Im weiter andauernden Grönland-Konflikt droht Donald Trump mit massiven Zöllen gegen Europa. Dänemark kontert dies, Emmanuel Macron greift zum Sprachbild.
Davos/Kopenhagen/Nuuk – Eltern werden es nur zu gut kennen: Bekommt das zumeist kleine Kind nicht das, was es gerne haben möchte, wird es laut und quängelt. Damit die Eltern ihr Nervenkostüm nicht vollends strapazieren, geben sie irgendwann klein bei und kommen dem Wunsch des Sohnes oder der Tochter nach.
Eine Strategie, die auch Donald Trump zu verfolgen scheint. Der US-Präsident schielt unverändert auf Grönland und will die Arktis-Insel den USA einverleiben. Um diesem Vorhaben Nachdruck zu verleihen, wird auch Trump laut – und droht mit massiven Zöllen gegenüber Deutschland und anderen europäischen Ländern. Die wiederum setzen sich verbal zur Wehr. Allen voran Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.
„Mächtiges Instrument“: Macron fordert Einsatz von „Handels-Bazooka“ gegen Trumps Zoll-Drohungen
Mit Blick auf die Zollandrohungen von US-Präsident Donald Trump im Grönland-Konflikt pochte Macron darauf, das EU-Gesetz zur Abwehr wirtschaftlicher Nötigung – die sogenannte „Handels-Bazooka“ – als „mächtiges Instrument“ einzusetzen. Auf dem Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos warf Frankreichs Präsident den USA im Grönland-Konflikt „Kolonialismus“ und eine versuchte Schwächung Europas vor.
Konkret sprach Macron von einer „Konkurrenz aus den Vereinigten Staaten durch Handelsabkommen, die unsere Exportinteressen untergraben, maximale Zugeständnisse verlangen und offen darauf abzielen, Europa zu schwächen und zu unterwerfen, verbunden mit einer endlosen Anhäufung neuer Zölle, die grundsätzlich inakzeptabel sind, umso mehr, wenn sie als Druckmittel gegen die territoriale Souveränität eingesetzt werden“.
„Dazu sind wir gezwungen“: Wie Dänemark auf Trumps Grönland- und Zoll-Pläne reagiert
Für den 48-Jährigen würde es „keinen Sinn“ machen, „einen neuen kolonialistischen Ansatz zu akzeptieren“. Das wusste Macron wie folgt auszuführen: „Angesichts der Brutalisierung der Welt müssen Frankreich und Europa einen wirksamen Multilateralismus verteidigen, weil er unseren Interessen und denen aller dient, die sich der Herrschaft der Gewalt nicht unterwerfen wollen“.
Auf Reaktionen aus der europäischen Staatengemeinschaft setzen auch Dänemark und Grönland. Die Regierungschefs des nordeuropäischen Landes und der Arktis-Insel kündigten gegen die von den USA angekündigten Zölle auf Waren aus Deutschland und anderen europäischen Ländern Widerstand an. „Europa muss antworten. Dazu sind wir gezwungen“, hieß es von Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen im Parlament in Kopenhagen. „Niemand in Europa wünscht sich das, aber es ist das Richtige“, so Frederiksen.
Trumps Allmachtfantasien mit Grönland: Regierungschef Nielsen „auf alles vorbereitet“
Zur Hintergrund: US-Präsident Donald Trump will das zu Dänemark gehörende Grönland mit allen Mitteln in seinen Besitz bringen. Als Reaktion auf die Solidarität europäischer Nato-Länder mit Dänemark und Grönland hatte er angekündigt, ab dem 1. Februar Strafzölle zu verhängen, um den Widerstand gegen einen Verkauf der Insel an die USA zu brechen.
Dänemark habe nie einen Konflikt gesucht und werde nun trotzdem von seinem engsten Verbündeten bedroht, sagte Frederiksen mit Blick auf die USA. Ein Handelskrieg werde Arbeitsplätze auf beiden Seiten des Atlantiks kosten. „Das Schlimmste liegt vielleicht noch vor uns“, so die Regierungschefin weiter. Fundamentale Werte wie Souveränität, Identität, Grenzen und Demokratie seien für Dänemark nicht verhandelbar.
Kurz darauf, im Rahmen einer Pressekonferenz, ließ der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen verlauten, dass es nicht wahrscheinlich sei, dass die USA zum Erreichen ihrer Ziele von militärischer Gewalt Gebrauch machen würden. „Aber wir müssen auf alles vorbereitet sein“, fügte Nielsen an. Das gelte nicht nur für Grönland und die Nato-Partner, sondern auch für die Bevölkerung, so der Regierungschef der Arktis-Insel. (Quellen: dpa) (han)