Auf Augenhöhe mit Betroffenen: Vater leitet Alleinerziehenden-Treffen in Miesbach

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Oliver Sahnwaldt leitet jetzt auch die Alleinerziehenden-Treffen im Landkreis Miesbach. © Thomas Plettenberg

Oliver Sahnwaldt kennt die Hürden von Alleinerziehenden. Jetzt bietet der Haushamer im Miesbacher Pfarrheim Unterstützung auf Augenhöhe an.

Miesbach/Landkreis – Es gab Zeiten, da fühlte sich Oliver Sahnwaldt (49) wie ein Paradiesvogel. „Ich wurde oft komisch angeschaut, auch bei Behörden“, erzählt der Haushamer, der 2014 aus Berlin in den Landkreis Miesbach gezogen ist. Als „Unikat“ kam er sich jedoch nicht wegen seiner Herkunft vor, sondern aus familiären Gründen: Sahnwaldt ist alleinerziehender Vater. Heute weiß er, dass er bei Weitem nicht allein ist. Weder in seiner Rolle, noch in dem Gefühl, wie die Gesellschaft darauf reagiert. Doch Sahnwaldt geht nun in die Offensive – und hat die Leitung der landkreisweiten Alleinerziehenden-Treffen des Pfarrverbands Miesbach übernommen. Elf Termine im Pfarrheim an der Kolpingstraße sind heuer geplant, der Auftakt findet bereits am kommenden Sonntag, 11. Januar, von 14 bis 16.30 Uhr statt.

Es ist nicht die erste Elterninitiative, die der Haushamer im Landkreis Miesbach startet. Wie berichtet, hat er vor eineinhalb Jahren eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Kindern mit Autismus oder ADHS gegründet. Mittlerweile begleitet Sahnwaldt in der „Systemsprenger-Gruppe“ 65 Familien. Auch bei den Alleinerziehenden geht es ihm ganz bewusst nicht nur um die reine Organisation von Treffen.

Angebot soll niederschwellige Anlaufstelle bei Fragen sein

Auch auf Wunsch der Pfarrei soll das Angebot eine niederschwellige, schnell erreichbare Erstkontakt-/Anlaufstelle für Fragen von Alleinerziehenden sein. Nach dem „Peer-to-Peer“-Prinzip sollen erfahrungsbasierte, lebensnahe Gespräche auf Augenhöhe möglich sein. „Von Betroffenem zu Betroffenem“, erklärt Sahnwaldt. Gerade Männern könnte es helfen, Hemmungen abzubauen, wenn ein alleinerziehender Vater die Gruppe leitet. „Es fällt leichter, sich zu öffnen, wenn man nicht gleich einem Therapeuten oder Sozialberater gegenübersitzt“, betont der Haushamer. Zumal man da oft auf die Schnelle niemanden finde, geschweige denn kurzfristig einen Termin bekomme.

Bedarf gibt es im Landkreis Miesbach jedenfalls genug, weiß der 49-Jährige. „Es gibt viele Alleinerziehende in der Region.“ Gleichzeitig wüssten viele nicht, wohin sie sich bei Fragen wenden sollen. Auch er selbst sei in seiner Verzweiflung damals zunächst zum Jugendamt gegangen, das ihn dann an die Erziehungsberatung verwiesen habe. „Da gab es aber eine lange Wartezeit.“ Die möchte Sahnwaldt den Teilnehmern seiner Treffen, bei denen auch für eine Kinderbetreuung gesorgt ist, zumindest teilweise durch seine gute Vernetzung mit Beratern, Therapeuten und auch Anwälten in diesem Fachgebiet ersparen. Vor allem den Vätern möchte er auch noch etwas anderes ersparen: komische Blicke.