Der Winter hat Deutschland fest im Griff. Autofahrer kämpfen sich über glatte Straßen oder durch dichtes Schneetreiben. Heizung und Klimaanlage sind dabei im Dauereinsatz - und das erhöht den Verbrauch. Elektroautos sind dabei im Nachteil, denn bei Ihnen fällt das Verbrauchs-Plus besonders hoch aus:
- Bei Minusgraden steigt der Energieverbrauch eines E-Autos stark an. Je niedriger die Temperatur und je größer der Akku, desto mehr Energie muss in Wärme umgewandelt werden. Konventionelle Autos können einfach die Abwärme des Verbrennungsmotors zum Heizen des Innenraums nutzen - und sie benötigen auch keine Batterieheizung; die Stromer schon. Der ADAC hat in einem Elektroauto-Vergleich einen durchschnittlichen Mehrverbrauch von 70 Prozent bei Kurzstrecken und Minusgraden gemessen (bei Verbrennern sind es nur rund 15 Prozent). "Erst bei Temperaturen zwischen 20 und 40°C kann der Akku seine volle Leistung entfalten. Ist er im Winter ausgekühlt, benötigt es viel Energie, um die mehrere Kilogramm schwere Batterie in diesen Temperaturbereich zu bringen", erklärt der Energieversorger und Ladesäulen-Anbieter EnBW.
- Auch das Aufladen dauert im Winter länger. "Das kann durchaus dazu führen, dass ein Stromer mit einer maximalen Ladeleistung von 200 kW bei frostigen Temperaturen nur mit 50 kW laden kann. Die Ladeleistung wird in dem Fall durch das Batteriemanagementsystem (BMS) heruntergefahren, um die Akkuzellen zu schonen", heißt es bei EnBW.
E-Autos mit Reichweiten-Problem im Winter
Die Technik verbessert sich zwar, viele Stromer haben heute eine Wärmepumpe an Bord. Noch vor rund 10 Jahren waren E-Autos im Winter nur mit erheblichen Einschränkungen nutzbar, das ist heute nicht mehr so. Doch die stark sinkende Reichweite im Winter bleibt ein Manko. FOCUS online zeigt E-Autos mit besonders schlechter und vergleichsweise guter Winter-Tauglichkeit.
1. Die größten Schlappschwanz-Stromer
VW ID.5
Im ADAC-Test bei minus 7 Grad erhöhte sich der Verbrauch des Elektro-VWs um satte 107 Prozent, die Reichweite halbierte sich geradezu.
Tesla Model 3
28,5 statt 16,5 kWh auf 100 km bedeuten beim Model 3 einen Mehrverbrauch von immerhin 73 Prozent.
Peugeot e-208
Der Peugeot e-208 ist ein schnittiger Kleinwagen, doch mit seinem gerade einmal 54 kWh großen Batteriepaket und einer Normreichweite von unter 350 Kilometern kann es im Winter schon einmal eng werden. Unter null Grad Celsius schafft der französische Fronttriebler kaum mehr als 200 Kilometer bis zum Ladestopp.
Fiat 500 Elektro
Der Fiat 500 ist als Verbrenner und als Elektroversion einer der erfolgreichsten Kleinwagen. Schon im Sommer reicht es aber nur für etwa 320 Kilometer, ehe mit müden 85 kW Ladeleistung nachgetankt werden kann. Bei unter null Grad Celsius schafft der schicke Italiener mit vollem Akku nicht einmal 200 Kilometer.
Leapmotor T03
Der Leapmotor T03 ist mit einem Preis von 18.990 Euro eine der günstigsten Möglichkeiten, elektrisch mit vier Rädern unterwegs zu sein. Doch das 37 kWh große Batteriepaket sorgt dafür, dass die in Aussicht gestellte Reichweite von 265 Kilometern für den 70 kW / 95 PS starken Kleinwagen bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt in weiter Ferne liegt. Mehr als 150 Kilometer sind bei einem vollen Batteriepaket kaum zu fahren.
Dacia Spring
Noch günstiger als der Leapmotor T03 ist der Dacia Spring, denn es geht elektrisch angetrieben für knapp 17.000 Euro los. Doch selbst mit vollem 24-kWh-Akkupaket schafft der Dacia Spring gerade einmal 225 Kilometer im WLTP-Zyklus. Wenn es kalt wird, kratzt das Billigmodell schnell an der 100-km-Marke. Ärgerlicher denn je, weil durch das Ladegerät an Bord nur einphasig mit 3,7 kW nachgeladen werden kann.
2. Die Reichweiten-Könige
Eine größere Akkukapazität, aber auch Fortschritte bei der Effizienz und dem Batterie-Management lassen neuere E-Autos schon deutlich wintertauglicher werden.
Mercedes CLA 350 4matic EQ
Das neue Mittelklassemodell bietet nicht nur Allradantrieb und 260 kW / 354 PS, sondern mit seinem 85-kWh-Akku auch eine Reichweite von 770 Kilometern. Selbst wenn es eisig wird, sollten mehr als 450 Kilometer möglich sein und nachgeladen werden kann mit schneller 800-Volt-Technik. Das Winter-Geheimnis der Schwaben: Statt einer klassischen Wärmepumpe setzt Mercedes beim CLA auf eine Multi-Source-Wärmepumpe, die verschiedene Quellen nutzt, um den Innenraum möglichst schnell zu erwärmen und die dazu nur ein Drittel der Energie eines konventionellen elektrischen Zuheizers benötigt. Preis: ab ca. 60.000 Euro.
VW ID7 Pro S
Der VW ID 7 ist aktuell der Reichweitenkönig aus Wolfsburg. Der ID7 Pro S mit seinem 210 kW / 286 PS starken Elektromotor schafft dank 86 kWh großer Batterie bis zu 708 Kilometer mit einer Akkuladung. Auch wenn nur mit mittelmäßiger Ladegeschwindigkeit nachgetankt werden kann, dürften selbst bei kalten Temperaturen mehr als 400 Kilometer drin sein, ehe es wieder an Stecker geht. Preis: ab ca. 59.000 Euro.
Skoda Elroq 85x
Der Preis des Elektroeinsteigers von Skoda liegt in der Kombination aus Allradantrieb und 82-kWh-Batterie bei 51.000 Euro. Dafür gibt es 210 kW / 286 PS und eine maximale Reichweite von 531 Kilometern. Selbst bei Temperaturen unter null Grad Celsius sind 300 Kilometer allemal machbar.
Hyundai Ioniq 9
Das Topmodell aus dem Hause Hyundai bietet nicht nur viel Platz und jeden nur erdenklichen Komfort, sondern auch Allradantrieb, 315 kW / 428 PS und dank 110 kWh großer Batterie ab 85.900 Euro eine maximale Reichweite von 600 Kilometer, ehe mit 800-Volt-Bordnetz eilig nachgeladen werden kann. Selbst wenn es kalt wird, sind 400 Kilometer oder mehr mit vollem Akku möglich.
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