"Die Welt der Diplomatie ist in die Luft geflogen": Presseschau zum US-Angriff

"New York Times" (USA)

"Nur wenige Menschen werden Mitleid mit Maduro empfinden. Wenn es jedoch eine übergeordnete Lehre aus der amerikanischen Außenpolitik des vergangenen Jahrhunderts gibt, dann ist es die, dass der Versuch, selbst das verabscheuungswürdigste Regime zu stürzen, die Lage noch verschlimmern kann. Er treibt unser Land ohne triftige Gründe in eine internationale Krise."

Nicolas Maduro an Bord der USS Iwo Jima.
Nicolas Maduro an Bord der USS Iwo Jima. Donald Trump

"NZZ am Sonntag" (Schweiz):

"Trump hat nach dem Militärschlag die vorübergehende Übernahme Venezuelas durch die USA angekündigt. Das ist eine enorme Ansage. Die USA wollen wieder gleichsam Kolonialmacht in der westlichen Hemisphäre sein. 

Ohne Zweifel: Maduros Sturz ist eine Befreiung für die Venezolaner und ein großer persönlicher Erfolg für Trump. Endlich zeigte er sich als Präsident, der kein Risiko scheut und militärische Gewalt anwendet. Kein Trump, der groß redet und am Ende wieder einen Rückzieher macht. Vieles hätte schiefgehen ­können in den frühen Morgenstunden in Caracas. Trump und sein Spezialkommando hatten Glück. Doch die Botschaft an die Welt ist fatal: Internationales Recht gilt nicht mehr."

"La Vanguardia" (Spanien):

"Machen wir uns nichts vor. Die Welt der Diplomatie, der internationalen Abkommen, der UN, der rechtlichen Sicherheiten ... alles, was nach dem Zweiten Weltkrieg Schritt für Schritt aufgebaut wurde, ist in die Luft geflogen. Die neue internationale Ordnung wird vom Recht des Stärkeren bestimmt. 

Was Trumps Vorgehen jedoch antreibt, ist die wirtschaftliche und strategische Bedeutung Venezuelas. Der republikanische Präsident machte das gestern unmissverständlich klar (...) Venezuela ist das Land mit den größten Erdölreserven der Welt - dazu kommt Lithium, ein weiterer Rohstoff, auf den die Großmächte scharf sind. (...)."

US-Präsident Donald Trump nach der Pressekonferenz zur Festnahme von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro.
US-Präsident Donald Trump nach der Pressekonferenz zur Festnahme von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro. dpa

"El Universal" (Mexiko)

"Es ist ein historischer Moment. Der Sturz des Regimes könnte die Tür zurück in eine Demokratie öffnen und einen Dominoeffekt auslösen, der sogar die kubanische Diktatur erreicht. Doch damit dieser Moment wirklich zu einer besseren Zukunft führt, muss die US-Regierung ihre schlimmsten Impulse zügeln. Wenn Präsident Trump erklärt, die Vereinigten Staaten wollten Venezuela regieren und amerikanische Ölkonzerne würden dort viel Geld verdienen, dann werden Erinnerungen an dunkle Kapitel der Geschichte wach." 

"The Observer" (England)

"Dies war das deutlichste Signal der US-Regierung, dass sie das Grundprinzip der Nachkriegsordnung aufgegeben hat, wonach unabhängige, souveräne Nationen gemäß dem Völkerrecht bestimmte gleiche Rechte genießen. Das Team Trump hat stattdessen klargemacht, dass Macht gleich Recht ist. (…). Dadurch werden die USA nun wahrscheinlich mehr gefürchtet, aber weniger respektiert. Sie üben ihre Macht als Tyrann aus, nicht als Führungsnation. Die Enthauptung der venezolanischen Regierung wird von Wladimir Putin als implizite Billigung seines Krieges gegen die Ukraine interpretiert werden und von Xi Jinping als Einladung zum Angriff auf Taiwan."
 

Venezuela
Brände im Fuerte Tiuna, dem größten Militärkomplex Venezuelas, sind nach einer Serie von Explosionen am 3. Januar 2026 in Caracas aus der Ferne zu sehen. Getty

"The Telegraph" (England)

"Trumps Worte zur Übernahme der Macht und sein offensichtlicher Wunsch, sich Ressourcen anzueignen, sind ein deutlicher Hinweis auf eine andere Logik: Macht geht vor Recht, und das System von Einflusssphären kehrt zurück. Dies ist eine deutliche Abkehr von den höflichen Fiktionen der Nachkriegsordnung, in der eine Drohung mit Zwangsmaßnahmen seitens der USA eher verschleiert und die Regierung dementsprechend zurückhaltender war und in der eine einzige Hegemonialmacht ihren Willen noch auf diese Weise weltweit durchsetzen konnte.»

"The Sunday Times" (England)

"US-Präsident Donald Trump oder sein Außenminister Marco Rubio werden bald erklären müssen, wie verhindert werden soll, dass Venezuela zu einer weiteren langwierigen und kostspieligen amerikanischen Expedition im Ausland wird. Doch trotz solcher unmittelbaren Sorgen wird niemand Maduro nachtrauern. Er war ein Tyrann, ein korrupter Führer, der seine Bürger terrorisierte und sein Land in immer tiefere Armut stürzte. Er war am Drogenhandel beteiligt und brachte Tausenden Menschen Leid und Armut. Selbst diejenigen, die die Art und Weise, wie er abgesetzt wurde, kritisieren, können sich damit trösten, dass er endlich für seine Verbrechen vor Gericht gestellt wird. Andere autoritäre Regime werden die Ereignisse des Wochenendes mit Sorge betrachten – allen voran der Iran. 

Soldaten bewachen die Gegend um den Präsidentenpalast Miraflores, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren.
Soldaten bewachen die Gegend um den Präsidentenpalast Miraflores, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren. Cristian Hernandez/AP/dpa

"Teheran Times" (Iran)

"Indem die Regierung in Washington das Völkerrecht umgeht und einen amtierenden Präsidenten festnimmt, verbreitet sie Instabilität in ganz Lateinamerika. Die USA untergraben die Prinzipien von Souveränität und Selbstbestimmung. Dabei sind ihre Ziele klar: Regimewechsel, Auflösung des unabhängigen politischen Systems in Venezuela und Sicherung der Kontrolle über die riesigen Ölreserven im Land."