Bundeswehr-Team startet Einsatz in Grönland: Europäische Solidarität gegen US-Ansprüche

  1. Startseite
  2. Politik

Kommentare

Angesichts von Trumps Gebietsansprüchen entsendet Deutschland 15 Soldaten nach Grönland. NATO-Partner beteiligen sich an der „Operation Arctic Endurance“.

Berlin/Nuuk – Als Reaktion auf die anhaltenden US-Besitzansprüche auf Grönland hat Deutschland am Donnerstag (15. Januar) eine Bundeswehr-Erkundungsmission zur weltgrößten Insel gestartet. Die 15 deutschen Soldatinnen und Soldaten trafen zusammen mit Militärangehörigen aus anderen europäischen Staaten am Freitagabend (16. Januar) in der grönländischen Hauptstadt Nuuk ein.

Soldaten der Bundeswehr (hinten) verlassen das Flugzeug nach der Landung in Nuuk. © Julia Wäschenbach/dpa

Europäische Geschlossenheit gegen Trumps Ansprüche auf Grönland

Die Mission erfolgt auf Einladung Dänemarks und ist Teil der „Operation Arctic Endurance“, einer von Dänemark geführten Übung zur Stärkung der Sicherheit in der Arktis, wie der US-amerikanische Nachrichtensender CNBC berichtet. Neben Deutschland beteiligen sich auch Frankreich, Schweden, Norwegen, Großbritannien und die Niederlande an der dreitägigen Erkundungsmission.

„Das ist ein wichtiges Zeichen gelebter europäischer Solidarität“, erklärte die SPD-Verteidigungspolitikerin Siemtje Möller der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Deutschland mache damit deutlich, dass Europa bereit sei, Verantwortung für seine eigene Sicherheit zu übernehmen.

Trumps Pläne zur „Eroberung“ Grönlands

US-Präsident Donald Trump hat wiederholt erklärt, die USA wollten Grönland in ihren Besizt bringen, was er mit Sicherheitsinteressen und einer angeblichen Bedrohung durch Russland und China begründet. Das weitgehend autonome Grönland gehört jedoch zum Hoheitsgebiet Dänemarks und ist damit NATO-Mitglied.

Krisengespräche zwischen den USA, Dänemark und Grönland in Washington hatten am Mittwoch keine Annäherung gebracht. Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen bestätigte, dass Trump an seinen Plänen zur „Eroberung“ Grönlands festhalte.

Auftrag und Ziele der Mission der Bundeswehr in Grönland

Das deutsche Erkundungsteam besteht aus 15 Logistikerinnen und Logistikern sowie Expertinnen und Experten verschiedener Bereiche. Ihr Auftrag ist es, die Rahmenbedingungen für mögliche künftige Militärübungen und Einsatzmöglichkeiten zu prüfen.

Es gehe um die Frage, ob die Arktis sicher sei und inwiefern Deutschland mit seinen NATO-Partnern dazu beitragen könne, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin.

Warnung vor NATO-Krise

Ex-NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg warnte davor, die USA zu unterschätzen, und forderte eine klare Reaktion der NATO und EU auf die US-Ansprüche. „Dass die Vereinigten Staaten erklären, sie wollten die Kontrolle über Grönland übernehmen, müssen wir ernst nehmen.“

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bezeichnete Grönlands Verteidigung als „gemeinsame Sorge“ der gesamten NATO, wie der britische Guardian berichtet. Sie warnte vor beispiellosen Konsequenzen für das Bündnis, sollten die USA ihre Drohungen wahr machen.

Trump verschärfte den Konflikt weiter, indem er Ländern, die sich seinen Grönland-Plänen widersetzen, mit Zöllen drohte. Die USA bräuchten Grönland für ihre nationale Sicherheit, erklärte er im Weißen Haus.

Gemischte Reaktionen in Europa

Während die meisten europäischen NATO-Partner die Mission unterstützen, hält sich Italien zurück. Verteidigungsminister Guido Crosetto bezeichnete die Erkundungsmission als „Witz“ und kündigte stattdessen eine eigene italienische Arktis-Strategie an.

Die Fraktion Die Linke kritisierte den Einsatz scharf. „Das muss als Testballon für eine spätere Truppenstationierung verstanden werden“, warnte der verteidigungspolitische Sprecher Ulrich Thoden. (Quellen: dpa, AFP, CNBC, FAZ, Guardian) (sot)