Entlastung für Millionen Deutsche: Strompreise sinken – bleiben aber europaweit hoch

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Entlastung für Millionen Deutsche: Strompreise sinken – bleiben aber europaweit hoch

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Erstmals seit der Energiekrise sind die Strompreise für deutsche Haushalte wieder spürbar gesunken. Doch die Entwicklung ist komplexer, als es zunächst scheint.

Nach Jahren steigender Stromrechnungen können Verbraucher etwas aufatmen. Strom wird billiger. Laut der aktuellen Strompreisanalyse des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ist der durchschnittliche Strompreis für Haushalte im Januar 2026 auf 37,2 Cent pro Kilowattstunde gesunken – eine Entlastung gegenüber dem Vorjahr, als Verbraucher noch mit Preisen von über 40 Cent kämpften.

Die Stromkosten in Deutschland liegen im Europa-Vergleich ganz oben – sind zuletzt allerdings gesunken. © picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte/Ippen.Media (Montage)

Der Hauptgrund für diese Entwicklung liegt in den gesunkenen Netzentgelten. Sie sind von zuvor rund elf Cent auf jetzt durchschnittlich 9,3 Cent pro Kilowattstunde zurückgegangen. Möglich macht das ein Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro zu den Übertragungsnetzentgelten, mit dem die Bundesregierung die Verbraucher entlasten will. Im Laufe des Jahres kann es zu zusätzlichen Entlastungen kommen. So haben mehrere Grundversorger, unter anderem in Bayern, Preissenkungen angekündigt.

Stromkosten sinken wieder – sind in den vergangenen zehn Jahren aber gestiegen

Trotz der Netzentgelt-Entlastung bleibt ein großer Posten teuer: Die Kosten für Strombeschaffung und Vertrieb liegen mit 15,4 Cent pro Kilowattstunde nur geringfügig unter dem Vorjahreswert. Die dramatischen Preissprünge von 2022 und 2023, als sich die Beschaffungskosten von 8,6 auf 25,1 Cent mehr als verdoppelten, wirken immer noch nach. Generell markieren die Jahre 2022 und 2023 den absoluten Höhepunkt der Stromkosten. Davon haben sich die Preise noch immer nicht erholt.

Stabil geblieben sind die staatlichen Belastungen: Steuern, Abgaben und Umlagen machen weiterhin 12,6 Cent pro Kilowattstunde aus – genau so viel wie im Vorjahr. Damit entfällt etwa ein Drittel der Stromrechnung auf staatliche Lasten, allen voran die Mehrwertsteuer mit 5,95 Cent und die Stromsteuer mit 2,05 Cent. Auch wegen dieser hohen Steuerabgaben zählt Deutschland weiterhin zu den Ländern mit den höchsten Strompreisen Europas.

Noch im ersten Halbjahr 2025, also vor einem Jahr, hatte Deutschland die höchsten Stromkosten Europas. Damals zahlten die Menschen hierzulande laut Eurostat im Schnitt 40 Cent pro Kilowattstunde. Generell teuer ist der Strom europaweit auch in Italien (37,4 Cent pro Kilowattstunde), Liechtenstein (31,2), Irland (30,5) und Zypern (30). Die vollständigen Zahlen zu allen Ländern finden Sie in der Grafik. Aktuelle Zahlen zu Italien liegen noch nicht vor; insofern ist es offen, ob Deutschland nach der Preissenkung noch den Teuer-Spitzenplatz Europas inne hat. Fakt ist aber: Im Vergleich mit anderen Ländern bleiben die Energiekosten hierzulande trotz Entlastungen hoch.

Neben den Haushalten gibt es auch billigeren Strom für die Industrie. Kleine und mittlere Betriebe zahlen 2026 im Schnitt 16,0 Cent pro Kilowattstunde – ein Rückgang um 1,6 Cent gegenüber dem Vorjahr. Bei der mittelgroßen Industrie waren die Preise im Jahr 2025 rückläufig im Vergleich zum Vorjahr, während sie bei der großen Industrie leicht gestiegen sind. Zahlen für 2026 liegen hier noch nicht vor. Die Strompreisentwicklung zeigt auch hier erste Entspannungstendenzen, aber von einer nachhaltigen Trendwende kann noch nicht gesprochen werden. (Quellen: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, Verivox, dpa)

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