Könnte Europa bald eine eigene Hyperschallwaffe besitzen? Das verspricht ein Startup aus München – und legt ein beachtliches Tempo bei der Entwicklung vor.
München – Deutschland und Europa rüsten auf. Einerseits wohl auf Druck der USA auf seine Nato-Partner. Andererseits, um sich von den Vereinigten Staaten unter Donald Trump unabhängiger zu machen. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz betont diese Notwendigkeit auch angesichts der Unberechenbarkeit der Trump-Regierung immer wieder. Bei seiner Regierungserklärung im Januar rief er Europa dazu auf, seine Sicherheit selbst in die Hand zu nehmen.
Doch noch immer gelten die USA als unverzichtbar, wenn es um die Beschaffung von Waffen und anderem Kriegsmaterial geht. Zwar gibt es auch in Deutschland mit Unternehmen wie Rheinmetall sogenannte „Big Player“ der Rüstungsindustrie. Doch der Großteil des Kriegsgeräts kommt noch immer aus den Vereinigten Staaten. Zumindest bei einer Waffentechnik will das ein deutsch-britisches Startup aus München nun ändern.
Souveräne Raketen für Europa: Münchner Rüstungs-Startup testet erfolgreich Hyperschall-Waffe
Das Verteidigungs- und Luftfahrtunternehmen Hypersonica mit Sitz in der bayerischen Landeshauptstadt München hat in einer Pressemitteilung den erfolgreichen Abschluss eines „ersten Hyperschall-Testfluges im Weltraumbahnhof Andøya in Norwegen“ bekannt gegeben. Eine Premiere für ein privates europäisches Rüstungsunternehmen.
Die getestete Rakete soll dabei eine Geschwindigkeit von mehr als Mach 6 (mehr als 7400 km/h) erreicht haben. Geschwindigkeiten über Mach 5 werden als Hyperschallgeschwindigkeit bezeichnet. Weiter soll das Geschoss über eine Reichweite von mehr als 300 Kilometern verfügen.
„Hypersonica hat einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Entwicklung der ersten souveränen Hyperschall-Angriffsfähigkeit Europas bis 2029 erreicht“, sagten die Hypersonica-Mitbegründer Philipp Kerth und Marc Ewenz. „Unser Testflug lieferte wertvolle Datensätze, die in die Konstruktion und Entwicklung zukünftiger Hochgeschwindigkeits-Angriffssysteme einfließen und unsere Fähigkeit zur Analyse gegnerischer Waffenprofile verbessern werden.“
„Europa hat keine 20 Jahre Zeit“ – Hyperschallrakete soll Durchbruch für Europa bringen
Kerth erklärte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass es bei der modernen Hyperschallrakete vor allem darauf ankomme, diese mit der notwendigen Präzision steuern zu können. „Der Motor ist nicht so sehr das Problem, die technische Herausforderung besteht darin, mit Hyperschallgeschwindigkeit zu fliegen und gleichzeitig mit hoher Präzision zu manövrieren“, sagte der Physiker.
Der Test der Rakete stellt für ihn einen wichtigen Schritt für die Verteidigungsfähigkeit Europas dar. Viel zu lange sei die Technik vernachlässigt worden. „Europa hat keine 20 Jahre Zeit, und wir haben keine 20 Milliarden“, so Kerth weiter. Die Entwicklung im Bereich der Raketen habe sich durch private Akteure wie den Tech-Milliardär Elon Musk und dessen Raumfahrtunternehmen SpaceX massiv beschleunigt. „Die haben Entwicklungszeit und -aufwand um 80 bis 90 Prozent reduziert“, sagte Kerth. „Das übertragen wir jetzt auf den Hyperschallbereich. Für uns ist es ein riesiger Erfolg, in so kurzer Zeit zur Erprobung des ersten Prototyps gekommen zu sein.“
Russland und die USA mischen bei Hyperschallraketen längst mit
Andere Länder, wie etwa Russland und die USA, verfügen bereits über ähnliche Waffensysteme – und schrecken nicht davor zurück, diese im Kriegsfall einzusetzen. So hat Russlands Präsident Wladimir Putin die „Oreschnik“-Rakete bereits im Ukraine-Krieg abfeuern lassen.
Und auch die USA verfügen ebenfalls über die Waffe – mit teils massiver Reichweite. Das Modell „Dark Eagle“, eine Langstrecken-Hyperschallrakete, kann laut offiziellen Angaben eine Strecke von rund 3500 Kilometern zurücklegen, bevor sie ihr Ziel trifft.
Doch die Erfahrungen der letzten Monate haben gezeigt, dass sich Europa auf die Fähigkeiten der USA nicht mehr voll verlassen können. Mit der Rakete von Hypersonica soll die EU bald über ein eigenes System verfügen. Das Unternehmen gibt an, bis 2029 die Entwicklung der Hyperschallrakete abzuschließen. (Quellen: Hypersonica, dpa) (nhi)