Trotz Behinderung sucht Ludowid Bari verzweifelt nach Arbeit

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In Erding stadtbekannt: Ludowid Bari mit seinem Akkordeon. © Iulia Moaca

Der einarmige Akkordeon-Spieler lebt seit Jahren auf der Straße. Eine Unterkunft bleibt ihm bisher verwehrt, ohne Job keine Wohnung.

Wer einmal durch die Erdinger Innenstadt gegangen ist, dürfte Ludowid Bari bereits über den Weg gelaufen sein: der einarmige Akkordeon-Spieler, der meist vor dem Drogeriemarkt Müller am Friedrich-Fischer-Platz musiziert. Die Menschen, die vorbeigehen, grüßt der 40-Jährige, der aus der Kleinstadt Rimavská Sobota in der Slowakei kommt, stets freundlich lächelnd.

Akkordeonspielen vom Vater gelernt

Seit seinem zehnten Lebensjahr spielt Bari Akkordeon, sein Vater habe es ihm beigebracht. Gelegentlich geben Passanten ein paar Münzen in eine kleine Holzkiste, die neben seinem Stuhl platziert ist. Und manchmal bringt ihm jemand auch einen heißen Kaffee oder ein Gebäckstück aus der Bäckerei nebenan mit, erzählt Bari dankbar.

Seit etwa 20 Jahren lebe er den Großteil des Jahres über in Deutschland. Nach Leipzig, Halle, Stuttgart und München hat es ihn vor sechs Jahren nach Erding verschlagen. Da ihm seit seiner Geburt der linke Arm fast vollständig fehlt, gestalte sich die Arbeitssuche schwierig, sagt er. Und ohne Arbeitsstelle und regelmäßiges Einkommen kann er sich auch keine Wohnung oder Unterkunft leisten.

Das sei ein Problem, das viele obdachlose Menschen aus dem Ausland kennen, die hierzulande oft nicht anspruchsberechtigt sind und denen häufig nur das Leben auf der Straße bleibt. Bari war in den vergangenen Jahren bereits in Kontakt mit der Stadt Erding wegen einer Unterkunftsmöglichkeit – bisher ohne Erfolg, sagt er.

Als Bari jünger war, habe er in Tschechien auf Baustellen gearbeitet und dort seinen Führerschein und Staplerfahrerschein machen können. Eine Zeit in seinem Leben, die von mehr Stabilität geprägt war als die Gegenwart. Als 2008 die Wirtschaftskrise kam und die Firma, bei der er angestellt war, insolvent ging, verlor Bari seinen Job. Er kehrte in die Slowakei zurück und musste feststellen, dass er für die nächstmögliche Arbeitsstelle 200 bis 300 Kilometer pendeln musste. Zu weit, um jeden Tag hin und zurück zu fahren.

In der Slowakei sei er zudem auf Vorurteile wegen seiner Behinderung getroffen, niemand wollte ihn anstellen, erzählt er. Auch in Deutschland sei es nicht einfach, mit nur einem Arm eine Arbeit zu finden. Dabei halte er stets die Augen offen, ob sich eine Gelegenheit ergeben könnte. „Hauptsache Arbeit – egal was“, sagt er.

Wenn es in den Sommermonaten heiß ist, schützt er sich auf seinem Stammplatz mit einem Sonnenschirm. Gegen die Kälte kann er sich nicht so gut wappnen, denn er lebe in Erding auf der Straße. Auch im Winter verbringe er jede Nacht draußen.

Die Stadt toleriert, dass sich Bari tagsüber an der gleichen Stelle aufhält und sich in den warmen Monaten fast schon häuslich einrichtet. Stadtsprecher Christian Wanninger erklärt auf Nachfrage unserer Zeitung: „Der Mann darf dort stehen bleiben, da es sich in diesem Fall nicht um aggressives Betteln handelt und sich nie jemand über ihn beschwert hat.“ Bari selbst sagt, dass die Menschen in Erding gut seien. Damit meint er insbesondere die Beamten der Polizei und vom Ordnungsamt, mit denen er sich immer wieder unterhalte.

Geldsammeln für Reise zur Familie

Währenddessen lebt seine Frau mit den drei gemeinsamen Kindern (ein, drei und zehn Jahre alt) in der Slowakei. Bari besucht seine Familie mehrmals im Jahr, spart das Geld vom Musizieren für die Hin- und Rückfahrten. Was übrig bleibt, schickt er regelmäßig per Western Union nach Hause. An Weihnachten machte er sich einmal mehr auf den Weg in die Heimat, seit wenigen Tagen ist er wieder in Erding.

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/erding/erding-ort28651/trotz-behinderung-sucht-ludowid-bari-verzweifelt-nach-arbeit-94128075.html