Der Wasserstoffzug fährt wieder nach Peißenberg. Doch technische Probleme überschatten den Test. Bayern setzt künftig auf Akkuzüge.
Lange Zeit war es ruhig um ihn. Weit und breit keine Spur. Fast so, als wäre er nie dagewesen. Ob die Bahn das Projekt, um das einst ein riesiges Bohei gemacht wurde, schon frühzeitig beerdigt und zu den Akten gelegt hat? Aufmerksame Pendler, die zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember einen Blick auf den neuen Jahresplan der BRB geworfen haben, ist es freilich nicht entgangen. Denn dort ist es blau vermerkt: Der Wasserstoffzug ist zurück im Landkreis – die Testphase läuft noch.
Ein erheblicher Teil der Fahrten konnte aufgrund von technischen Mängeln nicht stattfinden.
„Der Wasserstoffzug wird auch wieder nach Peißenberg fahren“, verkündet BRB-Pressesprecherin Annette Luckner auf Nachfrage der Heimatzeitung. Zweimal am Tag tritt der „Mireo Plus H“ von Siemens Mobility seine Reise von Augsburg in den Landkreis an: um 4.41 Uhr und um 9.13 Uhr. Bei seiner ersten Fahrt wendet er in Peißenberg, einige Stunden später dann bereits in Weilheim. Dass er zuletzt monatelang nicht mehr im Pfaffenwinkel aufgetaucht war, hatte vor allem einen Grund: „Der Wasserstoffzug war während der baubedingten Sperrung der Ammerseebahn auf der Strecke Augsburg-Füssen unterwegs“, klärt die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) auf.
Auch wenn der Testbetrieb des Wasserstoffzugs zwischen Augsburg und Peißenberg noch bis Mitte 2027 andauern soll, kann die BEG bereits ein erstes Zwischenfazit ziehen – und das fällt gemischt aus. Positives bekam die Eisenbahngesellschaft vorrangig von den Lokführern zu hören, die den Exoten in den vergangenen Monaten durch das Alpenvorland steuern durften. Vor allem die „gute Beschleunigung“ und die „im Vergleich zum Dieselzug geringere Geräuschentwicklung“ des Wasserstoffzuges loben die Fahrzeugführer.
Hinsichtlich der Zuverlässigkeit des „Mireo Plus H“ findet die BEG indessen klare Worte: „noch nicht zufriedenstellend“. Ihre Begründung: „Ein erheblicher Teil der Fahrten konnte aufgrund von technischen Mängeln nicht stattfinden.“ Hauptursachen seien Probleme mit der Wasserstofftankstelle und dem Betankungsprozess gewesen. Außerdem hätten technische Defekte am Fahrzeug selbst für den ein oder anderen Ausfall gesorgt.
„Auch nach intensiven Tests können bei neuen Technologien im Fahrgastbetrieb vereinzelt Herausforderungen auftreten“, erklärt eine Sprecherin des Zugherstellers Siemens Mobility. Das sei ein „normaler Teil des Innovationsprozesses“. Weil auf den Linien nach Füssen und Peißenberg nur ein Wasserstoffzug verkehrt und keine ganze Flotte, „werden solche Effekte schneller sichtbar“, merkt Siemens Mobility an und verweist auf die Heidekrautbahn im Norden Berlins. Dort seien gleich sechs Wasserstoffzüge im Einsatz und die Rückmeldungen „äußerst positiv“.
Die Störungen in Bayern führt der Zughersteller mitunter auf das Zusammenspiel von neuen Komponenten und der Infrastruktur zurück. Doch selbst bei „herkömmlichen Zügen“ werden hin und wieder Wartungen notwendig, betont die Sprecherin.
Doch wie sieht die Zukunft des so geschmeidig und geräuschlos dahingleitenden Sonderlings aus? Immerhin kommen ab 2026 auch zwischen Mühldorf am Inn und Burghausen Wasserstoffzüge von Siemens Mobility zum Einsatz – sogar drei Stück. „Der laufende Testbetrieb auf den Strecken Augsburg-Füssen und Augsburg-Peißenberg soll bis Mitte 2027 fortgesetzt werden“, erklärt die BEG.
Norbert Moy vom Fahrgastverband Pro Bahn aus Weilheim bleibt dennoch skeptisch: „Das wird eine Nische bleiben“, sagt er und begründet seine Einschätzung nicht zuletzt mit dem schlechten Wirkungsgrad des Wasserstoffs und dem Vormarsch der Akkuzüge. Völlig falsch liegt er mit seiner Prognose offenbar nicht. Weitere Testbetriebe der Prototypen sind laut BEG in Bayern nicht vorgesehen. „Der Freistaat setzt den Fokus auf den Einsatz von Akkuzügen“, erklärt das Bayerische Verkehrsministerium auf Anfrage. Im Hinblick auf die gesamte ‚Lebensdauer‘ der Fahrzeuge seien diese in der Regel günstiger als die mit Wasserstoffantrieb, heißt es aus München.
Auch im Landkreis sollen künftig batteriebetriebene Triebwagen über die Nebenstrecken rollen (wir berichteten). Zwischen Weilheim und Peißenberg wird sogar eine Oberleitung gebaut, um die Akkuzüge während der Fahrt laden zu können. Laut BEG sollen die Stromer spätestens im Jahr 2040 in der Region auftauchen. Wer sich Hoffnungen gemacht hat, schon zuvor einen Batteriezug im Pfaffenwinkel anzutreffen, den muss die BEG enttäuschen. Einen Testbetrieb im Landkreis soll es nach derzeitigem Planungsstand nicht geben.