Der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaftsbrauerei Reutberg spricht über seine ersten sechs Monate. Die Warteliste für Genossenschaftsanteile beträgt drei Jahre.
Sachsenkam – Ein halbes Jahr ist es nun her, dass der Reichersbeurer Klaus Hochwind (48) als Vorstandsvorsitzender der Genossenschaftsbrauerei in die Fußstapfen von August Maerz getreten ist. Was sich seither getan hat, worauf der Fokus des neuen Chefs liegt, und was in diesem Jahr am Reutberg ansteht, darüber spricht Hochwind im Interview mit unserer Zeitung.
Herr Hochwind, vor sechs Monaten haben Sie das Zepter am Reutberg übernommen. Wie läuft‘s?
Gut. Man kommt da natürlich erstmal in was ganz Neues rein. Aber der August Maerz stand und steht mir immer gern zur Seite. Wenn ich etwas wissen will, wie was bisher gelaufen ist, telefonieren wir. Diese Starthilfe ist viel wert. Bisher konnte ich mich ganz gut in alle Abläufe einarbeiten, und wir haben in der Brauerei ein gutes Team. Das läuft.
Sie arbeiten ja immer noch halbtags bei der 17er-Oberlandenergie. Lassen sich beide Posten gut vereinbaren?
Das funktioniert reibungslos. Montags und freitags bin ich fest am Reutberg, und ansonsten habe ich öfter Abendtermine, oder am Wochenende steht etwas an. Das bekomme ich gut vereinbart.
Wie sieht ein typischer Tag als Vorstandsvorsitzender aus?
Das ist das Schöne an dem Job, dass jeder Tag anders ist. Hier am Reutberg gibt es ein eingespieltes Team. Da stehen die Abläufe fest. Ich habe mal Verhandlungen mit Lieferanten, Gespräche mit Kunden, durfte auch unseren Hopfenbauer besuchen, kümmere mich eben um Allgemeines.
Was hat sich seit dem Stabwechsel verändert?
Ach, ich denke, wenn es einen neuen Chef gibt, ändert sich immer ein bisschen was. Jeder Mensch ist anders und hat eine andere Herangehensweise. Ansonsten bin ich dabei, hier alles etwas digitaler aufzustellen. Aber das ist, wie ja überall, eine große Aufgabe und da liegt schon noch einiges vor uns.
Was sind Ihre Ziele für das kommende Jahr?
Ich möchte die Digitalisierung weiter voranbringen und die Zusammenarbeit mit unseren Kunden natürlich ausbauen.
Vor welchen Herausforderungen steht die Brauerei?
Ich denke, dass die größte Herausforderung in der Konkurrenz mit den großen Brauereien besteht. Wir können mit den Bierpreisen der großen Marken natürlich nicht ganz mithalten, und da ist es wichtig, sich als kleine, regionale Brauerei trotzdem durchsetzen zu können.
Hier im Tölzer Land erfahren Sie ja schon Zuspruch. Sie kooperieren mit einigen Wirtschaften, und auch in der Bevölkerung hat das Reutberger Bier einen hohen Stellenwert. Es ist wohl auch gar nicht so leicht, Genosse der Brauerei zu werden...?
Ja, wir erfahren hier viel Rückhalt. Das freut uns und ist wichtig. Wir bauen aber unseren Kundenkreis auch weiter aus. Beispielsweise in Österreich bekommen wir immer mehr Partner, und auch kleinere Kneipen in München interessieren sich zunehmend für unser Bier. Das mit den Genossenschaftsanträgen liegt daran, dass wir eine Grenze bei circa 5000 Mitgliedern haben. Das hat vor allem logistische Gründe. Nun ist es so, dass man dann Genosse werden kann, wenn entweder einer verstirbt oder einer seine Anteile zurückgibt. Daher haben wir eine Warteliste.
Wie lange dauert es im Durchschnitt, bis jemand auf der Warteliste Genossenschaftsanteile kaufen kann?
Aktuell etwa knapp drei Jahre.
Im März steht Ihr erstes Josefifest an. Eine Feuertaufe?
Ich bin da relativ entspannt. Der Ablauf steht ja zum großen Teil fest. Da läuft vieles nach einem bereits bewährten Schema ab. Obendrein habe ich bereits in der Vergangenheit mitorganisieren dürfen.
Bleiben alle Veranstaltungen in der Festwoche gleich, oder gibt es da Neuerungen?
Nein, wir werden bei den bestehenden Veranstaltungen bleiben. Das Programm hat sich bewährt, und die Leute freuen sich auch auf die Termine.
Was ist für Sie das Schönste an Ihrem neuen Amt?
Dass man so viele verschiedene neue Leute kennenlernt und viel mit Menschen, die man bereits kennt, zu tun hat. Das Kommunikative und das Miteinander mag ich sehr gern.