Die Zahl der Führerschein-Anmeldungen ist rückläufig. Schließlich soll er günstiger werden. Dabei steckt die geplante Reform noch in den Kinderschuhen.
Kassel – Oftmals konnten es Jugendliche in der Vergangenheit gar nicht erwarten, bereits mit 17 oder 18 Jahren auf der Straße unterwegs zu sein. Bei Fahrschulen bundesweit bleiben derzeit allerdings die Telefone still und die Anmeldelisten eher leer. Grund ist die von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder angekündigte Reform zur Kostensenkung beim Führerscheinerwerb.
„Seit den Ankündigungen von Schnieder, dass der Führerschein günstiger werden soll, gibt es eine Zurückhaltung bei Fahrschulen“, erklärt Kurt Bartels, Vizevorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Die Branche schlägt Alarm, denn die wirtschaftlichen Folgen könnten dramatisch sein.
Drastischer Rückgang bei Führerschein-Anmeldungen: Fahrschüler bleiben fern – „Im Worst Case drohen Insolvenzen“
Bartels beschreibt die Situation kritisch: „Das ist regional und von Fahrschule zu Fahrschule unterschiedlich, aber die Zurückhaltung ist spürbar. Viele Fahrschüler warten ab. Wenn das so bleibt, müssen Fahrschulen überlegen, Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Im Worst Case drohen Insolvenzen. Die Ankündigung der Reform hat offenbar einen unbeabsichtigten Wartezustand ausgelöst. „Mindestens die Hälfte der Fahrschulen ist von einem 70-prozentigen Anmeldeeinbruch betroffen“, wird Bartels von bild.de zitiert.
Der CDU-Politiker Schnieder hatte im vergangenen Oktober Reformvorschläge präsentiert, um den durchschnittlich 3.400 Euro teuren Führerschein der Klasse B bezahlbarer zu machen. Seine Begründung: „Mobilität darf kein Privileg sein.“ Die Pläne umfassen Vereinfachungen und digitale Lösungen für theoretische und praktische Ausbildungsteile, verstärkten Einsatz von Simulatoren sowie eine Reduzierung verpflichtender Sonderfahrten wie jener auf Autobahnen.
Führerschein-Reform soll kommen – doch vom Warten wird dennoch abgeraten
Doch im ARD-Morgenmagazin bremste Schnieder am Dienstag die Erwartungen an eine schnelle Umsetzung und riet zur Eile statt zum Abwarten: „Es lohnt sich nicht abzuwarten, sondern wer den Führerschein machen will, der soll es jetzt machen.“ Der Minister verwies auf die notwendige Abstimmung mit den Bundesländern und stellte klar: „Aber von Anfang an war klar, dass es keinen Punkt gibt, an dem ein neues Preisschild an dem Führerschein hängt.“
Aus Sicht der Fahrlehrer greift die Reform jedoch zu kurz. Bartels identifiziert steigende Personal- und Energiekosten als Haupttreiber der Preise. „Das müssen wir an die Kunden weitergeben. Wenn Minister Schnieder meint, wir können Unterrichtsräume sparen, wo sollen dann die Simulatoren hin?“ Zudem benötigten immer mehr Fahrschüler eine steigende Anzahl von Fahrstunden, die je nach Region zwischen 55 und 75 Euro kosten.
Als Alternativlösung schlägt der Verbandsvertreter vor: „Wenn die Politik Führerscheine günstiger machen will, dann sollte sie die Kosten für den Führerschein steuerlich absetzbar machen.“ Positive Erfahrungen sieht er beim begleiteten Fahren ab 17 Jahren, wo motivierte Jugendliche mit Unterstützung ihrer Eltern seltener durch Prüfungen fallen und durchschnittlich nur etwa 2.500 Euro für den Führerschein zahlen.
Bundesverkehrsminister drückt die Erwartungen an die Führerschein-Reform
Die Umsetzung der Reform bleibt vorerst ungewiss. Schnieder plant, nach Verständigung mit den Ländern im Laufe des Jahres ins Gesetzgebungsverfahren einzusteigen. Bis dahin könnten jedoch viele Fahrschulen unter der abwartenden Haltung potenzieller Fahrschüler leiden. „Unsere Fahrschüler erzählen, dass in ihrem Freundeskreis viele noch abwarten, weil es ja günstiger werden soll“, zitiert bild.de den Fahrlehrer Thorsten Wiegand.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder rät angehenden Fahrschülerinnen und Fahrschülern davon ab, in der Hoffnungen auf sinkende Preise mit dem Führerscheinerwerb zu warten. „Ein Abwarten lohnt sich nicht“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Wie er angibt, werde die Reform frühestens Anfang 2027 in Kraft treten. „Dann wird es aber nicht unmittelbar billiger“, gab er an. „Wir geben den Fahrschulen Optionen und Freiheiten – wie sich das konkret auf die Preise auswirkt, wird der Markt regeln.“ (Quellen: dpa, bild.de) (rd)
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