Alpenbus & Co.: ÖPNV im Landkreis Miesbach soll weiter Fahrt aufnehmen

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Alpenbus & Co.: ÖPNV im Landkreis Miesbach soll weiter Fahrt aufnehmen

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Wichtiger Schritt zum besseren ÖPNV: Der Alpenbus, hier beim Halt am Bahnhof Gmund, pendelt zwischen Rosenheim und Murnau. © Thomas Plettenberg

Weniger Autos, weniger Staus, mehr Busse: Die Mobilitätsentwicklung am Landratsamt gab nun einen Zwischenstandsbericht zur ÖPNV-Entwicklung im Kreistag ab.

Landkreis – Die Blitzumfrage im Sitzungssaal brachte ein ernüchterndes Ergebnis. Zahlreiche Hände gingen nach oben, als Andrea Ladewig im Kreistag fragte, wer noch nie etwas vom neuen Alpenbus gehört habe. Sie gehörten selbstverständlich nicht den Kreisräten, die das Projekt mit ihren Beschlüssen auf die Straße gesetzt hatten, sondern den Zwölftklässlern der FOS/BOS Holzkirchen, die die Sitzung als Zuhörer verfolgten. Aber auch das sei schlecht, stellte die Leiterin des Fachbereichs Mobilität am Landratsamt bitter fest. Kein Wunder, sind nicht zuletzt junge Leute eine wichtige Zielgruppe der kreisübergreifenden Buslinie.

Ein ungeplantes, aber letztlich doch gutes Beispiel, warum die Nutzung neuer ÖPNV-Angebote oft schleppender anläuft als erhofft: weil am Anfang noch zu wenig Leute wissen, dass es sie überhaupt gibt. Auch deshalb investieren Ladewig und ihre Mitarbeiter Florian Kausch, Frank Skodczinski und Anna Walleitner ihre Ressourcen nicht nur in neue Linien, sondern auch ins Marketing. Warum sich das lohnt und wie es in den kommenden Jahren weitergeht in der Mobilitätsentwicklung, zeigte das Team bei seinem Vortrag im Kreistag.

„Im Anfang war die Tat – und der politische Wille“

„Im Anfang war die Tat – und der politische Wille“, sagte Ladewig mit Blick auf den Haushaltsbeschluss im Jahr 2021, der die Finanzierung von 3,75 Stellen am Landratsamt für dieses Thema freimachte. 34 weitere Beschlüsse im Kreisentwicklungsausschuss und 19 im Kreistag seien seitdem erfolgt, darunter viel Grundlegendes wie etwa der MVV-Beitritt des Landkreises. Für 2026 stehe noch die Integration der Wendelsteinringlinie und der Gästekarten auf der Liste.

Bereits viel Arbeit sei ins Mobilitätskonzept des Landkreises geflossen, dessen 99 Maßnahmen im März öffentlich präsentiert werden, wie Walleitner ankündigte. Ein Jahr später (2027) tritt dann laut Kausch das in der Fortschreibung des Nahverkehrs erarbeitete, neue Liniennetz in Kraft. Fortführen wolle man die 2023 eingeführte Mobilitätswerkstatt als kreative Ideenschmiede. Neun Treffen hätten bereits stattgefunden, weitere sollen folgen. „Spinnen Sie weiter mit uns“, sagte Kausch. Ein wichtiger Hebel bei der Erprobung innovativer Angebote wie etwa autonomes Fahren oder Radvorrangrouten sei auch die Mitarbeit des Landkreises im Projekt „Mobile Zukunft München“.

Längst keine Spinnerei mehr ist das Hoibe-Hoibe-Taxi, das bis Ende 2027 als Übergangslösung für das Anrufsammeltaxi dient. Trotz nach wie vor für den Alltagsgebrauch zu hoher Preise habe sich die Zahl der verkauften Gutscheine mehr als verdoppelt, berichtete Ladewig. Gut angenommen wird laut Kausch auch der Bergbus, der von Mai bis November im Schnitt mit zehn bis 36 Fahrgästen besetzt war. Mittelfristiges Ziel sei, das Angebot in eine reguläre Linie nach Kufstein zu überführen. Vom Kreistag bereits 2024 beschlossen, aber von den Partnern in Tirol nach wie vor nicht abgesegnet, sei derweil die Expressbuslinie Jenbach-Tegernsee. „Da sind wir tatsächlich mal schneller als die Österreicher“, feixte Landrat Olaf von Löwis (CSU). Man hoffe aber, dass die Freigabe aus Tirol bald folge.

Einen Neustart erlebt der Landkreis beim Bikesharing. Das Nachfolgesystem von MVG-Rad wird laut Skodczinski 2026 zunächst in Holzkirchen und Otterfing ausgerollt, weitere Gemeinden könnten 2027 folgen. Nur eins von mehreren Angeboten an den geplanten „Mobilitätspunkten“ an größeren Haltestellen, um auch die „letzte Meile“ autofrei zu bekommen. Mit neuer Beschilderung aufgewertet werden laut Kausch ferner 183 Haltestellen, einige weitere sollen sogar mit digitalen Fahrgastinformationen ausgestattet werden.

Positives Signal für Rufbus in Miesbach und Hausham

Paul Fertl (SPD) wollte noch mehr zum Hoki wissen und fragte, ob die in Miesbach und zuletzt auch in Hausham diskutierte Einführung eines vergleichbaren Rufbus-Angebots aus Sicht des Landratsamtes denkbar wäre. Ladewig bejahte dies. Bereits im Januar werde sich in Miesbach eine Arbeitsgruppe mit dem Thema befassen. Generell warnte Ladewig aber vor zu viel Euphorie für On-Demand-Systeme. „Die sind immer am teuersten.“ Mindestens genauso wichtig sei es – wie im neuen Nahverkehrsplan vorgesehen –, bestehende Linien mit besserer Taktung attraktiver zu machen. Kritik am Alpenbus äußerte Brigitta Regauer (CSU): „Das gesamte Leitzachtal ist ausgeschlossen.“ Dabei hätte sich auf der Strecke nach Rosenheim ein Halt in Hundham durchaus angeboten. Ladewig erklärte, dass die jetzige, im Vergleich zum Leitzachtal schnellere Route den Vorzug bekommen habe, um den Expresscharakter des Busses sicherzustellen.

Um den Alpenbus auch bei den Schülern publik zu machen, teilte das Mobilitätsteam am Ende Flyer mit den Fahrplänen im Sitzungssaal aus – und warb mit Gummibärchen für den großen Mobilitätstag am Freitag, 17. April 2026, am Gymnasium Miesbach.