Die Bayerische Versorgungskammer steht wegen riskanter US-Immobiliengeschäfte unter Druck. In den USA wurden Schadenersatzklagen eingereicht, in Deutschland sind solche auch möglich.
München – Die Bayerische Versorgungskammer (BVK) ist mit rund 117 Milliarden Euro Anlagevermögen und etwa 2,7 Millionen Versicherten und Leistungsempfängern eine der größten öffentlichen Versorgungseinrichtungen Deutschlands. Sie verwaltet die Alters-, Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenversorgung für Angehörige freier Berufe wie Ärzte, Anwälte oder Schornsteinfeger.
Die BVK investiert die zur Anlage stehenden Gelder eigenen Angaben zufolge weltweit an den Finanz- und Immobilienmärkten. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase hat die Kammer Beteiligungs- und Immobilieninvestments bei der Anlage stärker berücksichtigt. Doch einige der Projekte liefen nicht wie geplant.
Bayerische Versorgungskammer versinkt im Chaos: Es besteht ein Verlustrisiko von 700 Millionen Euro
Wie die BVK in einer Mitteilung vom Dezember schreibt, hat sie sich mit einem Volumen von 820 Millionen Euro an drei besonders risikobehafteten Projektentwicklungen sowie an einem Renovierungsprojekt, der Transamerica Pyramid in San Francisco, beteiligt. Zusätzlich wurden in drei US-Bestandsobjekte weitere rund 770 Millionen Euro investiert. Insgesamt seien somit 1,6 Milliarden Euro in US-Immobilien investiert worden.
Es heißt jedoch auch, dass bereits für das Geschäftsjahr 2024 für diese Investitionen Wertberichtigungen in Höhe von rund 163 Millionen Euro vorgenommen werden mussten. Zudem müsse von einem weiteren Verlustrisiko in Höhe von bis zu 690 Millionen Euro ausgegangen werden. Gleichzeitig versucht die BVK das Problem zu beschönigen, die Summe entspräche „nur 0,6 Prozent ihres gesamten Anlagekapitals“.
Bayerische Versorgungskammer versinkt im Chaos: Partner bereits wegen Steuerbetrugs verurteilt
Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) sind die Gründe, dass Teile der US-Objekte sanierungsbedürftig waren, leer standen oder mit Verlust verkauft werden mussten. Besonders brisant ist, dass Gelder in Projekte des US-Investors Michael Shvo flossen, der bereits 2018 wegen Steuerbetrugs verurteilt worden war. Diese Vorbelastung wurde offenbar erst spät erkannt.
Die BVK zog aufgrund des Skandals personelle Konsequenzen. Zwei langjährige Investmentmanager, denen eine zu große Nähe zu Shvo vorgeworfen wurde, mussten gehen. Zudem wurden interne Veränderungen angestoßen und die Staatsanwaltschaft München hat Vorermittlungen aufgenommen. Der Fall ist auch politisch relevant, da das Bayerische Innenministerium die BVK kontrollieren soll. Die Opposition wirft der Regierung in diesem Fall Versagen vor, was diese zurückweist.
Bayerische Versorgungskammer versinkt im Chaos: In den USA wurden bereits Klagen eingereicht
Doch es droht weiteres Ungemach. Dem SZ-Bericht zufolge haben Mieter und Käufer der missglückten Immobilienprojekte in den USA mittlerweile eine Schadensersatzklage gegen Michael Shvo und die BVK eingereicht. Shvo selbst soll die BVK in den USA laut einem Bericht des US-Portals The Real Deal auf ihm zustehende Gebühren in Höhe von 85 Millionen Dollar verklagt haben. Der BVK wurde allerdings noch keine Klage zugestellt, wie die SZ berichtet.
Parallel dazu prüfen die deutschen Wirtschaftsanwälte Peter Mattil und Stephan Greger die Vorgänge in den USA. Sie haben in Bayern eine „Interessengemeinschaft Versorgungswerke“ gegründet. Greger hatte demnach bereits im September einen Katalog mit 40 Fragen an die BVK eingereicht; die Antworten seien aber nicht zufriedenstellend gewesen. Die beiden Anwälte wollen nun die US-Deals aufklären und bei Bedarf auf Schadenersatz klagen. Die BVK selbst hat die Vorwürfe der Anwälte zurückgewiesen.
Bayerische Versorgungskammer versinkt im Chaos: War es nur ein Einzelfall?
Laut einem Bericht des Focus ist es auch brisant, dass die risikoreichen US-Investments intern angeblich als „Einzelfall“ bezeichnet worden sein sollen. Allerdings soll die BVK auch Geschäftsbeziehungen zu anderen später in Ungnade gefallenen Investoren, darunter René Benko, unterhalten haben. (Quellen: BVK, SZ, Focus, The Real Deal)