Der Krampuslauf zählt zu den Höhepunkten des Tölzer Christkindlmarkts. Die Dämonen sind mittlerweile nummeriert, und es ist verstärkt Security im Einsatz.
Bad Tölz – Der Krampuslauf gehört seit Jahren zu den Höhepunkten des Tölzer Christkindlmarkts. Beim nächsten Termin am Samstag, 13. Dezember, ab 17.45 Uhr werden rund 110 der schaurigen Gestalten die Marktstraße bevölkern. Sowohl die Stadt Bad Tölz als auch Sebastian Harrnach vom federführenden Verein Strawanza Pass sind sicher: Trotz ihres Gruselfaktors gebührt den Krampussen ein fester Platz in der Vorweihnachtszeit.
Krampuslauf als laute alpenländische Tradition
Rathaus-Sprecherin Birte Stahl versieht die Ankündigung des Krampuslaufs mit einem kleinen Warnhinweis: „Schreckhafte und geräuschempfindliche Menschen werden gebeten, zu entscheiden, ob sie dem Krampuslauf beiwohnen wollen.“ Denn diese Art, eine alte alpenländische Tradition aufleben zu lassen, sei „sehr laut und auch mit gruseligem Nervenkitzel“ verbunden. Unterm Strich gehe es aber „ausschließlich um die harmlose Unterhaltung der Zuschauer“, versichert Stahl. Acht Gruppen bis aus dem Salzburger und dem Berchtesgadener Land, dem Allgäu, Ost- und Südtirol sind heuer dabei: neben der Strawanza Pass auch die Behemot Pass, D‘Oaringer Krampein, die Hölltoiduifl, die Totenstoan Teufel, die Brauchtumsgruppe Lind Rajach, die Achtalteufel Teisendorf und der Klausenverein Immenstadt.
Der These, dass der finstere Gesell Kindern heutzutage nicht mehr zumutbar sei, kann Sebastian Harrnach nichts abgewinnen. „Der Krampus gehört zum Einkehrbrauch an Nikolaus einfach dazu“, sagt er. „Ich bin in Rottach-Egern aufgewachsen und war immer derjenige, der dem Krampus den Stecken halten musste, weil ich frecher war als mein Bruder.“ Diese Begegnungen „haben mir auch nicht geschadet“, ist er überzeugt. „Im Vergleich zu dem, was die Kinder heute an Blödsinn im Fernsehen und Internet sehen, ist der Krampus das geringere Übel.“
Kein Nikolaus ohne Krampus
Einen Besuch des Nikolaus ohne Krampus könne man bei seinem Brauchtumsverein nicht buchen, erklärt Harrnach. „Das kommunizieren wir deutlich. Bei manchen stößt das auf Ablehnung, aber wir bekommen auch viel Zuspruch.“
Ein ganz besonderes Ereignis sei es, wenn beim Krampuslauf zahlreiche der dämonischen Gestalten zusammentreffen. Im südbayerischen Raum seien ihm nur Krampusläufe in München und Bad Tölz bekannt, sagt Harrnach. Häufiger sei seine Gruppe in Österreich unterwegs.
Es mache einfach Freude, wenn man die aufwendige, traditionsreiche Krampus-Ausstattung präsentieren könne. Die handgeschnitzten Holzmasken, in Harrnachs Fall mit einem Steinbock-Horn versehen, die Mäntel, Glockengurte, Stiefel und Hosen: Für alles könne man locker über 3000 Euro aus der Privatschatulle investieren, sagt der Obmann der Strawanza Pass. „Wir haben keine Sponsoren.“ In der kompletten Ausrüstung umherzuziehen, bezeichnet er als „Hochleistungssport“.
Krampusse brauchen Fingerspitzengefühl
Gleichzeitig bräuchten die Krampus-Darsteller Fingerspitzengefühl. „Wenn man zu den Kindern runtergeht und ihnen auf Augenhöhe begegnet, haben sie meistens keine Angst“, sagt Harrnach. Wenn man merke, dass ein Kind vor den Krampussen zurückweicht, „dann gehen wir einfach weiter, denn wir wollen ja nicht, dass ein Kind weint“.
Einigen Zuschauern geht es bei der lauten Adventstradition trotzdem zu stark zur Sache. Vor sechs Jahren beschwerte sich eine Besucherin, dass sie ein Krampus mit der Rute zu stark auf die Waden geschlagen und dort Striemen hinterlassen habe. Ob das wirklich so stattfand, findet Harrnach bis heute „zweifelhaft“. Er habe damals das Gespräch mit der Betroffenen gesucht, was diese aber abgelehnt habe. Dennoch machte sich Harrnach für Veränderungen stark. So gibt es beim Krampuslauf seit einigen Jahren eine verstärkte Präsenz von Security-Kräften. „Zudem“, so erklärt Rathaus-Sprecherin Birte Stahl, „sind bei uns alle Teilnehmer des Krampuslaufs registriert: Vor Veranstaltungsbeginn müssen sie sich bei Strawanza Pass mit einem Personalausweis ausweisen und erhalten dann eine persönliche Kennnummer, die sie offen am Kostüm tragen müssen.“
In einem anderen Punkt lässt Harrnach nicht mit sich verhandeln: „Der Krampus hat eine Rute, die muss dabei sein.“ Die Ruten seien aus weichem Birkenholz. „Das tut nicht weh, und wir wollen natürlich keinen verletzen.“ Die Krampusse seien zwar lautstark, aber „mit Sinn und Verstand“ unterwegs.