Der Nahverkehrsplan für den Landkreis Miesbach liegt vor. Er umfasst 208 Seiten und nennt konkrete Maßnahmen, die umgesetzt werden könnten.
Landkreis – Er erläutert auf 208 Seiten den Status Quo des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Landkreis, zeigt dessen Schwachstellen und mögliche Lösungen auf. Rund 11,8 Millionen Euro würde es kosten, alle im Nahverkehrsplan des Landkreises Miesbach vorgeschlagenen Maßnahmen umzusetzen. Das ist aber zunächst gar nicht das Ziel. Vielmehr soll das Papier Leitfaden für die kommenden Jahre sein. Im Kreisentwicklungsausschuss, wo es jetzt vorgestellt und dem Kreistag zur Annahme empfohlen wurde, war von einem „großen Wurf“ die Rede.
23 größere und kleinere Maßnahmen
Eineinhalb Jahre lang hatte die Neuauflage des Nahverkehrsplans die Mobilitätsabteilung am Landratsamt und die MVV Consulting, ein Dienstleister des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds, beschäftigt. Die MVV-Planer analysierten die bestehende Struktur, initiierten eine Haushaltsbefragung, erstellten eine Rahmenkonzeption und entwickelten Vorschläge. 23 größere und kleinere Maßnahmen sind es unterm Strich, angefangen von der Ringlinie Tegernsee über eine bessere Anbindung Irschenbergs, Zubringerbusse zum im Dezember startenden Alpenbus bis hin zu einem On-Demand-System im Leitzachtal.
Busse in den Hauptkorridoren sollen mindestens stündlich fahren
Im Hauptnetz, das die sieben wichtigsten Verkehrskorridore umfasst, sollen die Busse mindestens im Stundentakt fahren, auf der Ringlinie Tegernsee sogar alle 30 Minuten, wie MVV-Mobilitätsberater Lucas Uebbing erläuterte. Dazu gibt es ein sogenanntes Ergänzungsnetz – Buslinien also, die aufs Hauptnetz zulaufen. Beispiel: eine Linie von Rottach-Egern in die Valepp mit Anbindung zum Spitzingsee. Eine Wertung ist mit der Einteilung in Kategorien nicht verbunden. „Haupt- und Ergänzungsnetz haben den gleichen Stellenwert“, betonte Mobilitäts-Fachbereichsleiterin Andreas Ladewig vom Landratsamt in der Sitzung.
Leitfaden für künftigen Busverkehr
Was bedeutet der Nahverkehrsplan nun aber konkret für den Busverkehr im Landkreis? „Es ist ein Leitfaden“, sagte Landrat Olaf von Löwis (CSU). Was umsetzbar ist, gibt der finanzielle Spielraum vor. „Der ÖPNV ist keine Pflichtaufgabe des Landkreises. Wir müssen also von dem leben, was übrig bleibt.“ Das Papier sei aber eine gute Arbeitsgrundlage und berücksichtige die Interessen aller Bevölkerungsgruppen. Von einem „guten Handbuch für die nächste Generation“ sprach Anastasia Stadler (CSU). Man habe da ein „Mega-Projekt auf den Weg gebracht“.
Bedenken hinsichtlich der Finanzierung
Bedenken hinsichtlich der Finanzierbarkeit äußerte Elisabeth Dasch (SPD). „Man kriegt schon Schnappatmung, wenn man sieht, was das kostet“, gestand sie. „In Summe haben wir da eine große Aufgabe zu stemmen – wenn sie überhaupt zu stemmen ist.“ Auch die „höhere Politik“ sei deshalb in Sachen ÖPNV-Ausbau finanziell in der Pflicht. Dasch: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“ Der Nahverkehrsplan dürfe jetzt nicht zum Papiertiger verkommen.
MVV beschäftigt sich bereits mit autonomem Fahren
Limitierender Faktor beim Ausbau des Busangebots könnte auch die angespannte Personalsituation bei den Busfahrern sein. Ob das Thema autonomes Fahren deshalb aktuell schon irgendeine Rolle spiele, wollte Bernd Mayer-Hubner (Grüne) wissen. „Wir beschäftigen uns bereits ganz intensiv damit“, sagte Markus Haller, Prokurist und Bereichsleiter Konzeption beim MVV. So wolle man sich an einem entsprechenden Modellprojekt beteiligen. Vor 2030 sei nicht mit autonom fahrenden Bussen zu rechnen. Haller: „Wir möchten jetzt aber einsteigen in das Thema, damit wir in fünf Jahren die ersten Erfahrungen auf der Straße sammeln können.“
Die Maßnahmen im Überblick
Das Hauptnetz umfasst die sieben wichtigsten Verkehrskorridore und folgende Maßnahmen: 1. Ringlinie Tegernsee; 2. Weißachtal-Kreuth-Wallbergbahn; 3. Schliersee-Fischhausen/Neuhaus-Josefsthal-Spitzingsee; 4. Alpenbus (Bad Tölz-Gmund-Miesbach-Rosenheim); 5. Holzkirchen-Valley-Weyarn-Miesbach-Agatharied; 6. Nord-Süd-Achse (Holzkirchen-Warngau-Gmund); 7. Irschenberg-Miesbach-Wörnsmühl-Fischbachau (-Neuhaus). Das Ergänzungsnetz umfasst folgende Maßnahmen: 8. Ortsbus Rottach-Egern; 9. Gmund-Waakirchen-Bad Tölz (nur Schülerverkehr); 10. Feinerschließung Korridor Alpenbus (Gmund-Ostin-Hausham-Agatharied-Miesbach-Wall-Festenbach-Gmund); 11. Weyarn-Feldkirchen-Westerham-Bruckmühl-Irschenberg-Miesbach; 12. Ortsverkehr Holzkirchen; 13. Stadtbus Miesbach (ggf. gemeinsames Konzept mit Hausham); 14. Holzkirchen-Großhartpenning-Bad Tölz; 15. Holzkirchen-Otterfing-Dietramszell-Bad Tölz; 16. Schülerverkehr Miesbach-Holzkirchen. Maßnahmen im On-Demand-Verkehr: 17. Hoki plus (sonntags bzw. Anbindung Piesenkam und Bahnhof Schaftlach); 18. Anbindung Otterfing an den Flex Dietramszell; 18. Ruftaxi Ost (Leitzachtal); 20. Flex München. Touristisches Ergänzungsnetz: 21. Busverkehr in die Valepp mit Anbindung zum Spitzingsee; 22. Bayrischzell-Ursprungtal-Thiersee-Kufstein; 23. Angebotsausbau Wendelstein-Ringlinie.