- Der vollständige Artikel von Ahmad Mansour, auf den sich die folgende Kommentar-Analyse bezieht, ist hier verfügbar: "Was ist bei euch los?" Die Welt lacht wegen Berliner Stromausfall über Deutschland
Ein Vorfall mit internationaler Wirkung sorgt für viel Gesprächsstoff: Ein gezielter Angriff legt weite Teile Berlins lahm. Ahmad Mansour ordnet den Stromausfall als Symptom einer größeren Entwicklung ein: das schwindende Vertrauen in die Funktionsfähigkeit und das Image Deutschlands, auch im internationalen Vergleich. In den Lesermeinungen stehen sich zwei große Lager gegenüber: Zum einen wächst der Unmut über politische Fehlentscheidungen und einen wahrgenommenen Verfall der Infrastruktur; die andere Seite hebt technische Herausforderungen und bürokratische Hürden hervor, die solche Krisen oft begleiten. Nicht zuletzt diskutieren viele Leser auch gesellschaftliche Ursachen – von mangelnder Verantwortlichkeit bis zur Radikalisierung politischer Milieus.
Kritik an deutscher Politik
Mit einem Anteil von 54 Prozent macht die Kritik am politischen Handeln und der Führung in Deutschland den größten Teil der Debatte aus. Viele Leser sehen den Berliner Stromausfall als Symbol eines grundlegenden Politikversagens: Sie werfen der Regierung und den etablierten Parteien vor, mit Fehlentscheidungen, fehlendem Fachwissen und mangelnder Konsequenz über Jahre den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Niedergang zu verantworten. Die Diskussion bezieht explizit auch Themen wie Bürokratie, Prioritätenverschiebung, Sozialstaat und Migrationspolitik ein. Besonders deutlich wird das Misstrauen in die politische Elite – viele verbinden den Verlust technischer und gesellschaftlicher Standards in Deutschland direkt mit politischen Fehlentwicklungen, wie im Artikel thematisiert.
"Die Welt lacht nicht nur wegen des Stromausfalls in Berlin über Deutschland. Sie lacht darüber, was aus Deutschland durch linke Politik wurde. Vom Vorzeige-Produktionsstandort zum Absatzmarkt asiatischer Massenprodukte, völlig verunglückte Migrationspolitik, Bildungsstandard eines Drittlandes und, und, und .... Aber Besserwisserei, Oberlehrerhaftigkeit und Arroganz... das können unsere Volksvertreter wie niemand sonst, diesbezüglich werden wir nicht ausgelacht, bestenfalls bemitleidet." Zum Originalkommentar
"Die Zeiten, als Deutschland in vielen Bereichen zum Vorbild weltweit wurde, die sind schon länger Geschichte. Im Vordergrund steht heute, sich politisch und wirtschaftlich zu blamieren." Zum Originalkommentar
"Seltsamerweise habe ich überhaupt nicht den Eindruck, dass mal ein Ruck durch Deutschland geht. Nein, linkes Gefahrenpotential tobt sich weiter aus. Da gibt es keinen Aufschrei aus der Bevölkerung, wenn deswegen 100.000 Menschen tagelang ohne Strom sind. Aber wenn der „schwarze“ Bürgermeister in der Mittagszeit 1 Stunde Tennis spielt, ist die Entrüstung groß." Zum Originalkommentar
Skepsis gegenüber Infrastruktur Sicherheit
Mit einem Anteil von neun Prozent debattiert ein Teil der Nutzer über die strukturelle und technische Sicherheit der Infrastruktur. Viele zeigen sich besorgt, dass Deutschland zu wenig gegen Sabotage und Ausfälle vorbereitet ist – nicht nur in Berlin, sondern bundesweit. Sie diskutieren über marode Leitungen, fehlende Redundanzen und den Zustand der Sicherheitsbehörden. Einige Stimmen sehen die aktuelle Entwicklung jedoch differenzierter: Sie betonen, dass komplexe Technik und notwendige Prüfungen für längere Ausfallzeiten sorgen können, und dass eine sorgfältige Reparatur nachhaltige Sicherheit schafft. Diese Kommentare greifen den im Artikel betonten Vertrauensverlust in die Funktionsfähigkeit großer Versorgungssysteme direkt auf.
