TKMS und der milliardenschwere U-Boot-Deal - „in der Dimension noch nicht erlebt“

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Was Kanada von TKMS und dem großen Rivalen verlangt, geht weit über High-Tech-U-Boote hinaus. Auch die deutsche Politik ist involviert – und Volkswagen?

Ottawa/Kiel – Nie zuvor war der Auftragsbestand bei Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) so hoch wie jetzt: Mit einem gemeldeten Ordervolumen von rund 18,7 Milliarden Euro blickt der Marinespezialist aus Kiel auf ein Rekordquartal. Der jüngste Milliardenauftrag ist dabei noch nicht einmal einberechnet – und weitere große Projekte zeichnen sich am Horizont ab.

U-Boot-Bau in der Kieler Werft  von TKMS: Der deutsche Rüstungshersteller ist gut ausgelastet – und hat lukrative Deals vor Augen (Symbolbild)
U-Boot-Bau in der Kieler Werft von TKMS: Der deutsche Rüstungshersteller ist gut ausgelastet – und hat lukrative Deals vor Augen (Symbolbild). © Breuel-Bild/TKMS; Fotomontage: IPPEN.MEDIA

Gleich zwei milliardenschwere U-Boot-Aufträge hat die 2025 vom Mutterkonzern abgespaltene AG in Aussicht, einer davon mit weltweiter Signalwirkung. TKMS wittert die Chance, nicht nur technisch, sondern strategisch und industriepolitisch Geschichte zu schreiben. Beteiligt ist auch die deutsche Politik – sowie mutmaßlich Europas größter Autobauer Volkswagen.

TKMS und das U-Boot-Projekt in Kanada: Mehr als nur Technik gefragt

Im Zentrum dieses bemerkenswerten Wettbewerbs steht ein kanadischer Mega-Deal: Ottawa prüft den Bau und die Lieferung von bis zu zwölf nicht-nuklearen U-Booten – ein Programm im Wert von mehr als zehn Milliarden Euro, das TKMS gerne als Auftragnehmer „an Land ziehen“ würde. Neben dem deutschen Konzern ist der südkoreanische Rivale Hanwha Ocean im Finale um den Zuschlag, eine Entscheidung wird bis spätestens September dieses Jahres erwartet.

Der Vorstandsvorsitzende Oliver Burkhard erläutert gegenüber Welt.de, dass es längst nicht mehr allein um die Qualität der Boote geht: „In der Dimension ist uns das noch nicht begegnet“, schildert der TKMS-Chef. Kanada verlangt weiterreichende wirtschaftliche Zusagen. Der wesentliche Grund ist das angespannte Verhältnis zum südlichen Nachbarn: Der Handelsstreit mit den USA hat einen strategischen Wandel herbeigeführt und die kanadische Regierung will die industrielle Entwicklung sowie Partnerbeziehungen neu justieren. Für den lukrativen U-Boot-Deal bedeutet das: Ottawa fordert von den Konkurrenten nicht nur Know-how auf See, sondern auch beachtliche zivilwirtschaftliche Investitionen.

TKMS (Deutschland) und Hanwha (Südkorea): Wer bietet das bessere Gesamtpaket?

Kanada setzt bei der Verknüpfung von Marineaufträgen mit industriellen Großprojekten neue Standards im globalen Rüstungswettlauf. So verlangt das Land explizit Zusagen für Investitionen etwa im Bergbau, bei Seltenen Erden sowie im Automobilsektor. Unterstrichen wurde diese Strategie bei einem hochrangigen Wirtschaftstreffen in Ottawa vor wenigen Tagen.

Ein Tross um Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche reiste nach Kanada, wo sie mit Industrieministerin Mélanie Joly, Energieminister Tim Hodgson und Handelsminister Dominic LeBlanc die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern erörterte. Im Mittelpunkt der Gespräche stand laut einer Mitteilung des Ministeriums die transatlantische Zusammenarbeit in sicherheits- und industriepolitischen Bereichen sowie die wirtschaftliche Vernetzung.

Mega-U-Boot-Deal in Kanada: Welche Rolle spielt Volkswagen?

Im Rahmen der Ausschreibung erwartet Kanada von den Bewerbern insbesondere Zusagen für Investitionen in die kanadische Fertigungsindustrie – und zielt dabei explizit auch auf die Automobilbranche ab. Für die deutsche Seite bedeutet dies, dass große Player wie Volkswagen in die Planungen einbezogen werden. Kanadische Medien berichten, dass Deutschland – bei der Bewerbung durch TKMS – ausdrücklich auch VW als Partner ins Spiel bringt. Auf Nachfrage von Merkur.de hat der Wolfsburger Autokonzern entsprechende Pläne bislang nicht bestätigt.

