenfasst, werden oder wurden die Saturn-Standorte in der City-Galerie Augsburg, in Chemnitz-Röhrsdorf, Hattingen und Ludwigshafen Rhein-Galerie 2026 ganz geschlossen. Über das Aus für Saturn in Augsburg hatte Merkur.de bereits berichtet, dort ist bereits seit 31. Januar das Licht aus. Zu Chemnitz schreibt das Portal blick.de jetzt, es laufe ein Räumungsverkauf. Ziel sei es laut einer Sprecherin, die verbleibenden Bestände bis zur Schließung weitgehend abzubauen. Die Saturn-Filiale in Chemnitz schließt voraussichtlich am 28. März. Ob an den anderen Standorten auch ein Abverkauf geplant ist, ist unklar.
Die Sprecherin erklärte gegenüber blick.de bezüglich der Chemnitz-Filiale das generelle Vorgehen: Demnach überprüfe das Unternehmen sein Markt-Portfolio regelmäßig und passe es bei Bedarf an. Es könnten daraus Veränderungen von Flächengrößen, Neueröffnungen oder auch Schließungen einzelner Märkte entstehen. „Es handelt sich hierbei um eine Einzelfall-Entscheidung.“ Von einer Einzelfall-Entscheidung ist auch in Hattingen die Rede. „Es ist korrekt, dass wir intern angekündigt haben, den betreffenden Markt im Mai 2026 zu schließen“, bestätigte eine Sprecherin bereits vor einigen Monaten der WAZ.
Diese Saturn-Märkte schließen 2026 komplett
| Standort | Bundesland | Termin |
|---|---|---|
| Augsburg City-Galerie | Bayern | Ende Januar |
| Chemnitz-Röhrsdorf | Sachsen | voraussichtlich 28. März |
| Hattingen | NRW | Mai |
| Ludwigshafen Rhein-Galerie | Rheinland-Pfalz | Ende März |
| Dortmund Westenhellweg | NRW | Sommer oder September |
Außerdem wurde das Aus im Sommer – teils ist auch von September die Rede – für die Saturn-Filiale am Westenhellweg in Dortmund (NRW) publik, unter anderem über einen WAZ-Bericht. Hier wird ein anderer Grund angeführt: Der aktuelle Mietvertrag werde aufgrund des Sanierungsbedarfs des Gebäudes nicht verlängert, so eine Sprecherin. Ein neuer Standort in der Stadt wird geprüft. Auch wa.de berichtete über das Aus für den Dortmund-Standort.
Saturn-Filialen werden zu MediaMarkt-Läden
Woanders kommt es zu Umbenennungen: Die Filiale im MyZeil in Frankfurt (Hessen) läuft seit Januar nicht mehr als Saturn, sondern als MediaMarkt. In Norderstedt (Schleswig-Holstein) wurde laut Abendblatt die Saturn-Filiale am 2. Februar für wenige Tage geschlossen, um danach unter neuem Namen zu eröffnen. Ähnliches erfolgt laut Tag24 in Leipzig. Das Portal gameswirtschaft.de listet eine erfolgte Namensänderung für Reutlingen und Leonberg (beide Baden-Württemberg) seit Januar auf – und weitere bereits aus dem Jahr 2025. Es ist gut möglich, dass an anderen Standorten ähnliche Maßnahmen ergriffen wurden oder werden, ein vollständiger Gesamtüberblick ist schwierig.
Ob eine Saturn-Filiale als MediaMarkt weiterbetrieben wird, hänge, so eine Sprecherin im Januar, von umfassenden Umfeld- und Marktanalysen ab. Je nach lokalen Gegebenheiten werde entschieden, welche Marke das beste Kundenerlebnis biete. Trotz der Umstrukturierung bekannten sich der bisherige Mutterkonzern und der neue Mehrheitseigner klar zu Saturn. „Mit Saturn und MediaMarkt haben wir zwei wertvolle Marken in Deutschland“, sagte die Ceconomy-Sprecherin. „Wir stehen zu ihnen – und wir werden beide stärken. Wir haben Kunden, die MediaMarkt lieben, und Kunden, die Saturn lieben.“
MediaMarktSaturn: Nur noch eine Marke im europäischen Ausland
Mit mehr als 1000 Geschäften in elf Ländern ist MediaMarktSaturn Europas größter Elektronik-Fachhändler. Im europäischen Ausland gibt es nur noch die Marke MediaMarkt. Früher waren beide Ketten Konkurrenten. Die erste Saturn-Filiale wurde 1961 in Köln eröffnet, der erste MediaMarkt 1979 in München. Die Einzelhandelskette übernahm den Wettbewerber Saturn 1990. Einige Jahre später besaß die Metro AG die Mehrheit an beiden Marken.
Ceconomy entstand 2017 als Abspaltung von Metro und führte die Marken weiter, um verschiedene Zielgruppen anzusprechen. Für Kunden sind die Unterschiede inzwischen jedoch kaum noch erkennbar. Die Sortimente ähneln sich stark. Viele Produkte gibt es sowohl bei MediaMarkt als auch bei Saturn zu kaufen. Auch Angebote und Werbung gleichen sich.
JD.com ist mit einem Jahresumsatz von knapp 159 Milliarden US-Dollar (2024) laut dem Forschungsinstitut EHI größter chinesischer Handelskonzern und zählt auch weltweit zu den zehn größten. In Deutschland ist das Engagement bislang gering. Auch ein Möbel-Riese schließt weitere Filialen. (Quellen: dpa, AFP, Telecom Handel, Sächsische Zeitung, Instagram, WAZ, blick.de, Abendblatt, Ludwigshafen24, Tag24, gameswirtschaft.de) (lin)