"Herr Mansour, die Reparaturdauer der Kabelbrücke als Beleg für den Niedergang Deutschlands zu werten, verkennt die technische Realität. Es ging nicht um simple Drähte, sondern um hunderte hochkomplexe Glasfaserleitungen verschiedener Betreiber auf engstem Raum. Jede einzelne Faser musste in akribischer Präzisionsarbeit identifiziert, gespleißt und zertifiziert werden – ein digitaler Eingriff am offenen Herzen. Dass zudem polizeiliche Ermittlungen und statische Prüfungen Vorrang hatten, ist ein Zeichen von Rechtsstaatlichkeit und Sicherheit, nicht von Unfähigkeit. Deutschland priorisiert hier nachhaltige Qualität und Netzstabilität vor riskantem Aktionismus. Diese Gründlichkeit sichert unsere Infrastruktur langfristig und beweist, dass technisches Know-how und Prozesssicherheit weiterhin bestehen." Zum Originalkommentar
"Es wundert schon etwas, dass eine Leitung, die ausfällt, ganze Stadtteile komplett stromlos macht. Ich dachte immer, dass in so einem Fall andere Stromleitungen die Versorgung binnen kürzester Zeit übernehmen. Ist das in Berlin die große Ausnahme oder ist das auch in anderen Städten so möglich?" Zum Originalkommentar
"Es gab in der Vergangenheit in Berlin bereits eine ganze Serie ähnlicher Anschläge. Der letzte, erstaunlich ähnliche Vorfall mit ebenso ähnlichen Folgen ist gerade mal 3 Monate her. Da wurde gezielt der Technologiepark Adlershof angegriffen. Ebenfalls die Hochspannungsleitungen, ein sehr ähnliches Bekennerschreiben und ein tagelanger weiträumiger Stromausfall. Die Sicherheit der Versorgung muss in Berlin erhöht werden. Das ist eine Aufgabe, die man nicht auf dem Tennisplatz angehen sollte." Zum Originalkommentar
"Wer kann, sollte vorsorgen. Inselnetzfähige Solaranlage mit Batteriespeicher und Notstromaggregat. Stromnetz entsprechend anpassen. Kostet zwar, aber anders wird es wohl nichts mehr mit innerer Sicherheit in absehbarer Zeit." Zum Originalkommentar
Kritik an gesellschaftlicher Entwicklung
Neun Prozent der Stimmen beschäftigen sich mit der gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Diese Meinungen richten den Blick auf veränderte Werte, soziale Spannungen und politische Radikalisierung – Themen, die im Artikel teils nur angerissen werden. Kommentierende berichten, dass Kriminalität und Extremismus den Alltag zunehmend prägen und sehen die Politik in der Verantwortung, härter gegen destruktive Gruppen durchzugreifen. Es kommt auch Kritik an einem fehlenden gesellschaftlichen Zusammenhalt und an einer nachlassenden Verantwortungsgemeinschaft zum Ausdruck. Die Verbindung zwischen technischer Störanfälligkeit und gesellschaftlicher Entwicklung wird vielfach betont.
"Ich warte in meiner Stadt, Leipzig, darauf, dass sich ein derartiger Akt der Sabotage hier ereignet. Als Neu-Leipziger waren wir erschrocken über die Zustände im Süden Leipzigs, das von den Linken beherrscht wird. Katastrophale Zustände, unbeschreiblich, kann hier gar nicht alles aufgezählt werden. Und dann die ständigen Auseinandersetzungen mit der Polizei, jede Woche brennt irgendwo ein Auto, ständig brennt irgendwo ein Keller, die vielgepriesenen schönen Parks kann man nicht nutzen, weil dort viel Kriminalität stattfindet. Dauernd wird gegen die Rechten gestänkert, diese seien die Staatsfeinde, aber nach meiner Wahrnehmung beeinträchtigen die Linken unser Leben / unseren Alltag bei Weitem mehr als die Rechten. Haben die Rechten schon mal einen derart großflächigen Blackout verursacht?" Zum Originalkommentar
"Eine Grün/Rote Terrorgruppe ist seit 2011 unterwegs. Die Erkenntnisse des Verfassungsschutzes passen auf eine halbe DIN A4-Seite." Zum Originalkommentar
"Die lachen zurecht. Unsere Strafen sind gegen solche Aktivisten, egal ob links oder rechts, lächerlich. Die wissen genau, dass ihnen im Falle einer Verhaftung nichts Schlimmeres passiert. Deshalb lacht die Welt über uns - zurecht." Zum Originalkommentar
Sarkasmus zur politischen Führung
Neun Prozent der Kommentare fallen durch ihren Sarkasmus und Ironie bezüglich der politischen Führung auf. Nutzer machen sich über die als abgehoben empfundene Politik und das Krisenmanagement lustig, insbesondere durch Seitenhiebe auf einzelne Politiker oder die ständige Suche nach Schuldigen. Der Humor unterstreicht eine tiefe Frustration – in Anlehnung an die im Artikel geäußerte Kritik an mangelnder Sichtbarkeit und Kompetenz im staatlichen Handeln.
