Mutter verliert Sohn in Crans-Montana und erhebt massive Vorwürfe

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„Ich liebe euch“, schreibt Trystan – zwei Stunden später stirbt er beim Feuer in Crans-Montana. Seine Mutter findet deutliche Worte für den Bürgermeister.

Crans-Montana – Um 0:08 Uhr schreibt Trystan Pidoux seiner Mutter das letzte Mal: „Bonne année. Gros bisous. Je t’aime beaucoup. Gros bisous aussi aux autres. Je t’aime“ – auf Deutsch: „Frohes Neues Jahr. Viele Küsse. Ich liebe dich sehr. Viele Küsse auch an alle anderen. Ich liebe euch.“ Weniger als zwei Stunden später verwandelt sich die Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana in eine Todesfalle. Der 17-Jährige stirbt zusammen mit 39 anderen Menschen in den Flammen.

Gedenkfeier für die Opfer von Crans-Montana.
Gedenkfeier für die Opfer von Crans-Montana. © ABACAPRESS/Imago

Am Silvesterabend schwankte Trystan zwischen einer Feier in Genf und der in Crans-Montana, erzählt seine Mutter Vinciane Stucky der schweizerischen Tageszeitung Blick. Er entschied sich für letztere Option. Sie wusste, dass die Bar „Le Constellation“ auf dem Programm stand. Als sie am nächsten Morgen die Nachrichten hörte, ergriff sie sofort Panik. „Ich rief Trystan unzählige Male an. Ich schrieb ihm Nachrichten. Normalerweise antwortet er immer, selbst mitten in der Nacht.“

Nach Brand in Crans-Montana: Mutter kämpft mit Tod von ihrem Sohn – „Ich schrie“

Seine Mutter Vinciane Stucky durchlebt nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana die Hölle auf Erden. Hunderte Anrufe an Krankenhäuser, DNA-Proben bei der Polizei, die verzweifelte Suche nach ihrem Sohn. Es vergingen Tage, bis die Kantonspolizei Wallis bei ihr anrief. „Mir war sofort klar, was sie mir sagen wollten. Ich wollte es nicht glauben.“ Sie befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Kirche in Lutry, die zum Treffpunkt für Angehörige geworden war. „Ich schrie. Der Schrei hallte durch die ganze Kirche. Ich schlug mit dem Kopf gegen die Schränke. Mein ältester Sohn musste mich zurückhalten.“

Am 4. Januar konnten alle 40 Todesopfer identifiziert werden. Es dauerte Tage, weil ihre Körper teils so stark verbrannt waren. Trystans Gesicht war nach Aussage seiner Mutter „entstellt“. Auch Laetitia Brodard-Sitre aus der westlichen Schweiz suchte nach dem Unglück in Crans-Montana nach ihrem Sohn und startete einen öffentlichen Aufruf. Tage später kam schließlich die traurige Gewissheit: Der 16-Jährige war eines der ersten Todesopfer, das identifiziert werden konnte.

Schwere Vorwürfe gegen Gemeinde und Barbetreiber – „keine Chance zu entkommen“

Nach dem Brand sagte der Bürgermeister von Crans-Montana, Nicolas Féraud, bei einer Pressekonferenz: „Die Gemeinde ist als Katastrophengebiet am schwersten betroffen, noch vor allen anderen.“ In diesem Moment schlug die Trauer von Trystans Mutter in Wut um. „Mit diesen Worten hat Féraud uns verhöhnt“, so Stucky gegenüber Blick. „Trystans Blut klebt an den Händen der Gemeinde Crans-Montana.“ Zuvor hatten bereits mehrere Lokalbesitzer schwere Vorwürfe gegen die Gemeinde erhoben.

Auch für das Ehepaar Moretti, das die Bar „Le Constellation“ betrieb, fand sie deutliche Worte: „Indem sie den Notausgang verschlossen, ließen sie Trystan keine Chance zu entkommen. Es war eine Falle.“ Zuerst war in Medienberichten davon die Rede, dass der Notausgang verschlossen gewesen sei. Tatsächlich handelte es sich um eine Nebeneingangstür im Erdgeschoss. Betreiber Jacques Moretti gab später an, dass er nicht wisse, warum dieser Ausgang verschlossen gewesen sei.

Nach Informationen des schweizerischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks Radio Télévision Suisse (RTS) habe Jacques Moretti gegenüber den Ermittlerinnen und Ermittlern außerdem eingeräumt, den alten Akustikschaumstoff selbst entfernt und durch Schaumstoff aus dem Baumarkt ersetzt zu haben. Doch selbst bei einer Verurteilung wegen 40-facher fahrlässiger Tötung droht dem Betreiber-Ehepaar Moretti nur eine milde Strafe, schreibt Focus. Nach Schweizer Recht sind maximal drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe möglich. Nur bei „mehrfacher Tatbegehung“ könnte die Strafe auf viereinhalb Jahre erhöht werden.

Angehörige trauern um 17-Jährigen aus der Schweiz

Am Sonntag (11. Januar) fand in Lausanne eine Gedenkfeier für Trystan und seinen besten Freund statt, der ebenfalls bei dem Brand ums Leben kam. Laut Angaben der Familie waren über 1000 Menschen in und um die Kirche anwesend. „Die Zeremonie am Sonntag war eine Ehrung für Trystan, der mir alles bedeutete“, erklärt seine Mutter. Am Mittwoch fand die Beerdigung statt.

Manchmal vergisst Stucky, dass ihr Sohn nicht mehr da ist. „Ich wache auf und denke, alles war nur ein Albtraum. Ich gehe in sein Zimmer und merke, dass es real ist. Jedes Mal, wenn mir bewusst wird, dass er nicht mehr da ist, bekomme ich keine Luft“, sagt sie Blick. (Quellen: Blick, dpa, Focus, Kantonspolizei Wallis, Rundfunks Radio Télévision Suisse) (cln)

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