Technologieexpertin: "KI wird Klempner oder einen Elektriker, dazu bringen, mehr Geld zu verdienen"

Künstliche Intelligenz verändert den Arbeitsmarkt rasant – doch nicht alle Berufe sind gleichermaßen bedroht. Während internationale Organisationen vor Millionen wegfallender Jobs warnen, sieht die Technologieexpertin Stella Luna de María auch klare Gewinner. Gegenüber dem spanischen Radiosender „Cope“ erklärt sie, warum gerade manuelle Berufe in Zukunft an Wert gewinnen könnten.

Automatisierung trifft vor allem Büro- und Einstiegsjobs

Laut de María sind vor allem Tätigkeiten gefährdet, die sich leicht automatisieren lassen. Dazu zählen viele Büro-, Verwaltungs- und Assistenzjobs sowie Übersetzungen oder einfache Programmieraufgaben. Besonders betroffen seien Einstiegspositionen: Aufgaben, die früher Praktikanten oder Berufseinsteiger erledigten, würden heute zunehmend von KI-Systemen übernommen, berichtet „Cope“.

Die Expertin warnt vor einem Nebeneffekt dieser Entwicklung. Wenn einfache Tätigkeiten wegfallen, werde es für junge Menschen schwieriger, erste Berufserfahrung zu sammeln. Ein Beispiel sei die Übersetzung einfacher Gespräche, die Maschinen inzwischen oft schneller und günstiger erledigten als Menschen, so de María gegenüber „Cope“.

Handwerksberufe wie Klempner oder Elektriker gelten als schwer automatisierbar.
Handwerksberufe wie Klempner oder Elektriker gelten als schwer automatisierbar. (Symbolfoto) IMAGO

Warum Handwerksberufe an Wert gewinnen

Gleichzeitig sieht de María große Chancen für Berufe, die nicht automatisierbar sind. „KI wird diejenigen, die manuelle Jobs haben, wie einen Klempner oder einen Elektriker, dazu bringen, mehr Geld zu verdienen, weil künstliche Intelligenz eine Rohrleitung nicht reparieren kann“, sagt sie im Gespräch mit „Cope“.

Am Ende gehe es nicht darum, KI zu stoppen, sondern sich anzupassen, betont die Expertin bei „Cope“. Künstliche Intelligenz verändere die Regeln des Arbeitsmarkts, schaffe aber auch neue Chancen – und sorge paradoxerweise dafür, dass lange unterschätzte Berufe wieder an Bedeutung und Einkommen gewinnen.

Angst vor KI im Job: Warum viele Beschäftigte Wissen zurückhalten

Während manche Berufe durch Künstliche Intelligenz an Wert gewinnen könnten, sorgt der technologische Wandel bei vielen Beschäftigten für Verunsicherung. Studien zeigen, dass die Sorge vor Jobverlust den Arbeitsalltag bereits spürbar verändert – besonders in wissensbasierten Berufen.

So ergab eine Untersuchung des Technologieberaters Adaptavist, dass mehr als ein Drittel der sogenannten Knowledge Worker in Deutschland Fähigkeiten bewusst zurückhält, um ihre Position im Unternehmen zu sichern. Experten warnen, dass diese Entwicklung den Wissensaustausch hemmt und langfristig sowohl Innovation als auch Weiterbildung in Unternehmen ausbremst.