"Der Chef der Stadt geht lieber Tennis spielen. Das ist das Problem." Zum Originalkommentar
"Das hätte die Berliner sicher gerettet, wenn der Bürgermeister eine Ortsbegehung im Dunkeln vorgenommen hätte. Aber Spaß beiseite, mittlerweile sollte jedem Politiker (seit den diversen Überschwemmungen) klar sein, dass egal was dabei rauskommt, man immer sofort vor Ort mit möglichst vielen Kameras sein muss (und man möglichst nicht dabei erwischt werden sollte, wenn man über einen Witz lacht in der Situation). Aber gut, dass die Medien jetzt einen Aufreger haben, wäre ja verrückt, wenn man was darüber schreiben würde, dass das eigentliche Problem in diesem Land eher von links kommt." Zum Originalkommentar
"Festzuhalten bleibt: Mit Deutschland geht es seit etwa 15 Jahren bergab. Eine Änderung der Talfahrt ist nicht in Sicht, die Politik hat abgewirtschaftet. Die Regierung spielt Tennis zur Erholung, während die Opfer des Terroranschlags im Dunkeln frieren. Das steht stellvertretend für unsere Elite, für "Made in Germany"." Zum Originalkommentar
Kritik an Infrastruktur und Verwaltung
Mit sechs Prozent liegt der Fokus dieses Lagers auf den praktischen Problemen der Infrastruktur und den Hindernissen der Verwaltung. Nutzer beschreiben langwierige, wenig effiziente Verwaltungsprozesse, den Zustand öffentlicher Anlagen und Schwierigkeiten bei Alltagsdingen wie Passbeantragung. Einige verteidigen die Komplexität der Systeme, die strengen Anforderungen an Sicherheit und Technik. Die Leser nehmen somit Aspekte auf, die auch im Artikel als Teil des Vertrauensverlusts in Verwaltung und Effizienz benannt werden.
"Das Erste, was gemacht wurde, war, erstmal die Zuständigkeit zu prüfen, die wiederum die Zuständigkeit der Zuständigkeitsbehörde prüft usw. Am Ende der Kette ist dann ein Subunternehmen, das den Job für die Hälfte macht." Zum Originalkommentar
"Das Einzige, was in Deutschland noch funktioniert, ist der Sozialstaat und das Asylsystem. Dafür ist auch unbegrenzt Geld da. Setz einfache Dinge wie ein Reisepass beantragen, dauert bei mir in der Stadt sechs Wochen, bis man einen Termin bekommt. Und wenn der Ausweis dann da ist, muss man noch mal sechs Wochen auf einen Termin zum Abholen warten. Dazu komplett marode Infrastruktur, Schlaglöcher an allen Ecken und Enden. Man könnte denken, für höchste Steuern und Abgaben lebt man im Paradies, aber man weiß ja, wo seit 2015 das ganze Geld hingeht. Hätte man dann wenigstens dankbare Menschen ins Land geholt, die glücklich sind, dass sie hier sein dürfen, dann wäre das ein kleiner Trost. Aber die Kriminalstatistik spricht hier leider eine andere Sprache. Fazit: Deutschland hat fertig." Zum Originalkommentar
"Man sollte mal überlegen, das Fachpersonal in der Politik im Ausland anzuwerben. Auch so eine Rentenkommission sollte besetzt werden mit Experten aus Norwegen, den Niederlanden, Israel oder Österreich. Dann kommt vielleicht nicht immer nur Stümperei oder das große Nichts dabei heraus." Zum Originalkommentar
Sonstige Kommentare
Die übrigen Kommentare (13 Prozent) können keinem Hauptthema eindeutig zugesprochen werden. Diese Beiträge mischen ironische Bemerkungen, persönliche Erlebnisse und lose Gedankensprünge. Sie spiegeln teils den resignierten Grundton der großen Debatte wider, liefern aber selten konkrete Lösungsvorschläge oder klare Kritik. Derartige Stimmen begleiten jede Diskussion als Stimmungsbarometer und zeigen, wie vielfältig und heterogen die Wahrnehmungen eines solchen gesellschaftlichen Ereignisses sind.
"Das war doch ein Anschlag. Dafür kann die Stadt doch nichts. Sorry." Zum Originalkommentar
"Ich kaufe schon lange kein(e) Made(n) in Germany mehr. Teuer und minderwertige Qualität, die von BWLern unter Kostendruck zusammengespart wurde." Zum Originalkommentar
Der Berliner Stromausfall hat weltweit Spott ausgelöst und hierzulande eine kontroverse Debatte entfacht. Liegt das eigentliche Problem in der Politik, der Verwaltung, gesellschaftlichen Entwicklungen – oder macht Deutschland am Ende nur das Gleiche durch wie andere westliche Länder?