Wirtschaftsministerin Reiche betonte im Rahmen der Gespräche in Ottawa, dass Deutschland und seine Unternehmen an detaillierten Plänen arbeiten, die über bloße Ankündigungen hinausgehen sollen. „Es geht nicht nur um leere Worte. Wir prüfen die Zahlen und die Details“, erklärte Reiche nach Angaben der Zeitung Globe and Mail. Die Bewerbung um Kanadas U-Boote ist längst zu einem umfassenden wirtschaftspolitischen Großprojekt gewachsen, bei dem jede noch so kleine Zusage politisch und wirtschaftlich sorgfältig abgewogen wird.

TKMS: Bilanzen auf Rekordhoch, neue Allianzen im Fokus

Während Kanadas Regierung auf zusätzliche Investitionen pocht, befindet sich TKMS auf Wachstumskurs: Mit einer prognostizierten Erlössteigerung von bis zu fünf Prozent bis 2026 setzt die ThyssenKrupp-Tochter aus Kiel auf eine noch nie dagewesene Nachfragesituation. Damit sich in die vollen Auftragsbücher auch der lukrative kanadische Deal eintragen lässt, hat das Unternehmen zusätzlich bereits Allianzen vor Ort geschmiedet:

Eine Fähre verlässt den Kieler Hafen und fährt an der U-Boothalle des Marineschiffbauers Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) in der Kieler Förde vorbei
Eine Fähre verlässt den Kieler Hafen und fährt an der U-Boothalle des Marineschiffbauers Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) in der Kieler Förde vorbei. © Marcus Brandt/dpa

Die jüngste Kooperation mit Magellan Aerospace zielt auf den Bau von Schwergewichtstorpedos für den kanadischen Flottenservice ab. Gemeinsam mit dem lokalen Partner sollen Arbeitsplätze geschaffen und Know-how ins Land transferiert werden. Auch der Schulterschluss mit Seaspan Shipyards bei der Instandhaltung der bestehenden U-Boot-Flotte ist ein Signal, dass TKMS bereit ist, in Kanada langfristig industrielle Verantwortung zu übernehmen.

Konkurrenz aus Südkorea: Hanwha Ocean setzt auf Wirtschaftspakete

Doch der Weg zum Zuschlag ist trotz aller Kooperationen für TKMS ein harter: Die südkoreanische Hanwha Ocean agiert dem Vernehmen nach genauso ambitioniert. Auch der asiatische Vertreter bringt namhafte Unternehmen wie Hyundai und Kia mit aufs Parkett und wirbt mit eigenen Investitionspaketen, um seinerseits Industrie und Arbeitsplätze in Kanada zu schaffen. In Delegationen reisten kürzlich Spitzendiplomaten und Minister nach Ottawa, um politische Unterstützung für den Deal zu sichern.

Für Kanada ist dieser Wettbewerb ein Trumpf: Wer den größten Nutzen für Wirtschaft und Gesellschaft ins Land holt, soll den Zuschlag erhalten. Kanadische Medien sprechen von einem „erbitterten Wettstreit“ zwischen dem deutschen und dem koreanischen Bewerber. Dabei sorgt die Kopplung an wirtschaftliche Entwicklungspakete für neue Maßstäbe – ein Trend, der in Zukunft bei weiteren militärischen Großprojekten Schule machen könnte.

TKMS und die gestiegenen Anforderungen bei Rüstungsvergaben

Abseits des Aufsehen erregenden Kanada-Projekts arbeitet TKMS an einer weiteren Mega-Ausschreibung: Auch Indien sucht neue leistungsfähige U-Boote – mit einem Volumen von etwa sieben Milliarden Euro. Gemeinsam mit einem lokalen Partner ist TKMS hier als einziger verbliebener Bieter in der Finalrunde, was die internationale Wahrnehmung des Kieler Traditionsherstellers zusätzlich stärkt. Auch bei dem Deal in Indien geht es nicht mehr nur um militärische Technik, sondern auch um strategische Partnerschaften und bestehende Netzwerke.

Gleichzeitig zeigen die Entwicklungen, dass die Zeiten einfacher Rüstungsvergabe vorbei sind: Wer wie TKMS künftig lukrative Aufträge gewinnen will, muss geopolitisches Fingerspitzengefühl, ökonomische Attraktivität und die Bereitschaft zu umfangreichen Zusagen mitbringen. (Quellen: Welt.de, Electric-Vehicles.com, Bundeswirtschaftsministerium, Volkswagen)

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