Politik-Experte warnt wegen Grönland: "Müssen Trump endlich ernst nehmen"

Nach dem Angriff auf Venezuela wächst die Angst, dass die USA auch Grönland angreifen könnten und sich mit Gewalt das nehmen, was der US-Präsident haben will. Für Donald Trump ist es eine „absolute Notwendigkeit“, Grönland zu annektieren. Das hatte er schon 2020 erwähnt. Bis heute lässt er von dieser Idee nicht los. Dass das zu Dänemark gehörende Grönland zu den USA gehören soll, betont nun auch Trumps Stabschef Stephen Miller.

„Wenn die USA ein anderes Nato-Land angreifen, dann war’s das. Dann ist es vorbei mit den demokratischen Spielregeln. Alles fällt in sich zusammen“, sagte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen Medienberichten zufolge. Doch was würde mit der Nato passieren, wenn die USA Grönland tatsächlich einnehmen?

USA, Grönland und Nato: Droht ein Bündnisbruch?

Ein Szenario entwickelte Gerald Knaus, Sozialwissenschaftler und Migrationsforscher aus Österreich sowie Mitgründer und Vorsitzender der Denkfabrik Europäische Stabilitätsinitiative. Schon Ende letzten Jahres teilte er auf der Plattform „X“ seine Einschätzung für das Jahr 2026.

„Die USA treten nicht aus der Nato aus, provozieren aber die Europäer dazu, sie aufzulösen“, schreibt Knaus in seinem Beitrag und schätzt ein solches Szenario als „erschreckend plausibel“ ein. Im Interview mit dem Bayrischen Rundfunk (BR2) erklärt Knaus weiter, dass die amerikanische Regierung alle Institutionen angreife, die nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut wurden. Dass die USA Europa drohen und ihre Macht ausnutzen, sei in den letzten Jahrzehnten in den Beziehungen zwischen Europa und den USA undenkbar gewesen, so Knaus.

Donald Trump und die Zukunft der Nato

Würden die Drohungen der USA wahr, „dann ist die Nato als glaubwürdigstes und erfolgreichstes Verteidigungsbündnis der Geschichte selbst Teil der Geschichte“, sagt Knaus.

Schließlich wäre dann nicht mehr glaubwürdig, dass sich die USA an den Artikel 5 des Nordatlantikvertrags halten. Darin heißt es: „Die Vertragsparteien sind sich einig, dass ein bewaffneter Angriff auf einen oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als Angriff auf alle betrachtet wird. (…) Falls ein solcher bewaffneter Angriff stattfindet, (hat) jeder von ihnen (das) Recht auf individuelle oder kollektive Selbstverteidigung. (…) betroffene Partei (wird) unterstützt, (…) einschließlich des Einsatzes bewaffneter Gewalt, um die Sicherheit des Nordatlantikgebiets wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten.“ 

Artikel 5 und die Glaubwürdigkeit des Verteidigungsbündnisses

Wie Frederiksen warnt auch Knaus: „Also ich glaube, wir müssen endlich ernst nehmen, was das Weiße Haus oder Donald Trump als Agenda hat.“ Die USA würden sich als Großmacht betrachten. „Und eine Großmacht nimmt sich das Recht und diese Weltsicht, das zu tun, was sie will“, sagt Knaus. 

Ganz anders bewertet Sicherheitsexpertin Claudia Major die Lage. Im Podcast mit „Bild“-Vize Paul Ronzheimer erklärte sie: „Aus Sicht der Amerikaner ist die Nato ein nützliches Instrument, um Druck auf die Europäer auszuüben, weil wir Europäer sicherheitspolitisch von den Amerikanern abhängig sind. Wenn man dieses Instrument Nato zerstört, beispielsweise durch eine Aktion in Grönland, fällt damit auch dieses Druckmittel weg, das die Amerikaner ziemlich gut eingesetzt haben.“

Sicherheitsexperten über Macht und Abhängigkeit in der Nato

Als Beispiel nennt die Politikwissenschaftlerin, dass die USA erfolgreich ein 5-Prozent-Ziel für die Verteidigungs-Ausgaben der Mitgliedsländer durchsetzen konnten. Das sei vor allem aus der europäischen Sorge heraus geschehen, dass die Amerikaner das Bündnis aufkündigen könnten.