Kreistag entscheidet über neues Busangebot ab 2027 im Landkreis

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Miesbach
  4. Miesbach

Kommentare

Auch die Linie 356 von Tegernsee über Wallberg nach Kreuth wird neu ausgeschrieben. © THOMAS PLETTENBERG

Wie umfangreich wird das Busangebot ab 2027 im Landkreis sein? Diese Entscheidung fällt Ende Oktober der Kreistag, wenn er auf Basis des Nahverkehrsplans die Neuausschreibung für elf Linien auf den Weg bringt.

Landkreis – Bei den Vorberatungen im Kreisentwicklungsausschuss herrschte ein gemischtes Stimmungsbild. Wie so oft geht es ums Geld – in mehrerlei Hinsicht. Weil die staatliche Finanzierungsstruktur einen wirtschaftlichen Betrieb nicht mehr gewährleistet, gibt die Regionalverkehr Oberbayern GmbH (RVO) sämtliche Konzessionen zurück. Die 16 von ihr betriebenen Buslinien im Landkreis enden zwischen 2025 und Oktober 2027. Der Umstieg von der Eigen- auf die Gemeinwirtschaftlichkeit bietet für den Landkreis aber auch Vorteile. „Die Versorgung erfolgt künftig nach dem Bedarf der Bevölkerung“, erläuterte Mobilitäts-Fachbereichsleiterin Andrea Ladewig vom Landratsamt in der Sitzung. „Bei der Gemeinwirtschaftlichkeit liegt der Fokus auf Verbindungen, die verkehrlich sinnvoll und notwendig sind.“

Auf Basis des im Sommer beschlossenen Nahverkehrsplans hat der Fachbereich unter Federführung von Thomas Uhlmann von MVV Consulting ein Busnetz mit elf Linien erarbeitet. Es gibt vier Varianten, die sich in der Zahl der angebotenen Fahrten und damit bei den Kosten unterscheiden. Der finanzielle Aufwand reicht von jährlich rund 2,8 Millionen Euro (Variante D) bis rund 6,5 Millionen Euro (Variante A). Letztere würde die Vorgaben aus dem Nahverkehrsplan zu fast 100 Prozent erfüllen.

Ans obere oder untere Ende wollte keiner der Kreisräte gehen. Im Fokus standen die Varianten B (rund 5,5 Millionen Euro) und C (rund 4,1 Millionen Euro). Mit dem Verkehrsangebot aus der Variante C würde der Landkreis künftig leicht über dem Status quo liegen. Aktuell werden rund 1,4 Millionen sogenannte Nutzwagenkilometer pro Jahr angeboten, bei Variante C wären es 1,507 Millionen. Variante B liegt mit 2,014 Millionen bereits deutlich höher.

„Wir müssen die Finanzen im Blick behalten“, mahnte Elisabeth Dasch (SPD). „Variante C wäre ein guter Weg, um voranzukommen.“ Man falle nicht unter den Status quo und könne das Angebot später ausweiten, wenn es die finanzielle Situation zulässt. Anastasia Stadler (CSU) pflichtete ihr bei. Variante B sei zwar das, was man den Wählern versprochen habe, aber der Landkreis lege sich bei den höheren Ausgaben für sieben Jahre fest. „Wenn das Angebot nicht angenommen wird, können wir nicht zurückgehen“, argumentierte sie. „Lieber habe ich erst mal den Spatz in der Hand.“

Wolfgang Rzehak (Grüne) wollte das nicht gelten lassen. „Wir sind uns einig, dass der Verkehr eines unserer wichtigsten Themen ist, deshalb müssen wir das Verkehrsproblem auch angehen“, sagte er. Variante B sei ein guter Kompromiss, damit würden immerhin 80 Prozent der Forderungen aus dem Nahverkehrsplan erfüllt. Auch Gmunds Bürgermeister Alfons Besel (FWG) rief dazu auf, mutig voranzugehen. „Angebot schafft Nachfrage“, erinnerte er. „Wenn ich einen unattraktiven Spatz habe, wird er nicht angenommen.“ Variante C liege nahe am Status quo, der Kreis wolle aber deutlich besser werden: „Mobilität ist unser Zukunftsprojekt.“

Unternehmerisch zu denken und die bessere Variante zu nehmen, forderte auch Josef Bogner (FW). Je besser das Angebot sei, desto höher sei auch die Chance, dass es angenommen wird, pflichtete ihm Bernd Mayer-Hubner (Grüne) bei. „Der erste Eindruck bleibt“, warnte er vor einem Fehlstart. Olaf Fries (ÖDP) steuerte als Beispiel einen abendlichen Kinobesuch bei: „Wenn ich hin-, aber nicht mehr zurückkomme, nehme ich gleich das Auto.“

Landrat Olaf von Löwis (CSU) nannte die Argumente beider Seiten hervorragend. „Ich hätte auch lieber Variante B genommen, muss angesichts der Kennzahlen für den Haushalt aber den vorsichtigeren Ansatz wählen“, bekannte er. Unter anderem drohe eine Erhöhung der Bezirksumlage. MVV-Planer Uhlmann erläuterte auf Nachfrage, dass eine spätere Aufstockung des Busangebots um bis zu 30 Prozent wohl möglich sei, eine Reduzierung vertraglich aber schwierig. „Die Unternehmen müssen ja auch kalkulieren.“

Bei der Abstimmung gab es mit 6:6 Stimmen ein Patt, die teurere Variante war damit abgelehnt. Entscheiden muss am 29. Oktober aber ohnehin der Kreistag. „Ich werde“, versprach Löwis, „das heutige Stimmungsbild so weitertragen.“