Was Trump und die AfD gemeinsam haben – und was 2026 auf uns zukommt

Die Antike hatte es nicht leicht mit Prognosen: Hauptberufliche Orakel hatten als Hilfsmittel vor allem bewusstseinserweiternde Drogen oder die Innereien unbescholtener Nutztiere. Die Lektüre von Schafslebern dürfte indes noch fehleranfälliger gewesen sein, als heute die demoskopische Arbeit von Infas und YouGov.

Für eine Vorschau aufs noch junge Jahr 2026 empfehle ich indes die Einschaltung des gesunden Menschenverstands. Machen Sie mit? Dann spricht bedauerlicherweise allerdings nicht viel dafür, dass in den nächsten Monaten der Weltfrieden anbricht oder wenigstens die deutsche Wirtschaft boomt. 

Zwei neue Grundregeln gelten plötzlich

Dabei ist es völlig egal, wie lange Donald Trump, Wladimir Putin oder Xi Jinping noch regieren. Sie sind nur Speerspitzen struktureller Veränderungen, die nicht so schnell zurückzudrehen sind, aber zwei Grundregeln folgen: Nationen müssen ökonomisch oder militärisch stark sein (am besten beides), um sich nicht nur zu behaupten, sondern ihre Interessen durchzusetzen.

Auf beiden Feldern ist für die Bundesrepublik noch Luft nach oben, zumal hierzulande ja nicht mal klar, was wir eigentlich wollen – außer die gute alte Zeit zurück, als China unsere Werkbank war, Russland der billige Gaslieferant und Amerika unser Beschützer.

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Auf Völkerrecht und das Miteinander der Weltgemeinschaft ist leider immer weniger Verlass. Unsicherheit ist die neue Normalität, woran Trump einen hohen Anteil hat mit seinen erratischen Zollkriegen und Einmischungen im Rest der Welt. Unser Problem sind aber gar nicht die Autokraten selbst, sondern die Reaktionen in Berlin und Brüssel auf deren Aktionen. 

Wann wird Europa sich einig?

Statt endlich einen eigenen, europäischen Weg einzuschlagen, regieren schon wieder Eifersüchteleien, Strategie-Kakophonie und Ängstlichkeit. Fortschritte gibt es nicht einmal beim Thema Rüstung, wo man als Gemeinschaft schon in der Beschaffung viel Geld sparen könnte.

Deutschland geht ebenso tapfer wie bislang erfolglos voran: Selbst das bisschen Wachstum, das die Wirtschaftsinstitute für dieses Jahr prognostizieren (weniger als ein Prozent), ist eine Schimäre. Es wird vor allem von den neuen Milliardenschulden befeuert, die ja nicht die Regierung zahlt, sondern wir. Und jeder zweite Euro, der eigentlich für Investitionsprojekte reserviert war, wird bereits zum Stopfen der Haushaltslücken zweckenfremdet. Das wird politische Konsequenzen haben.

Eine Partei wird 2026 zum großen Gewinner

Fünf Bundesländer (inkl. Berlin) wählen 2026 ihre Parlamente. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern steht die AfD zurzeit bei 40 bzw. 38 Prozent in den Umfragen weit vor allen anderen. Da werden alle Selbstbehauptungsversuche der „demokratischen Mitte“ zu einem immer absurder anmutenden Koalitions-Tetris. Oder wollen Sie sich die Alltagstauglichkeit von Landesregierungen aus CDU, SPD, Grünen und Linken vorstellen? Nur damit die „Brandmauer“ noch hält?

Trump oder AfD – das sind letztlich alles nur Symptome für die Schwächen klassischer Parteien, die zu wenig Rezepte bieten. Ich würde mir 2026 wirklich einen Aufbruch wünschen: zum Beispiel mit einer selbstbewussten EU, die sich als echte Gemeinschaft neu erfindet. Mit klaren Reformen und ehrlicher Kommunikation bei uns zu Hause. Aber ich sehe derlei aktuell nicht. 

Vielleicht sollte ich es doch mal mit den Drogen probieren für optimistischere Vorhersagen? Innereien sind nicht so meins.