EU schmiedet Pläne für mehr Wettbewerbsfähigkeit: Handwerk fordert „verbindliches Bekenntnis“

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Europa soll durch Stärkung des Binnenmarktes wettbewerbsfähiger werden. Für den Zentralverband des Deutschen Handwerks ist ein Punkt dafür entscheidend.

Berlin – Die Schaffung eines Binnenmarktes ist eines der zentralen Ziele der EU. Den gibt es zwar – allerdings auch nach wie vor viele länderspezifische Gesetze, die europaweit agierende Unternehmen kennen und navigieren müssen. Das macht ein EU-weites Handeln komplex und erschwert vielen Unternehmen den Zugang. Deswegen wird schon seit Jahren eine Kapitalmarktunion innerhalb der EU angestrebt. Ein Plan, der nach einem entsprechenden Vorstoß von Lars Klingbeil (SPD) sowie dem Treffen von Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) aktuell wieder an Fahrt aufnimmt.

Europa soll durch Stärkung des Binnenmarktes wettbewerbsfähiger werden. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks meldet sich zu Wort. © Francois Walschaerts/dpa/AP | Alicia Windzio/dpa

Ziel ist es, durch Stärkung des Binnenmarktes auch auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger zu werden. Ein wichtiger Punkt, wie auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einer Rede vor dem Europäischen Parlament betonte: „Unser Gewicht auf der Weltbühne hängt erheblich von unserer wirtschaftlichen Stärke ab. Wettbewerbsfähigkeit ist nicht nur das Fundament unseres Wohlstands, sondern auch die Grundlage unserer Sicherheit.“

EU will mehr Wettbewerbsfähigkeit: ZDH fordert stärkeren Fokus auf KMUs zur Stärkung der Wirtschaft

Dafür soll nun ein Binnenmarktfahrplan bis 2028 erarbeitet werden, so von der Leyen weiter. Dieser könnte schon im März beschlossen werden, wie aus einer Pressemeldung der Europäischen Kommission hervorgeht. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sieht für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der EU einen Punkt als entscheidend an: „Wenn die Staats- und Regierungschefs (…) tatsächlich die europäische Wirtschaft nachhaltig stärken wollen, müssen sie den Mittelstand ins Zentrum ihrer Überlegungen rücken“, erklärte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke in einer Pressemeldung auf der Webseite des Verbandes.

Wie Bundeskanzler Merz, ist auch Schwannecke für eine Entbürokratisierung. Die „Anstrengungen zum Bürokratieabbau“ sollten „deutlich intensiviert werden.“ Zudem forderte der ZDH-Generalsekretär ein „verbindliches Bekenntnis zum ‚Think Small First‘-Prinzip“. Am Anfang jedes Gesetzgebungsverfahrens müssten die Belange kleiner und mittlerer Betriebe stehen.

EU-Gesetzesdschungel hemmt Wachstum von KMUs besonders

Tatsächlich haben es KMUs unter den aktuellen Bedingungen schwer, über Ländergrenzen hinaus europaweit zu agieren. Für das Eurobarometer zu KMUs, Start-ups und Scale-ups 2025 der EU-Kommission wurden 17.000 Firmen (davon 13.000 aus den EU-Mitgliedsländern) zu den Hürden für ihr Wachstum befragt. Dabei nannten 64 Prozent der befragten KMUs die Komplexität der Vorschriften als ihr größtes Wachstumshemmnis.

Die komplexe Bürokratie schlägt sich auch in höheren Verwaltungskosten nieder. Das ist insofern problematisch, da „im Verhältnis zu ihrer Wirtschaftskraft und zu den verfügbaren Ressourcen (…) die Belastung durch Bürokratie für KMU tendenziell stärker als für größere Unternehmen“ ist, so die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK). 27 Prozent gaben im Eurobarometer zudem an, Schwierigkeiten beim Zugang zu Finanzmitteln zu haben. Denn: KMUs haben aufgrund ihrer geringeren Größe und der damit verbundenen höheren Risiken oft Schwierigkeiten, Kredite zu wettbewerbsfähigen Konditionen zu erhalten.

All das macht es kleinen und mittelständischen Betrieben schwerer, im europäischen Binnenmarkt mit den großen Akteuren mitzuhalten. Dennoch erwirtschaften die „rund 26 Millionen Handwerksbetriebe und kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der EU (…) einen Großteil der europäischen Wirtschaftsleistung“, so ZDH-Generalsekretär Schwannecke. Ihnen den Zugang zum europäischen Markt zu erleichtern könnte die Wirtschaft deutlich ankurbeln. (Quellen: Pressemeldung der Europäischen Kommission, Pressemeldung des Zentralverband des Deutschen Handwerks, Eurobarometer zu KMUs, Start-ups und Scale-ups 2025, Deutsche Industrie- und Handelskammer) (sp)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/wirtschaft/wettbewerbsfaehigkeit-der-eu-zdh-fordert-verbindliches-bekenntnis-zr-94168577.html