Wieder Stromausfälle: Dieses Detail „macht das System verletzlich“

  1. Startseite
  2. Wirtschaft

Kommentare

Teile Berlins und auch Stuttgarts sind ohne Strom. Die Gründe sind verschieden, zeigen aber potenzielle Schwachstellen vor Angriffen, warnen Experten.

Berlin – Schon wieder Stromausfall, schon wieder Berlin. Und Stuttgart einen Tag zuvor. Wieder sind etliche Tausend Menschen in Deutschland inmitten eines harten Winters ohne Licht und Heizung. Die Meldungen erinnern an den Angriff auf das Berliner Stromnetz vor einigen Wochen, als 50.000 Haushalte tagelang ohne Strom waren. Grund damals war ein mutmaßlicher linksextremistischer Angriff – er zeigte, wie anfällig die kritische Infrastruktur für Angriffe ist.

Die kritische Infrastruktur in Deutschland ist oft nicht ausreichend geschützt. Könnten sich Angriffe häufen?
Die kritische Infrastruktur in Deutschland ist oft nicht ausreichend geschützt. Könnten sich Angriffe häufen? © IMAGO/ Rene Traut

Am Freitagmorgen waren mindestens 2200 Haushalte in Berlin Friedrichshain und dem Prenzlauer Berg ohne Strom. Verantwortlich waren eine Störung im Netz und Fehler an zwei Kabeln, wie es vom Betreiber Stromnetz Berlin hieß. Einen Tag zuvor führte ein kurzer Spannungsabfall in Stuttgart zu etlichen Brand- und Alarmmeldungen sowie toten Ampeln. Angriffe gab es in beiden Fällen nicht, dennoch zeigen sie wieder: Die deutschen Netze sind anfällig. Und zwar sehr.

Putins hybride Kriegsführung: kritische Infrastruktur in Gefahr

Das weiß Hans-Jakob Schindler, Direktor beim Counter Extremism Project. In Bezug auf die für die Stromnetz-Attacke in Verdacht stehende Vulkangruppe sagte Schindler kürzlich im Gespräch mit dieser Redaktion: „Kritische Infrastruktur kann man ja quasi offen googeln. Es ist alles transparent. Das macht das System verletzlich.“ Schindlers Argument: Die Vulkangruppe hätte keine besonderen Vorkenntnisse gebraucht, um ganze Stadtteile lahmzulegen.

Seit Jahren wird vor hybrider Kriegsführung und der Anfälligkeit der Infrastruktur gewarnt. Getan hat sich seitdem wenig. Vollkommener Schutz ist nicht erreichbar. Ein Problem: Die Offenlegungspflicht für Kritische Infrastruktur. Die bisherige Transparenz bezüglich sensibler Standorten und Schwachstellen soll nun aber begrenzt werden. Mit dem von der schwarz-roten Bundesregierung beschlossenen Kritis-Dachgesetz soll genau das passieren: Weniger Offenlegung der anfälligen Knotenpunkte. „Mit dem KRITIS-Dachgesetz machen wir Deutschland widerstandsfähiger gegen Krisen und Angriffe“, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) im vergangenen Jahr dazu. „Wir schaffen dafür einheitliche Mindeststandards, Risikoanalysen und ein Störungsmonitoring. Unser Ziel ist klar: Die Abwehrfähigkeit und Resilienz unserer kritischen Infrastrukturen muss gehärtet werden.“ Ende Januar ging das Gesetz durch den Bundestag.

Neben hybrider Kriegsführung – etwa durch Putins Russland – durch Hackerangriffe, Desinformationskampagnen und Attacken auf die staatliche Infrastruktur muss auch die individuelle Verantwortung in den Fokus rücken, fordert Martin Schelleis, Generalleutnant a.D. und jetzt Bundesbeauftragter der Malteser für Krisenresilienz. „Jeder muss sich fragen: Wenn meine Versorgungsketten reißen, wo kriege ich was zu essen her?“, so Schelleis vor Kurzem im Gespräch mit dieser Redaktion.

„Der Staat muss Motor sein und den Rahmen setzen. Aber wir dürfen nicht warten, bis die Katastrophe passiert“, sagte der Experte. Das gelte auch für öffentliche Institutionen: Hilfsorganisationen, Altenheime, Krankenhäuser, Medienhäuser müssten schon jetzt selbst aktiv werden und sich vorbereiten. „Ein Beispiel: Die Leitung jedes Altenheims muss sich fragen, was passiert, wenn morgens der Aufzug nicht mehr fährt. Wie kann man die Menschen dann trotzdem noch weiter versorgen?“ (Quellen: Eigene Gespräche, Stromnetz Berlin, Bundesregierung)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/wirtschaft/wieder-stromausfaelle-dieses-detail-macht-das-system-verletzlich-zr-94158594.html