Weniger Bundesländer, mehr Effizienz? Eine Umfrage zeigt, welche Länder Befragte im Fusionsfall streichen würden. Der Vorstoß von Söder polarisiert.
Berlin – Die Debatte über eine Neuordnung der Bundesländer gewinnt an Schärfe. Auslöser ist der Vorstoß von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), die Zahl der Länder zu reduzieren. Eine aktuelle INSA-Umfrage zeigt nun, wie die Bevölkerung auf ein solches Szenario blickt – und welche Länder besonders häufig als verzichtbar gelten.
Rund 38 Prozent der Befragten, berichtet die Bild aus der Umfrage, befürworten eine Zusammenlegung von Bundesländern aus Kosten- und Effizienzgründen, 42 Prozent lehnen das ab. Ein Fünftel ist unentschlossen.
Umfrage zu Söders Bundesländer-Reform: Saarland und Bremen ganz oben auf der Streichliste
Für die Detailfrage wurden ausschließlich jene Befragten berücksichtigt, die einer Länderfusion grundsätzlich zustimmen. Unter ihnen zeigt sich ein klares Bild zugunsten der Abschaffung kleiner Bundesländer. Besonders häufig genannt wird das Saarland, auf das nach Meinung von 68 Prozent der Befragten verzichtet werden könnte.
Direkt dahinter folgt der Stadtstaat Bremen mit 60 Prozent Zustimmung zur Streichung. Auch Sachsen-Anhalt landet mit 57 Prozent weit oben auf der Liste. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sowohl strukturschwache Flächenländer als auch Stadtstaaten besonders kritisch betrachtet werden.
Söders Länder-Vorschlag: Stadtstaaten und Ostländer besonders betroffen
Neben Bremen und dem Saarland geraten gemäß Bild weitere Länder in den Fokus. Hamburg nennen 56 Prozent der Befragten als verzichtbar, Berlin folgt mit 50 Prozent. Damit finden sich gleich mehrere Stadtstaaten unter den oberen Platzierungen der Umfrage.
Im Mittelfeld liegen Brandenburg mit 44 Prozent, Thüringen mit 43 Prozent und Sachsen mit 39 Prozent. Mecklenburg-Vorpommern erreicht 37 Prozent, Schleswig-Holstein kommt auf 29 Prozent. Die Nennungen verteilen sich damit deutlich auf mehrere ostdeutsche Bundesländer.
INSA-Umfrage zur Föderalismusreform: Große Flächenländer deutlich seltener genannt
Deutlich geringer fällt die Bereitschaft aus, auf bevölkerungsreiche Länder zu verzichten. Hessen erreicht 27 Prozent, Niedersachsen 24 Prozent. Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg liegen jeweils bei 23 Prozent.
Am seltensten genannt werden Bayern selbst mit 22 Prozent sowie Nordrhein-Westfalen mit nur 20 Prozent. Damit zeigt sich, dass große Flächenländer mit hoher wirtschaftlicher Bedeutung von der Bevölkerung klar geschont werden. Söders eigenes Bundesland landet folglich nahezu am Ende der Rangliste.
INSA-Umfrage: Verzichtbare Bundesländer (Auszug)
| Bundesland | Prozent der Befragten (Fusionsbefürworter) |
|---|---|
| Saarland | 68% |
| Bremen | 60% |
| Sachsen-Anhalt | 57% |
| Hamburg | 56% |
| Berlin | 50% |
| NRW | 20% |
(Quelle: Bild/INSA | Umfrage: 15. bis 16.1.2026, 582 Befragte, Mehrfachantworten möglich)
Söder begründet Vorstoß mit Effizienz und Wettbewerb
Markus Söder hatte seinen Vorstoß bei der CSU-Fraktionsklausur im oberfränkischen Kloster Banz öffentlich gemacht. Er argumentierte, die bestehenden föderalen Strukturen seien zu kleinteilig und hemmten die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. „Größere Einheiten sind erfolgreicher als kleinere“, sagte Söder dort.
Konkrete Fusionsmodelle nannte der CSU-Vorsitzende nicht. Er verwies jedoch wiederholt auf den Länderfinanzausgleich, bei dem Bayern seit Jahren der größte Zahler ist. Die derzeitige Struktur sei aus seiner Sicht nicht mehr entscheidungsfähig, so Söder weiter.
Nach Söder-Vorstoß: Breiter Widerspruch aus Ländern und Fachdebatte
Aus mehreren Bundesländern kam umgehend Kritik an dem Vorschlag Söders. Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) reagierte mit Spott und verwies auf den starken regionalen Zusammenhalt. Der „Saarland-Stolz“ sei, so Rehlinger gemäß tagesschau.de, „Söder-resistent“.
Auch andere Landesregierungen warnten vor neuen politischen Fronten. In der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ verteidigte CSU-Generalsekretär Martin Huber den Reformimpuls. Grünen-Co-Chefin Franziska Brantner mahnte hingegen, sich nicht allein auf Länderfusionen zu fixieren, sondern Zuständigkeiten und Zusammenarbeit neu zu ordnen.
Söders Plan zum Umbau der Bundesländer: Hohe verfassungsrechtliche und politische Hürden
Rechtlich ist eine Neugliederung der Bundesländer möglich. Artikel 29 des Grundgesetzes sieht dafür jedoch ein Bundesgesetz sowie Volksentscheide in den betroffenen Ländern vor. Als mahnendes Beispiel gilt der gescheiterte Zusammenschluss von Berlin und Brandenburg im Jahr 1996, schreibt BR24.
Auch wirtschaftlich sind die Erwartungen gedämpft. Experten weisen darauf hin, dass Fusionen kurzfristig sogar höhere Kosten verursachen könnten. Langfristig seien Einsparungen begrenzt, da zentrale Aufgaben wie Schule, Polizei oder Verwaltung weiterhin erfüllt werden müssten. (Quellen: Bild, dpa, zdfheute.de, BR24, tagesschau.de) (chnnn)