Seit 1993 mitten im Zauber: Diese Händler prägen den Tölzer Christkindlmarkt

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Richten ihren Stand für den Christkindlmarkt her: Christine und Karl Otto Volkland. © Arndt Pröhl

Am Freitag öffnet der Tölzer Christkindlmarkt wieder seine Pforten. Viele Händler sind seit 1993 dabei und erzählen ihre Geschichten.

Bad Tölz – Wenn an diesem Freitag der Tölzer Christkindlmarkt öffnet, gibt es an vielen Ständen ein Wiedersehen mit vertrauten Gesichtern. Denn mit dabei sind etliche Händler, die den Markt seit Jahrzehnten prägen.

Menschenmengen walzten über Markt

„Wir sind dabei, seit es den Markt gibt. Seit 1993“, sagt Karl Otto Volkland. Er selbst war bei den „Aktiven Tölzern“ – den Verein gibt es heute nicht mehr – engagiert, als die Mitglieder im Keller des „Kolbergartens“ Pläne für den Christkindlmarkt schmiedeten. „Ich hab mir gedacht: Nur Glühwein ist auch nix – und dann bin ich auf unseren Baumkuchen gekommen“, berichtet Volkland. Das erste Jahr, erinnert er sich, sei turbulent gewesen. „Ganz schön chaotisch – wie die Menschenmengen über den Markt gewalzt sind.“ Ein einziger Glühweintopf reichte bald nicht mehr.

Live in „Bayern 3“

Höhepunkte seien für ihn die Sonntage gewesen an denen „Bayern 3“ live vom Markt sendete. „Das war wirklich toll – vor allem die Resonanz, die noch Jahre später kam.“ Unvergessen bleibt ihm auch der erste Markt nach der Corona-Pause: „Die Menschen waren so froh, wieder rauszukommen.“ Schlechte Jahre gebe es nur, wenn das Wetter nicht mitspiele, ergänzt seine Frau Christine Volkland.

Der frühere Inhaber des Café Volkland in der Marktstraße führt mittlerweile die Eisdiele „Karlotti“ im Badeteil. Im Winter ist sein ganzes Team auf dem Christkindlmarkt im Einsatz. „Ich verabschiede die Leute im Sommer mit ihrer Eistüte in der Hand, und im Winter schenke ich ihnen Glühwein aus – eine angenehme Abwechslung.“ Der Arbeitstag am Stand beginne meistens um 9 Uhr und dauere zehn bis zwölf Stunden.

Dresden, Nürnberg und danach schon der Tölzer Christkindlmarkt

Es sei „die Atmosphäre in der Marktstraße“, die den Tölzer Christkindlmarkt zu etwas Besonderem mache, sagt Volkland. Früher wie heute seien es vor allem kleine Unternehmer aus der Region, die den Markt prägen. „Heute ist das Niveau hoch und konstant. Man fährt nach Dresden oder Nürnberg auf den Christkindlmarkt – aber nach Tölz eben auch.“

Bratwürste, Fischsemmeln und Tölzer Prügel

Wenige Meter weiter hat Christine Müller, Inhaberin des Partyservice Mannheim, ihren Stand. Gemeinsam mit ihrem Vater, der nächstes Jahr 85 wird, grillt sie Bratwürste, gibt Fischsemmeln und Tölzer Prügel aus. Früher, so erinnert sie sich, hatte die damalige Metzgerei Mannheim zur Adventszeit noch einen kleinen Stand im Badeteil. „Ich bin dabei, seit es den Markt gibt“, sagt die 57-Jährige. „Es ist immer eine besondere, aber auch eine belastende Zeit für die Familie.“ Heuer dauert der Markt 27 Tage, in anderen Jahren waren es auch schon über 30.

„Hier herrscht eine besondere Magie“

An Heiligabend stehe die Familie bis 14 Uhr am Stand, „und daheim sind wir dann erst gegen fünf oder sechs“. Doch es gebe für sie in den Adventswochen keinen schöneren Platz als an ihrem Grill. Für Herausforderungen sorge bisweilen das Wetter, etwa als vor zwei Jahren jede Menge Schnee geräumt werden musste. Für Müller hat der Christkindlmarkt eine besondere Magie. „So a Christkindlmarkt hat schon einfach so eine Geschichte.“

Familiengeführtes Geschäft mit Tradition

Auch für Johann und Barbara Monn beginnt eine vertraute Zeit. Seit 1994 verkaufen sie in ihrer Hütte heimische Wildfelle, Decken und handgefertigte Babygeschenke. Schon davor standen die Eltern von Johann Monn mit ihrem Stand in der Tölzer Marktstraße. „Es ist ein familiengeführtes Geschäft mit Tradition“, berichtet Johann Monn. Vor drei Jahren übernahmen er und seine Frau Barbara Monn das Geschäft in der Waxensteinstraße in Arzbach.

„Der Markt ist über die vier Wochen hinweg sehr herausfordernd“, sagt Monn. Seine Frau ist Schneidermeisterin und fertigt zusätzlich Stirnbänder, Kissenbezüge und Babyware für den Stand an.

Hoch im Kurs

Für beide ist der Tölzer Christkindlmarkt der wichtigste Markt des Jahres. „Er ist beständig und direkt vor der Haustür“, sagt Johann Monn. Viele Stammkunden kommen ihm zufolge jedes Jahr. „Manche rufen sogar vorher an und fragen, ob wir bestimmte Stücke beiseitelegen können“, sagt der Arzbacher. „Wir sind auch in Glentleiten auf dem Markt und in Rottach auf dem Christkindlmarkt, aber Tölz ist Prio Nummer eins.“