Trump-Zölle im Grönland-Streit – Kiesewetter warnt: „Von Erpressungsversuchen nicht einschüchtern lassen“
Trump kündigt im Streit um Grönland Zölle gegen acht Länder an. CDU-Politiker Kiesewetter warnt vor den Folgen eines Einknickens vor den Drohgebärden des US-Präsidenten.
Berlin/Washington D. C. – Infolge der Zoll-Ankündigung von US-Präsident Donald Trump im Streit um Grönland mahnt der CDU-Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter vor den Folgen, sollte Europa vor Trumps Forderungen einknicken. „Eine Intervention Trumps in Grönland wäre ein Verstoß gegen die Souveränität Grönlands und Dänemarks und würde das Ende der bisherigen NATO besiegeln“, warnt Kiesewetter gegenüber dem Münchner Merkur von Ippen.Media. „Wir sollten uns von den Erpressungsversuchen Trumps nicht einschüchtern lassen.“
Dass der Republikaner den Druck auf die Europäer mit Zöllen zu erhöhen versucht, sei nicht überraschend, führt Kiesewetter aus: „Es war zu erwarten, dass er versucht, den Preis für Europa hochzutreiben, damit die Europäer Dänemark im Stich lassen und sich auf einen seiner gefährlichen regelbrechenden Deals einlassen.“ Der US-Präsident sei bekannt dafür, außenpolitisch insbesondere auf Zölle zu setzen.
Trump kündigt im Grönland-Streit Zölle an – Kiesewetter warnt: „Kein verlässlicher Bündnispartner mehr“
Trump hatte am Samstag (17. Januar) Strafzölle gegen acht europäische Länder angekündigt. In einem Post auf seiner Online-Plattform Truth Social schrieb Trump, dass die USA die Länder Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Niederlande und Finnland ab dem 1. Februar 2026 mit einem Zollsatz von 10 Prozent belegen werden. Dieser gelte auf alle Waren, die in die USA geliefert werden. Am 1. Juni 2026 soll der Zollsatz auf 25 Prozent erhöht werden. Und: „Dieser Zoll ist fällig und zahlbar, bis eine Vereinbarung über den vollständigen und totalen Kauf Grönlands erzielt wird.“
Der US-Präsident hatte seine Pläne, Grönland den Vereinigten Staaten einzuverleiben, bereits zuvor immer wieder mit Sicherheitsbedenken wegen einer Bedrohung durch China und Russland in der Region begründet. Die NATO-Verbündeten sind hingegen überzeugt, dass Grönland, das Teil des Königreichs Dänemark ist, nicht von den USA übernommen werden müsse, um die Arktis zu schützen.
„Trump ist kein verlässlicher Bündnispartner mehr, denn auch Zollerhebungen verstoßen gegen die Prinzipien des NATO-Bündnisses“, kritisiert Kiesewetter gegenüber unserer Redaktion. „Internationale Regeln und Werte interessieren Trump nicht, ihm geht es um reine Macht- und Interessenpolitik, sodass er Grönland unbedingt in seine Einflusszone oder gar in das US-Territorium bringen will.“ Der CDU-Politiker warnt zudem: Der US-Präsident stelle die transatlantische Partnerschaft wie die NATO „völlig in Frage“. Und: „Er baut an einer neuen internationalen Ordnung, die das Recht des Stärkeren fördert und die Stärke des Rechts unterminiert.“
Europäer beraten über Reaktion auf Trump-Zölle – EU-Spitzen warnen vor „gefährlicher Abwärtsspirale“
Infolge der Ankündigung des US-Präsidenten wollen sich die Europäer über eine Reaktion beraten. Regierungssprecher Stefan Kornelius erklärte laut Bericht der Deutschen Presse-Agentur, dass sich die Regierung „in engster Abstimmung mit den europäischen Partnern“ befinde. „Gemeinsam werden wir zur gegebenen Zeit über geeignete Reaktionen entscheiden.“ Details nannte der Regierungssprecher nicht.
Die EU-Spitzen warnen angesichts der Zolldrohungen bereits vor einer Eskalation. Strafzölle würden die transatlantischen Beziehungen untergraben und drohten, eine „gefährliche Abwärtsspirale“ auszulösen, teilen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa auf der Plattform X mit. „Europa wird weiterhin geeint und koordiniert vorgehen und sich für die Wahrung seiner Souveränität einsetzen.“
Trump-Zölle im Grönland-Streit: „Klarheit gegenüber Washington funktioniert nur über geopolitische Relevanz“
Auch Kiesewetter fordert: „Deutschland sollte sich aber nicht davon abbringen lassen, klar an der Seite des Partners Dänemark in NATO und EU zu stehen.“ Vielmehr müsse Deutschland, müsse die europäische Union, auf ihre geoökonomische Stärke setzen: „Und mit größtmöglicher Effizienz auch militärisch Stärke aufbauen und unabhängiger von den USA werden.“ Das beinhalte ein entschlosseneres Handeln für die Sicherheit innerhalb Europas und eine „smartere Lastenteilung“, führt der CDU-Verteidigungspolitiker aus. „Deutschland muss endlich einen wesentlich höheren Beitrag für die militärische Unterstützung der Ukraine leisten, damit Dänemark als gemessen am BIP einer der stärksten Unterstützer der Ukraine entlastet wird.“
Europa solle zudem in das bestehende Assoziierungsabkommen zwischen der EU und Grönland investieren „und das zu einer echten strategischen Union ausbauen“. Zugleich müsse verstärkt in die Modernisierung und den Aufbau von Flughäfen und Häfen auf Grönland investiert werden. Mit Blick auf US-Präsident Trump mahnt Kiesewetter: „Die Klarheit gegenüber Washington funktioniert nur über geopolitische Relevanz.“ (Quellen: Eigene Recherche, Truth Social, dpa) (pav)